Mittels einer Datenbank für Familienforschung konnte der Doppelmord aufgeklärt werden. Foto: Imago Images

Seit fast 16 Jahren warten ihre Angehörigen auf eine Antwort: Warum mussten Anna-Lena S. (56) und Mohamed A. (8) sterben? Nun ist es der  Polizei im schwedischen Linköping endlich gelungen, den Doppelmord aufzuklären – mithilfe einer Datenbank für Familienforschung. Gegen den geständigen Täter wurde nun Anklage erhoben, teilte die Staatsanwalt mit.

Die Opfer von Daniel N.: Anna-Lena S. und Mohamed A. Fotos: privat

Der heute 37 Jahre alte mutmaßliche Täter, Daniel N., hatte – so die Anklage – am 19. Oktober 2004 den Drang verspürt, zwei Menschen zu töten. Sein erstes Opfer war der achtjährige Mohamed A. Der Zweitklässler war gerade auf dem Weg zur Schule im Zentrum von Linköping. N. stach ihn von hinten mit einem Messer nieder. Als er sah, dass Sprachlehrerin Anna-Lena S. (56) den Vorfall beobachtet hatte, stach er auch sie nieder. Beide Opfer, die nichts gemeinsam hatte, außer dass sie an diesem Morgen zur selben Zeit auf derselben Straße waren, starben.

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Der Täter hinterließ am Tatort das Messer mit Fingerabdrücken, Blutspuren und Haaren, trotzdem konnte die Polizei ihn nicht ausfindig machen. Es folgte die umfangreichste polizeiliche Ermittlung seit dem Mord an Schwedens Ministerpräsident Olof Palme von 1986. 7000 Verhöre wurden durchgeführt, 5000 Menschen mussten sich einem DNA-Test unterziehen, 40.000 Dokumente wurden angehäuft. Doch der Täter war nicht zu finden.

Daniel N. muss sich nun für den Doppelmord vor Gericht verantworten. Foto: Polizei

In diesem Jahr stellte die Polizei schließlich die DNA vom Tatort in eine Datenbank für Familienforschung, in die Privatpersonen ihre DNA eingeben können. Dort gab es einen Treffer mit einer Person, die Teile der DNA des Täters aufwies. Mithilfe des Genealogen Peter Sjölund gelang es schließlich, zwei Brüder ausfindig zu machen, deren Erbgut mit dem Profil übereinstimmte. Im Juni wurde der Jüngere festgenommen, nachdem er den Doppelmord gestanden hatte. Die Staatsanwaltschaft geht nicht davon aus, dass er weitere Menschen getötet hat. Er habe sehr zurückgezogen gelebt. N. gab zu Protokoll, keine Freunde zu haben.

Laut einer Erklärung der Rechtsmedizin leidet der Mann an einer schweren psychischen Störung, weshalb er möglicherweise nicht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wird. Der Prozess gegen Daniel N. beginnt am 15. September vor dem Bezirksgericht Linköping und wird voraussichtlich drei Tage dauern. (mit dpa)