Auf der Außenseite der ISS fanden Experimente mit strahlungsresistenten Bakterien statt. Foto: JAXA/NASA

Widerstandsfähige Mikroben könnten ungeschützt die Reise zwischen Erde und Mars überstehen und so das Leben von einem Planeten zum nächsten tragen. Das schließt ein japanisches Forschungsteam aus Versuchsreihen auf der Internationalen Raumstation ISS. Strahlungsresistente Bakterien der Gattung Deinococcus radiodurans könnten als Kolonien bis zu acht Jahre im offenen Weltraum überdauern, berichtet das Team um Akihiko Yamagishi von der Japanischen Raumfahrtagentur JAXA und der Universität für Pharmazie und Lebenswissenschaften in Tokio im Fachblatt Frontiers in Microbiology.

Die Wissenschaftler hatten für ihre Untersuchung verschieden große Kolonien der ausdauernden Bakterien bis zu drei Jahre außen auf der ISS montiert und den harschen Umgebungsbedingungen dort ausgesetzt. Wie die Beobachtung zeigte, starben zwar die Bakterien an der Oberfläche der Kolonie, sie bildeten aber einen Schutzschild für die darunter liegenden Mikroben. Aus den Überlebensraten nach ein, zwei und drei Jahren schließen die Forscher, dass eine Kolonie mit einer Dicke von mehr als einem halben Millimeter 15 bis 45 Jahre auf der Außenhaut der ISS überleben würde.

Die Bedingungen im Orbit der Raumstation sind noch vergleichsweise mild verglichen mit dem interplanetaren Raum. Hochrechnungen der Forscher zufolge könnte dort eine ungeschützte Kolonie mit einer Dicke von einem Millimeter immerhin bis zu acht Jahre überstehen. „Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass strahlungsresistente Deinokokken die Reise von der Erde zum Mars oder andersherum überleben könnten, die einige Monate bis Jahre auf der kürzesten Bahn dauert“, erläutert Yamagishi.

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Nicht geklärt ist damit allerdings, wie die Bakterienkolonien Start und Landung bewältigen und überleben. Dennoch gibt die Studie der Theorie der Panspermie neuen Auftrieb. Sie geht davon aus, dass sich das Leben im Weltall von einem Himmelskörper zum nächsten ausbreitet. „Der Ursprung des Lebens ist das größte Rätsel der Menschheit“, betont Yamagishi. „Forscher haben ganz unterschiedliche Ansichten davon: Manche glauben, dass Leben sehr selten ist und nur einmal im Universum entstanden ist, während andere meinen, dass Leben auf jedem passenden Planeten entstehen kann. Wenn die Panspermie möglich ist, muss Leben viel häufiger sein, als wir bislang gedacht haben.“

Eine ganz andere Herausforderung als das Planeten-Hopping in unserem eigenen Sonnensystem wäre für die Mikroben allerdings die Reise zu anderen Sonnensystemen. Zwar legen frühere Studien nahe, dass Bakterien geschützt etwa in einem Asteroiden noch viel länger im Weltall überdauern können, allerdings ist selbst das nächste Sonnensystem, Proxima Centauri, bereits 4,2 Lichtjahre entfernt. Das sind knapp 40 Billionen Kilometer und damit rund 700.000-mal mehr als die kürzeste Distanz zum Mars – diese Reise würde viele Jahrtausende dauern. (dpa/fwt)