Der Däne Peter Madsen in seinem U-Boot „Nautilus“. Foto: Hougaard Niels/Ritzau Foto/AP/dpa

Der wegen der Ermordung der schwedischen Journalistin Kim Wall zu lebenslanger Haft verurteilte dänische U-Boot-Bauer Peter Madsen hat die Tat gestanden. In einem am Mittwoch ausgestrahlten Dokumentarfilm antwortete Madsen am Telefon auf die Frage, ob er die junge Frau im August 2017 getötet habe, mit „Ja“. „Es gibt nur einen Schuldigen, und das bin ich“, fügte er hinzu, nachdem er während des gesamten Verfahrens die Tat bestritten hatte.

Der Mord an Kim Wall ist eine Horrorgeschichte, die man in einem Thriller als übertrieben abgetan hätte: Lange vor der schicksalsträchtigen Sommernacht vom 10. auf den 11. August 2017 hatte der 47-Jährige sein Verbrechen geplant. Mehrere Frauen fragte er, ob sie mit ihm auf Tour kommen wollten. Alle lehnten ab – die 30-jährige Wall nicht. Ein zufälliges Opfer, „zur falschen Zeit am falschen Ort“, sagte Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen im Prozess gegen Madsen 2018.

Die von Madsen ermordete Journalistin Kim Wall. Foto: AFP

Die 30-Jährige war investigative Journalistin, hatte bereits aus Uganda und Sri Lanka berichtet, schrieb für den „Guardian“, die „New York Times“ und das renommierte „Time“-Magazin. „Sie fand Geschichten, wo immer sie hinreiste“, erzählte ihre Mutter. „Kim hatte eine einzigartige Fähigkeit, den Menschen zu sehen.“ Der Mensch in ihrer nächsten Story sollte Madsen sein. Vor der Tauchfahrt habe sie zwar etwas Angst gehabt, erzählte ihr Freund dänischen Medien. Doch eher wegen des beklemmenden Gefühls unter Wasser als wegen Madsen.

Niemand ahnte, welche perversen Sex-Fantasien Madsen hegte

Niemand ahnte, welche perversen Sex-Fantasien der Erfinder hegte. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er die junge Frau in seinem U-Boot „Nautilus“ fesselte, auf Brüste, Bauch und Geschlechtsteile einstach und sie dann tötete. Ob er sie tatsächlich enthauptete, können Mediziner nicht mehr feststellen. Die Leiche fand man in Einzelteilen Tage und Wochen später im Meer, erst Torso und Kopf, dann Beine und Arme.

Die Journalistin Kim Wall wenige Stunden vor ihrem Tod in Madsens U-Boot „Nautilus“. Foto: Anders Valdsted/Scanpix Denmark/AFP

Madsens damalige Erklärung, Wall sei bei einem tragischen Unfall an Abgasen erstickt, passe in vielen Punkten nicht zusammen, fand das Gericht. Genau wie seine Behauptung, dass Wall bereits tot war, als er auf sie einstach.

Vor dieser tragischen Sommernacht war Peter Madsen in Dänemark als ziemlich verrückter, doch genialer Wissenschaftler bekannt. Ein extremer Mensch, über den Bücher geschrieben und Dokumentarfilme gedreht wurden. Ein Mann, der mit einer selbst gebauten Rakete ins All fliegen wollte. Ein selbstfixierter Spinner im olivgrünen Arbeitsoverall, der sich mit seinen Partnern explosiv streiten konnte, im Grunde aber harmlos war.

Madsens U-Boot „Nautilus“ wurde nach der schrecklichen Tat zerstört. Foto: Mads Claus Rasmussen/Scanpix Denmark/AFP

Vor Gericht wirkte Madsen oft, als halte er sich für den Klügsten im Raum. Die Details, die zu Tage kamen, sind so entsetzlich und grausam, dass die Richter irgendwann baten, nur noch das Notwendigste sehen zu müssen. Madsen war fasziniert vom Tod – in seiner brutalsten Weise. Er schaute Videos, auf denen Menschen hingerichtet und enthauptet werden – echte Filme, keine Fiktion. Die Bilder sahen im Prozess nur Richter, Verteidigung und Anklage. Die Geräusche der sterbenden Menschen jedoch hörten alle.

Videos, auf denen Menschen hingerichtet werden

Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen war überzeugt, dass diese Videos Madsen sexuell erregten – und dass er sie deshalb im U-Boot nachstellte. Madsen selbst beteuerte, die Filme hätten für ihn keinen sexuellen Wert. Es gehe ihm lediglich darum, emotional berührt zu werden. Doch das glaubte ihm die Staatsanwaltschaft nicht.

Ein einziges Mal kamen Madsen im Prozess die Tränen: Als er von der SMS erzählt, die er seiner Frau nach Walls Tod schrieb. „Ich bin ein wenig auf Abenteuer mit ‚Nautilus‘. Alles gut. Fahre in ruhiger See und Mondlicht. Tauche nicht. Küsse und Umarmungen für die Katzen.“ Es sollte der Abschied sein.

Wall schickte kurz davor auch eine SMS an ihren Freund. Heute erscheinen ihre Worte grausam prophetisch: „Ich lebe übrigens noch“, schrieb die junge Frau.