Ung-Perlen im Geschäft von Kriangsak Ung in Ao Yon im Süden von Phuket: Die dickste Perle hier (u. re.) hat einen stattlichen Durchmesser von 16,2 Millimetern und kostet 120.000 Baht (3100 Euro).  dpa/Carola Frentzen

In langen Reihen liegen die Muscheln im warmen Meer vor Ao Yon auf Thailands größter Insel Phuket. Unendlich langsam verrichten sie ihre Arbeit: Hochwertige Perlen sollen sie produzieren, in allen Farbschattierungen von Weiß und Creme über Rosa bis Silber und Champagner. Plastikbojen markieren den Standort der Schalentiere. In Ufernähe wiegt sich eine rostige Plattform mit Motorantrieb und Ruder in den seichten Wellen, darauf ein Plastikstuhl, allerlei Gerät, Eimer, Netze und Seile.

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Kriangsak Ung arbeitet seit 46 Jahren als Perlenzüchter

Damit fährt Kriangsak Ung hinaus zu seinen etwa 10.000 Muscheln, „um zu prüfen, ob es ihnen gut geht, und dann, später im Jahr, um sie einzuholen und die Perlen zu ernten“, erzählt der 70-Jährige. Seit 46 Jahren arbeitet der zierliche Thai als Perlenzüchter auf Phuket. Trotz vieler Rückschläge liebt er seinen Beruf noch immer.

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Die Schalen der beiden Muschelarten, die Kriangsak Ung züchtet: Pinctada maxima, im Deutschen auch als „Silberlippe“ bekannt, und die schwarze Pteria penguin. Sie werden auch zur Zierde verkauft. 

Ung züchtet zwei Perlmuschelarten: Pinctada maxima, im Deutschen auch als „Silberlippe“ bekannt – die größte der etwa sechs Arten von Perlmuscheln, die für die Zucht genutzt werden. Und die schwarze Flügelmuschel Pteria penguin. Eine Perle entsteht nach etwa zwei Jahren, bei besonders großen Exemplaren auch erst nach vier Jahren, sagt Ung und erläutert, dass die Schalentiere damit aber nicht notgedrungen sterben: „Eine junge Muschel, der es gut geht, kann bis zu dreimal benutzt werden.“ Sein Blick schweift stolz durch die Werkstatt und den angrenzenden Schmuckladen der „Ung Pearl Farm“.

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Der Perlenzüchter Kriangsak Ung und seine Frau Nuanpit in ihrem Geschäft in Ao Yon im Süden von Phuket. 

Ehefrau Nuanpit entwirft und fertigt seit einigen Jahren Kleinode aus den Perlen. Ob Ketten, Anhänger, Armbänder oder Ohrringe – die 58-Jährige designt mit viel Fantasie alles, was Perlenfans von nah und fern begehren. Für jede Geldbörse ist etwas dabei – kleine Ohrstecker sind schon ab 500 Thai Baht (13 Euro) zu haben. Die dickste Perle im Geschäft hat hingegen einen stattlichen Durchmesser von 16,2 Millimetern und kostet 120.000 Baht (3100 Euro).

Unbezahlbar ist indes der Blick auf die malerische Bucht und die blaue Andamanensee, den die Kunden genießen. Diese Ecke von Phuket ist ein Geheimtipp.

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Perlen sind vermutlich die ältesten Schmuckstücke der Erde

Perlen sind vermutlich die ältesten Schmuckstücke der Erde. Erstmals werden sie im chinesischen Geschichtswerk „Shu Ching“ erwähnt: „Im Jahre 2206 vor Christus erhielt König Yu als Tributgeschenk Perlen aus dem Fluss Hwai“, heißt es da. Auch im Alten Testament, dem Koran und dem Talmud werden Perlen für ihre perfekte Schönheit und Reinheit gepriesen.

Heute weiß man, dass der Ursprung einer Perle weniger ansehnlich ist – es sind schlicht Parasiten und Würmer. Gelangen sie ins Innere einer Muschel, setzt ein Schutzmechanismus ein, und sie ummantelt den Eindringling mit Perlmutt.

Erst 1893 gelang es dem Japaner Kokichi Mikimoto erstmals, Perlen zu züchten. Es dauerte jedoch, bis er seine Technik so weit entwickelt hatte, dass vollkommen runde Zuchtperlen entstanden. Das Prinzip ist seitdem gleich geblieben: Man setzt den Muscheln einen Perlmuttkern ein, der langsam zu einer Perle heranreift. „Mein Traum ist es, den Hals aller Frauen auf der ganzen Welt mit Perlen zu schmücken“, soll der Perlen-Pionier aus dem Land der Kirschblüten einmal gesagt haben.

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Ein Schritt in diese Richtung ist ihm jedenfalls gelungen: Fast alle echten Perlen, die es auf dem Markt gibt, sind heute gezüchtet – und somit meist etwas erschwinglicher als die seltenen Naturperlen. Am Rande sei angemerkt, dass Marilyn Monroe von ihrem zweiten Ehemann Joe Di Maggio in den Flitterwochen in Japan eine Kette aus Mikimoto-Perlen als Hochzeitsgeschenk bekam. 

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Von Lowtech und Selfmade

Um makellose Perlen zu erhalten, nutzt Ung kreisrunde Stückchen Muschelschale. Er sitzt an einem Tischchen in der Werkstatt, neben ihm allerlei feines Gerät. Eines der Schalentiere ist vor ihm in einer Halterung befestigt. Mit routinierter Hand und Pinzette führt der Experte das Fremdkörper-Implantat ein. Hinter ihm sind Tanks aufgereiht. Hier wachsen Babymuscheln heran, die nächste Generation.

Der Perlenzüchter Kriangsak Ung setzt einer Muschel mit einer Pinzette runde Stückchen Muschelschale ein.  dpa/Carola Frentzen

Ung ist ein Selfmademan, hat sich alles selbst beigebracht. „Die Technik an sich ist nicht schwer, das ist alles Lowtech und ziemlich einfach. Das, was es zum Perlenzüchten braucht, ist Zeit.“

Durch den Tsunami 2004 musste die Familie ganz von vorne anfangen

Aber es gab auch Rückschläge. Allen voran der Tsunami vom 26. Dezember 2004, der Thailand ganz besonders traf. „Es war ein Sonntag“, erinnert sich Ung. Der Laden war zu, er hielt sich mit seiner Frau und den vier Kindern in der Wohnung im ersten Stock auf. „Das war unser Glück. Aber das Wasser kam immer wieder und hat alles mitgerissen. Nur das Haus selbst ist stehengeblieben.“ Die gesamte Zucht ging verloren. „Wir mussten noch mal ganz von vorne anfangen.“

Nach viel Arbeit lief es irgendwann wieder rund. Dann kam Corona. „Das sind jetzt wieder harte Zeiten. Dabei brummte das Geschäft gerade.“ Ungs Lächeln weicht Sorgenfalten. „Wir haben so gut wie kein Einkommen mehr.“ Trotzdem öffnet er den Shop jeden Morgen. Aber nur selten verirren sich derzeit Touristen an den abgelegenen Traumstrand. Im Rahmen eines Modellprojekts dürfen seit Juli zwar vollständig Geimpfte quarantänefrei auf Phuket Ferien machen. Aber der Zulauf hält sich wegen Bürokratie und strenger Regeln in Grenzen.

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Die Bucht von Ao Yon im Süden von Phuket, wo Kriangsak Ung Perlen züchtet. 

Was liebt Ung an seiner Arbeit so, dass er trotz Tsunami und Covid nie aufgegeben hat? Er denkt kurz nach. „Dass ich draußen arbeiten kann, in engem Kontakt mit der Natur.“ Und das Alleinsein, das sein Job vor allem zu Beginn mit sich brachte. „Bevor ich in das Haus hier gezogen bin, lebte ich zurückgezogen in einer Hütte auf Stelzen, direkt über dem Meer“, sagte er und lächelt glücklich.

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Kriangsak Ung Arbeit wurde vom thailändischen Königshaus gewürdigt

Auch vom Königshaus wurde seine Arbeit schon gewürdigt. Ehefrau Nuanpit zeigt stolz auf eine goldene Plakette und ein Foto des unvergesslichen Moments. Darauf ist zu sehen, wie Ung 1995 am Nationalen Landwirtschaftstag vom damaligen Kronprinzen und heutigen König Maha Vajiralongkorn ausgezeichnet wird.

Derweil geht über der Bucht langsam die Sonne unter. Wieder einmal ist kein Käufer gekommen. Aber auch am nächsten Morgen wird Ung das Geschäft aufsperren, den Schmuck in Positur setzen und auf Kundschaft hoffen. Einer wie er gibt nach fast 50 Jahren Perlenzucht nicht auf.