Die Zahl der Operationen am Uniklinikum Düsseldorf sei von normalerweise zwischen 70 und 120 pro Tag deutlich auf nur noch 10 bis maximal 15 gesunken. Foto: David Young/dpa

Nach einem Hackerangriff von Erpressern auf die Düsseldorfer Uniklinik wird nun auch wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Laut einem Bericht des NRW-Justizministers vom Donnerstag starb eine Patientin, die wegen des Angriffs auf die Server der Klinik in ein weiter entferntes Krankenhaus gebracht werden musste und dort nicht mehr gerettet werden konnte. Die lebensbedrohlich erkrankte Frau, die in der Nacht vom 11. auf den 12. September in die Uniklinik gebracht werden sollte, wurde an ein Krankenhaus in Wuppertal verwiesen. Ihre Behandlung habe erst mit einstündiger Verspätung stattfinden können. Die Frau verstarb.

Aus einem Bericht des Justizministers ging hervor, dass vergangene Woche 30 Server des Klinikums verschlüsselt wurden. Auf einem Server wurde ein Erpresserschreiben hinterlassen, das allerdings an die Düsseldorfer Heinrich Heine-Uni gerichtet war. In dem Schreiben forderten die Erpresser zur Kontaktaufnahme auf – eine konkrete Summe nannten sie laut Bericht nicht.

Die Düsseldorfer Polizei habe dann tatsächlich Kontakt aufgenommen und den Tätern mitgeteilt, dass von ihrem Hackerangriff ein Krankenhaus – und nicht die Uni – betroffen sei. Damit seien Patienten erheblich gefährdet. Die Täter hätten daraufhin die Erpressung zurückgezogen und einen digitalen Schlüssel ausgehändigt, mit dem die Daten wieder entschlüsselt werden können.

Bereits seit Tagen steuern Rettungswagen die große Einrichtung in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt nicht mehr an. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Mit dem anhaltenden Ausfall des IT-Systems nach dem Hackerangriff wächst die Zahl anderer betroffener Patienten von Tag zu Tag. Statt normalerweise etwa 1000 Patienten in einer stationären Behandlung seien es durch die üblichen Entlassungen inzwischen nur noch etwa 550, sagte ein Kliniksprecher. Die Zahl der Operationen am Uniklinikum Düsseldorf sei von normalerweise zwischen 70 und 120 pro Tag deutlich auf nur noch 10 bis maximal 15 gesunken.

Die einzelnen Geräte wie zum Beispiel das Röntgen funktionierten, es könnten allerdings keine Daten oder Untersuchungsergebnisse in das IT-Netz eingespeist und bearbeitet werden. „Ein Normalbetrieb ist weiterhin nicht möglich“, schilderte der Sprecher. Nach dem am vergangenen Donnerstag aufgetretenen IT-Ausfall sei inzwischen ein kleines Computersystem ohne weitreichende Vernetzung aufgebaut worden, mit dem zumindest Patientendaten erfasst werden könnten. „Das ist ein Schritt besser, als mit dem Stift auf einem Zettel zu arbeiten.“

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Das IT-System des Universitätsklinikums war am vergangenen Donnerstag gegen 3.00 Uhr nachts ausgefallen. Bereits seit Tagen steuern Rettungswagen die große Einrichtung in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt nicht mehr an, sondern fahren zu anderen Krankenhäusern. Am Universitätsklinikum Düsseldorf werden nach früheren Angaben jährlich über 50.000 Patienten stationär versorgt und etwa 300.000 Patienten im Jahr ambulant behandelt. Gemessen an der Bettenzahl ist es das siebtgrößte Klinikum in NRW.