Matt Edwards ist der neue Pan Tau. Foto: ARD/Caligari/Film2020

„Pan Tau“ ist Kult – mit gutem Grund. Denn die deutsch-tschechische Serie aus den 1970er-Jahren erzählt vergnügliche Geschichten mitten aus dem Leben, anrührend, märchenhaft, skurril und sehr lustig. Otto Simánek spielte in 33 Folgen den Zauberer, der mit Frack, Regenschirm und einem magischen Melonenhut dort auftaucht, wo Kinder seine Hilfe brauchen. Eine Rolle, die den 1992 verstorbenen Darsteller weit über seine Heimat Prag hinaus berühmt machte. Nun gibt es neue Geschichten von „Pan Tau“, gedreht in Köln, München und Umgebung. Ab Sonntag (4. Oktober) laufen die sieben Doppelfolgen um 10.10 Uhr im Ersten, in der ARD-Mediathek sind sie bereits verfügbar.

Matt Edwards spielt den neuen „Pan Tau“ – eine Rolle, die mit großen Erwartungen verknüpft ist. Kann er mit dem wunderbaren Otto Simánek mithalten? Edwards kann, legt die Figur aber anders an. Simánek tritt auf als feiner Herr alter Schule, zurückhaltend und bedächtig. Edwards dagegen kann nicht verleugnen, dass er in seiner Heimat England für turbulente und temporeiche Auftritte als Zauberer und Komiker bekannt ist. Sein Pan Tau ist unternehmungslustiger und frecher als das Original. Eines ist jedoch gleich: Beide reden nicht, sondern verlassen sich auf Gesten und Mimik. In der alten Serie fing der Zauberer erst gegen Ende an, zu sprechen.

„Pan Tau“-Darsteller Otto Simánek. Foto: Imago-Images/United Archives

„Der alte Pan Tau war reaktiv, er stand oft da und hat sich Dinge lächelnd angeschaut. Das war damals auch sehr bezaubernd. Aber wir wollten, dass der heutige Pan Tau viel mehr agiert“, sagt die Regisseurin Franziska Meyer Price über die moderne Version. Zudem wolle man auch Teenager ansprechen. Mit Blick auf den internationalen Markt wurde auf Englisch gedreht.

Das chaotisch-heimelige Familienleben von früher wird in der modernen Version ersetzt durch eine durchgestylte Hochglanz-Optik. Das wird schon bei der Westpark-Schule deutlich, in Wirklichkeit in München die Botanische Staatssammlung. Der Pausenhof wird zum Campus, wie man ihn aus US-Teenie-Serien kennt, und alle tragen Pullis, Caps oder Rucksäcke mit Schullogo.

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Im Schaukasten im Eingang steht die kleine Pan-Tau-Figur als Schulmaskottchen. In Notfällen wächst sie auf Menschengröße und hilft leidgeplagten Schülern. In jeder Doppelfolge steht Pan Tau anderen Jugendlichen mit Magie und verrückten Ideen zur Seite. Er hilft bei der Entwicklung einer Hundeausführ-Maschine, entführt Geschwister in die Mittelalterwelt einer Fantasy-Buchreihe oder bringt einen Schüler seinem Traum von einer Schlagzeugerkarriere näher. 

„Pan Tau“-Otto Simánek bei Dreharbeiten im Jahr 1987. Foto: Imago-Images/United Archives

Erzählt werden die Geschichten temporeich und unterhaltsam. Kinder haben ihren Spaß, lachen über die Einfälle von Pan Tau und verfolgen die Geschichten gespannt. Denn die Serie ist weniger ein Märchen, sondern taucht in die heutige Welt junger Zuschauer ein. Es geht um Mobbing in der Schule, Influencer, die erste Liebe und vieles mehr. 

Nostalgiker werden bei der Neuauflage dennoch einiges vermissen. An den Charme und den Witz der alten Episoden reicht sie nicht ganz heran, in denen Jindrich Polak meisterhaft die vielen kleinen Missgeschicke und Absurditäten des Alltags inszeniert. Was bekamen die Zuschauer vor 50 Jahren nicht alles geboten: Ein Vater setzt sich auf eine Tüte mit Eiern. Ein Heimwerker hat das Ofenrohr so schlecht installiert, dass es mit einer Riesenladung Ruß aus der Wand fliegt. Und ein Mann findet in seiner Wohnung plötzlich ein Auto. Eine wunderbare Mischung aus Märchen, Aberwitz und Schadenfreude, immer mit einem liebevollen Blick auf die leidgeplagten Figuren.

Doch alten Zeiten nachtrauern – das bringt nichts. Zumal es wenig Sinn ergeben hätte, einen Abklatsch von früher zu produzieren. Der neue „Pan Tau“ ist eigenständig und passt mit seiner schnellen Erzählweise zu den Sehgewohnheiten heutiger Kinder. Wer dennoch lieber in Erinnerungen schwelgt, kann sich trösten: Das Original läuft bei Amazon Prime.