Platzverweis für Unions Robert Andrich im Derby gegen Hertha BSC. Die Rote Karte feiert am Osterwochenende ihr 50-jähriges Jubiläum. Foto: Imago/Matthias Koch

Ein Tritt in den Hintern des Gegenspielers, der ihn zuvor böse gefoult hatte, bescherte Eintracht Frankfurts Friedel Lutz am 3. April 1971 die erste Rote Karte der Bundesliga-Geschichte. Dem Schiedsrichter sei nichts anderes übrig geblieben, als ihn vom Platz zu stellen, resümierte Lutz bei einem Treffen mit eben jenem Referee Wilfried Hilker vor einigen Jahren lachend.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) führte die Gelbe und die Rote Karte als optische Signale für Verwarnung und Platzverweis zur Rückrunde der Bundesliga-Saison im Januar 1971 ein. Das System habe sich „zur Verdeutlichung der Entscheidungen gegenüber Spielern und Zuschauern“ bei der Weltmeisterschaft in Mexiko 1970 bewährt, begründete der DFB das damals in seinem Pressedienst.

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Auch über den inzwischen verstorbenen Lothar Kobluhn wurde und wird ebenfalls an mancher Stelle geschrieben, er habe die erste Rote Karte der Bundesliga bekommen – im Oktober 1970. Kann das wirklich sein? Antwort: Nein. Denn den Platzverweis an sich gab es zwar schon länger, wie der DFB schreibt. Aber eben nicht die Karte als Symbol dafür.

Die schnellste Rote Karte

Der Frankfurter Marcel Titsch-Rivero war gerade 43 Sekunden auf dem Platz und musste dann schon wieder runter. Foto: dpa

43 Sekunden. Dann ist das Spiel gegen den BVB für Eintracht Frankfurts Marcel Titsch Rivero im Mai 2011 schon wieder vorbei. Kurz vor Schluss eingewechselt, sieht er keine Minute später für eine Notbremse die Rote Karte. Das sei für ihn als damals 21-Jähriger „ein Albtraum“ gewesen, sagte Titsch Rivero vor einigen Monaten im Interview bei dfb.de. „Zumal es für uns mit Eintracht Frankfurt am 34. Spieltag bei Borussia Dortmund noch um den Klassenverbleib ging.“ Die Eintracht verlor und stieg ab. „Im Laufe der Zeit habe ich den Rekord akzeptiert, er gehört zu meiner Karriere dazu“, so Titsch Rivero, der inzwischen für den Halleschen FC in der 3. Liga kickt.

Die absurdeste Rote Karte

Der Berliner Schiedsrichter Lutz-Michael Fröhlich verlor im Spiel zwischen Bremen und Leverkusen die Übersicht. Foto dpa/Ferdinand Ostrop

Erst fliegt ein Schokoriegel auf den Platz, dann müssen zwei Spieler runter – Chaos bei der Partie zwischen Bayer Leverkusen und Werder Bremen im Februar 1998. Doch der Reihe nach: Bremens Torwart Oliver Reck wird von einem Snickers am Hals getroffen und ist kurz benommen. Ersatzspieler Uwe Harttgen eilt ihm zur Hilfe, findet den Riegel und hält ihn Schiedsrichter Lutz-Michael Fröhlich als Beweis entgegen. Der erkennt Harttgen offenbar nicht, ist irritiert und schickt ihn auf die Tribüne.

Es folgen weitere umstrittene Entscheidungen – bis zum „Blackout“, wie Fröhlich später selbst sagt. Er zeigt Torwart Reck für eine Notbremse, die zudem keine ist, erst die Gelb-Rote und dann die Rote Karte. „Ich habe in meine Brusttasche gegriffen, alle Karten herausgeholt, versehentlich Gelb und erst dann Rot gezeigt. Das hat zur Konfusion beigetragen. Einem Schiedsrichter in dieser Klasse darf das nicht passieren“, gab Fröhlich zu. Der DFB sprach Reck und Harttgen später anhand der Fernsehbilder frei.

Die ungewöhnlichste Rote Karte

Schalke-Maskottchen Erwin mit der roten Karte in der Hand. Foto: dpa/Guido Kirchner

Das Schalker Maskottchen Erwin zeigt nach einem nicht gegebenen Handelfmeter in der Nachspielzeit des Revierderbys im April 2017 dem Schiedsrichter die Rote Karte. Große Aufregung: „Das Maskottchen stellt den Schiedsrichter vor allen Zuschauern bloß. Das geht gar nicht, da muss der Verein Konsequenzen ziehen“, sagte der ehemalige Referee Thorsten Kinhöfer damals. Schalke forderte indes mehr Gelassenheit. „Wir sollten mal die Kirche im Dorf lassen. Man muss auch mal lachen können“, sagte der damalige Sportvorstand Christian Heidel. Hoffentlich werde Erwin vom DFB vorgeladen. „Dann erscheint er im Kostüm vor Gericht.“ Dazu kam es aber nicht: Der DFB beließ es bei einer Ermahnung für Königsblau.

Die lustigste Rote Karte

Willi „Ente“ Lippens im Trikot von Rot-Weiss Essen. Foto: Imago/Rust

Auch wenn es die Karte als Symbol 1965 eben noch nicht gab, darf die Geschichte von Willi „Ente“ Lippens nicht fehlen. Weil der vorausgehende Dialog Kult geworden ist – und bleibt. „Ich verwarne Ihnen.“ – „Ich danke Sie.“ Eine Unverschämtheit, befand der Schiedsrichter des Regionalliga-Spiels zwischen Westfalia Herne und Rot-Weiss Essen. So wurde aus der Verwarnung ein Platzverweis wegen Schiedsrichter-Beleidigung. „Der war so blöd und wusste nicht, dass er sich mit der Grammatik vertan hatte“, sagte Lippens viele Jahre später. „Rückblickend kann ich mich bei dem Schiri nur bedanken.“