Eine OP-Maske wie diese soll laut Studien auch den Träger schützen.  Foto: Imago-Images/Michael Weber

In Frankreich wird zunehmend auch außerhalb geschlossener Räume auf das Tragen von Gesichtsmasken gesetzt, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Auf den Balearen gilt eine solche Pflicht bereits seit einigen Wochen. Bislang gingen Forscher davon aus, dass diese Maßnahme vor allem das Umfeld des Maskenträgers vor dessen möglicherweise infektiösen Tröpfchen schützt. Ein Forscherteam aus Kanada will nun herausgefunden haben: auch der Träger minimiert mit einer herkömmlichen OP-Maske sein Ansteckungsrisiko.

Holger Schürmann und sein Team von der McMaster Universität im kanadischen Hamilton werteten systematisch 29 Studien zu diesem Thema aus und kamen zu dem Schluss, dass Masken „das relative Risiko, sich zu infizieren, um etwa 80 Prozent“ senken, sagte der deutsche Epidemiologe dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). 

Keine Daten zur Alltagsmaske

Schürmann erklärt: „Wenn das Basisrisiko, sich anzustecken, bei etwa 50 Prozent liegt, wie es etwa für Chorproben beschrieben wurde, dann verringert es sich, wenn ich eine Maske trage, auf 10 Prozent. Ist das Basisrisiko ein Prozent, reduziert sich die Gefahr, sich anzustecken, auf 0,2 Prozent.“ Diese Daten gelten allerdings nur für den einfachen chirurgischen Mundschutz. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Alltagsmasken nicht helfen, sondern nur, dass es dazu noch keine Daten gibt.

Dass es eine Wirkung geben muss, hatte Schünemann schon vor der Auswertung der Daten geglaubt, da er bei seiner Arbeit im Krankenhaus von den Infektionsschutzkollegen stets angewiesen wurde, eine Maske zu tragen, wenn er das Zimmer eines Patienten betrete. „In dem Fall geht es nicht um den Schutz des Patienten – der ist ja leider schon krank“, sagte er.

Die Studien, auf denen die Analyse von Schünemanns Team aufbaut, stammen zu einem großen Teil aus dem Gesundheitswesen, aber auch aus Privathaushalten. In allen wurden Maskenträger mit Menschen verglichen, die keinen Mund-Nasen-Schutz trugen. 

Doch auch Schünemann schränkt ein: Ein endgültiger wissenschaftlicher Beweis für den Ansteckungsschutz sei die Analyse nicht. Denn die Datenbasis basiere nicht auf randomisierten Studien. Das heißt: Die Versuchspersonen wurden nicht zufällig in Gruppen eingeteilt. Trotzdem geht Schünemann davon aus, dass die Schutzwirkung von OP-Masken hoch ist. Die 80-prozentige Risikoreduktion sei relativ konstant über die Studien zu erkennen, so Schünemann.