Omaima A. nach ihrer Festnahme in Hamburg auf dem Weg zu einem Polizeihubschrauber. Foto: dpa

Der Prozess gegen die Witwe des deutschen IS-Terroristen Denis Cuspert hat unter hohen Sicherheitsvorkehrungen begonnen. Seit Montag muss sich Omaima A. (35) vor dem Hamburger Oberlandesgericht in einem Staatsschutzprozess verantworten. Ihr wird vorgeworfen, sich der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen und eine jesidische Jugendliche als „Sklavin“ gehalten zu haben.

Laut Anklage war Omaima A. im Januar 2015 mit ihren drei Kindern im Alter von acht Monaten sowie zwei und acht Jahren aus Deutschland zum IS nach Syrien gereist, wo sich ihr damaliger Ehemann aufhielt. Nachdem dieser bei einem Luftangriff ums Leben gekommen war, heiratete sie dort später nach islamischem Recht den Berliner Dschihadisten Denis Cuspert, der durch deutschsprachige IS-Propagandavideos bekannt wurde.

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Das Foto zeigt den Berliner IS-Dschihadisten Denis Cuspert im Jahr 2014 in Syrien.
Foto: dpa

Omaima A., die die deutsche und tunesische Staatsangehörigkeit besitzt, hielt sich laut Anklage bis September 2016 in dem Bürgerkriegsland auf, bevor sie nach Deutschland zurückkehrte. A. habe sich dort in die Strukturen des IS eingegliedert, sich zu dessen Ideologie bekannt und ihre Kinder in dessen Sinn zu einem „kriminellen Lebenswandel“ erzogen. Auch Verstöße gegen Erziehungs- und Fürsorgepflichten gegen die eigenen Kinder gehören zu den Vorwürfen.

Denen hat die Angeklagte am Montag über ein von ihrem Anwalt Tarig Elobied verlesenes Statement widersprochen. Sie habe lediglich ihre Kinder betreut und den Haushalt geführt, heißt es darin. Das sei ihre Pflicht gewesen. Die Anklage wolle aus politischen Motiven jeden Aufenthalt im früheren IS-Gebiet kriminalisieren. In dem Verfahren sind zunächst 13 Verhandlungstage bis Anfang Juli angesetzt.

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Omaima A. verbirgt im Gerichtssaal ihr Gesicht.
Foto: dpa/Daniel Reinhardt

Zudem wird der Angeklagten vorgeworfen, eine 13-Jährige als „Sklavin“ in ihrem Haushalt in der Stadt Rakka gehalten zu haben. Das Mädchen gehörte zur religiösen Minderheit der Jesiden, an welcher der IS einen Völkermord verübte. Dies stuft die Anklagebehörde als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Menschenhandel ein. Auch das bestreitet Omaima A.  

Cuspert, der als Rapper unter seinem Künstlernamen „Deso Dogg“ auftrat, blieb nach Erkenntnissen der Ermittler auch nach der Rückkehr der Angeklagten weiter in Syrien beim IS. Dort wurde er anscheinend bei einem Luftangriff Anfang 2018 getötet. Vor der Trennung soll sich das Paar zerstritten haben. A. wollte demnach nach Deutschland, um ihr viertes Kind zur Welt zu bringen.