Die Mauer der Psychiatrie in Bedburg-Hau. Foto: dpa/Arnulf Stoffel

Mit Gewalt und List sind am Niederrhein zwei Insassen aus einer geschlossenen Anstalt für Straftäter ausgebrochen. Sie nahmen einen Pfleger als Geisel und zwangen ihn, für die Öffnung der Außentür zu sorgen. Anschließend flohen sie.  Bei der Festnahme in Aachen ist dann einer der Männer mutmaßlich aus einer Polizeiwaffe tödlich getroffen worden.

Es ist schon später Abend, als am Montag zwei Patienten der forensischen Psychiatrie in Bedburg-Hau in NRW Küchenmesser in die Hand nehmen und einen Pfleger bedrohen. Einen zweiten Pfleger schließen sie ein, dann zwingen sie ihre Geisel, die Außentür unter einem erfundenen Vorwand öffnen zu lassen. „Sie haben ihn genötigt, der Pforte Bescheid zu sagen, er müsse jetzt mal in den Außenbereich, um Müll zu entsorgen“, berichtet Polizeisprecher Ingo Schankweiler. Der Plan geht auf. Wenig später sitzen die beiden im Auto des Pflegers und flüchten. Ihre Geisel lassen sie vor der Klinik stehen. Sie gelten als gewaltbereit.

Wegen Raubdelikten in der Psychiatrie

38 und 43 Jahre alt sind die zwei. Sie waren laut Polizei wegen Raubdelikten verurteilt worden. Seit Oktober beziehungsweise Dezember 2019 waren sie in der forensischen Klinik. Dort werden im sogenannten Maßregelvollzug unter hohen Sicherheitsvorkehrungen psychisch kranke und suchtkranke Straftäter untergebracht, die schuldunfähig oder vermindert schuldfähig sind.

Der zurückgelassene Pfleger schlägt sofort Alarm. Er und sein Kollege waren unverletzt geblieben. Sofort beginnt eine großangelegte Fahndung. Auch ein Hubschrauber durchkämmt die Dunkelheit. „Alles, was wir auf der Straße hatten, war eingebunden“, sagt eine Sprecherin. Allein, der Wagen bleibt verschwunden. Über viele Stunden gibt es keine Spur von dem weißen Ford Mondeo mit dem amtlichen Kennzeichen KLE-S 2521.

Bei der Festnahme fallen Schüsse

Am Dienstagnachmittag wird das Auto dann von einem Zeugen im etwa 150 Kilometer entfernten Aachen entdeckt – die beiden Männer stammen aus dem Großraum Aachen. Die Polizei bittet in einer Mitteilung die Bevölkerung, den Notruf 110 zu anzurufen, wenn einer der als gefährlich eingestuften Männer gesehen wird. Mit Hochdruck wird im Raum Aachen gesucht. Am Abend entdecken die Beamten dann die beiden Männer. „Einer der beiden Täter erlag trotz notärztlicher Maßnahmen seinen Verletzungen“, sagt der Aachener Polizeisprecher Andreas Müller.

Polizisten hätten die beiden Männer zuvor verfolgt, diese wiederum bedrohten auf einem Schulgelände eine unbeteiligte Frau. Bei der Festnahme ist es laut Polizei zu einer Schussabgabe gekommen. Das Polizeipräsidium Mönchengladbach übernehme aus Neutralitätsgründen die Ermittlungen. Zuständig sei die Staatsanwaltschaft Aachen, hieß es.