Marita Blüm mit ihrem verstorbenen Mann Norbert im April 2019. Foto: Imago-Images/Christoph Hardt

Viele Monate war der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm schwer krank, bevor er im April im Alter von 84 Jahren starb. Am Ende aber „war ganz plötzlich Schluss“, wie seine Witwe Marita am Mittwochabend in der RTL-Sendung „Stern TV“ erzählte. Anlässlich der Jubiläums-Show zum 30-jährigen Bestehen der Sendung, in der Blüm mehrfach Gast gewesen war, sprach die 80-Jährige über die letzten Minuten mit ihrem Mann. Es war einer der bewegendsten Momente der Sendung.

Marita Blüm, die 55 Jahre mit ihrem Mann verheiratet war, beschrieb das plötzliche Ende nach einer langen Leidenszeit. Innerhalb von vier Minuten sei es vorbei gewesen, sagte sie. „Er hat mich runtergeschickt, wollte noch einen Apfelwein mit Eisstückchen haben. Ich war höchstens 70, 80 Sekunden unten, dann kam ich hoch, und da war es vorbei“, so Marita Blüm. "Ich habe ihn einfach nur noch in den Arm genommen."

Die Zeit zuvor sei sehr schwer für ihren Mann gewesen. „Elf Monate hat er im Krankenhaus verbracht. Er hat ganz Schreckliches mitgemacht. Die Reha hat nicht viel gebracht, er lag da rum. Dann haben wir ihn nach Hause geholt. Das war die beste Idee. Er konnte gar nichts mehr.“

Norbert Blüm spricht auf dem CDU Parteitag im Jahr 2004. Foto: Imago-Images/Thomas Imo

Blüm war nach einer Sepsis an Armen und Beinen gelähmt, wie er im März in einem Gastbeitrag in der „Zeit“ selbst publik machte. „Ich fühle mich wie eine Marionette, der sie die Fäden gezogen haben, so dass ihre Teile zusammenhanglos in der Luft baumeln“, schrieb Blüm. Das Nichtstun lag ihm nicht. Bis ihn die Krankheit ans Bett fesselte, habe seine Tatkraft angehalten. „Er war eben ein alter Mann. Ich habe nie versucht, ihm das Engagement auszureden. Ich wusste, dass es ihm wichtig war“, sagte seine Wittwe nun am Mittwochabend im TV. „Er hat gerne Feuerchen angezündet, aber es hat auch viel bewirkt.“

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Tatsächlich legte Norbert Blüm auch nach seinen 16 Jahren als Arbeitsminister im Kabinett von Helmut Kohl die Hände nicht in den Schoß. Er hielt Vorlesungen, engagierte sich in Sozialprojekten, verfasste Bücher und wirbelte die Union mit seinen für CDU-Verhältnisse teilweise unerhört linken Positionen durcheinander. 2016 reiste er im Alter von 80 Jahren begleitet von „Stern-TV“ zudem ins griechische Flüchtlingslager Idomeni an der Grenze zu Nordmazedonien. Um auf die dramatische Situation der gut 12.000 Menschen aufmerksam zu machen, schlug er dort selbst sein Zelt auf. „Stacheldraht gegen Kinder und nicht gegen Armeen. Europa, schäm dich!“, sprach er damals in die Kameras. Diese Reise wurde von den Zuschauern zum größten Moment der Sendung gewählt.