Bluttest in einem Labor zur Erkennung von Tumormarkern im Blut. Foto: imago images/Science Photo Library

Je früher eine Krebserkrankung erkannt wird, umso größer sind die Überlebenschancen der Patienten. Doch bislang sind die Möglichkeiten, Krebs schon in einem frühen Stadium zu diagnostizieren, noch sehr begrenzt. Schon seit einiger Zeit arbeiten Wissenschaftler daher daran, Hinweise auf Tumore etwa im Blut zu finden. Derartige Verfahren werden auch als Liquid Biopsy bezeichnet. Ein neuer Bluttest soll nun fünf verschiedene Krebsarten bis zu vier Jahre früher diagnostizieren als bislang übliche Methoden. Wie Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“ schreiben, ist das Verfahren bei Krebserkrankungen von Magen, Speiseröhre, Darm, Lunge und Leber anwendbar. 

Den neuen Test hat ein Team um den Genetiker Kun Zhang von der University of California in San Diego, USA, entwickelt und PanSeer getauft. Zhang ist Mitgründer des Unternehmens Singlera, das hinter dem neuen Test steht. Das Verfahren spürt bestimmte Veränderungen an DNA-Fragmenten auf, die im Blut zirkulieren. Diese Veränderungen können auf Krebs hinweisen.

Der Genetiker Kun Zhang und sein Team nutzten die Daten einer chinesischen Krebs-Langzeitstudie mit mehr als 123.000 Teilnehmern. Sie prüften die Treffergenauigkeit ihres Tests mithilfe von Blutproben einiger dieser Probanden. Zum Zeitpunkt der Blutentnahme zeigte keiner davon Krebssymptome. Zhang und Kollegen suchten nach bestimmten Kriterien 191 Teilnehmer der Langzeitstudie aus, bei denen ein bis vier Jahre nach der Blutentnahme Magen-, Speiseröhren-, Darm-, Lungen- oder Leberkrebs diagnostiziert worden war. Hinzu kamen 414 Teilnehmer der Langzeitstudie, die später nicht an Krebs erkrankten.

In 95 Prozent der Krebsfälle schlug der PanSeer-Bluttest erfolgreich an (Sensitivität von 95 Prozent). Die analysierte Blutprobe wurde dabei ein bis vier Jahre vor der offiziellen Diagnose genommen. Bei den gesunden Probanden stellte der Test in vier Prozent der Fälle fälschlicherweise einen Krebs fest (Spezifität von 96 Prozent). Die Mediziner betonen, dass ihr Test vermutlich nicht dazu geeignet sei, Patienten zu erkennen, die später Krebs entwickeln werden, sondern vielmehr solche, die bereits erkrankt sind, aber noch keine Symptome zeigen.

Bis solch ein Test allerdings tatsächlich in die klinische Praxis eingeführt werden könne, müssten noch einige Hürden genommen werden. So sei mit Blick auf die aktuelle Studie beispielsweise eine unabhängige Validierung nötig und zum anderen müssten klinische Studien durchgeführt werden, die auch nicht chinesische Populationen umfassten. Bis dahin, so die Onkologin und Hämatologin, sei die hypothesengestützte Untersuchung vor allem als Forschungsarbeit zu bewerten – und als sinnvoller Hinweis für eine weitere Arbeit an derartigen Liquid-Biopsy-Verfahren. (dpa/fwt)