Eine Markierung mit der Aufschrift "zwei Meter Abstand halten" auf dem Boden. imago/Ralph Peters

In geschlossenen Räumen unbedingt zwei Meter Abstand halten und eine Gesichtsmaske tragen – so schützt man sich am besten vor einer Ansteckung durch Covid-19? Eine Studie des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) zeigt jetzt, dass die Abstandsregel völlig überbewertet ist – da selbst 20 Meter Abstand kein wirklicher Schutz sind. Ein anderer Faktor sei viel wichtiger.

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Die MIT-Mathematik-Professoren Martin Z. Bazant und John W.M. Bush entwickelten für ihre Studie eine Methode, die das Risiko einer Ansteckung durch Covid-19 in Innenräumen berechnet. Dazu wurden nicht nur Abstand und Mund-Nasen-Schutz einbezogen, sondern auch Faktoren wie verbrachte Zeit in einem Raum, Luftfilterung und Zirkulation, Impfungen, Mutanten des Virus sowie „respiratorische Aktivitäten“ wie atmen, essen, sprechen oder singen.

Experte: Geöffnete Fenster sind genauso effektiv wie Luftfiltersysteme

Prof. Bazant: „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Zwei-Meter-Abstandsregel faktisch nichts bringt. Der wichtigste Faktor ist Zeit, wie lange eine gesunde Person sich im selben Raum mit einer covid-positiven Person befindet. Je länger, desto größer ist das Ansteckungsrisiko.“ Ein weiteres Resultat der MIT-Studie: „Geöffnete Fenster zur Luftzirkulation sind genau so effektiv wie teure Luftfiltersysteme.“

Das Fazit der Forscher: Innen-Kapazitäten zu begrenzen, um Abstand zwischen Menschen zu wahren, bringt nach den Berechnungen gar nichts. Gute Luftzirkulation ist der Schlüssel. Prof Brazant: „Und wenn eine infizierte Person niest und sich die Tröpfchen im Raum verteilen, dann ist das Risiko einer Ansteckung genauso hoch für jemanden, der 20 Meter weg sitzt im Vergleich zur Person, die genau gegenübersitzt.“ Für Leute, die sich im Außenbereich aufhalten, ist Abstand das A und O. Laut der Studie reicht ein Meter Abstand ohne Maske, um das Ansteckungsrisiko auf fast null zu bekommen.

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Laut Prof. Bazant sind die neuen Virus-Varianten um durchschnittlich 60 Prozent ansteckender: „Man kann das Risiko ausgleichen, indem man für 60 Prozent bessere Luftzirkulation in Innenräumen sorgt und den Aufenthalt zeitlich um 60 Prozent verkürzt.“