Die Autorin Nancy Crampton Brophy wurde verurteilt, ihren Dan Brophy im June 2018 ermordet zu haben. dpa/The Oregonian

Krimi-Autoren haben eine düstere Fantasie, aber man wagt kaum zu glauben, dass die Schreibtischtäter selbst zu Tätern geworden sein könnten: Bei Nancy Crampton Brophy war dies offensichtlich der Fall. Sie wurde nun wegen Mordes an ihrem eigenen Mann verurteilt. Die Romanschriftstellerin wurde unter anderem mit einem Essay bekannt, dessen Titel lautet: „Wie man seinen Ehemann tötet“. Offenbar scheint die 71-Jährige diese Anleitung wörtlich gemeint zu haben. Die Tat soll aus niedrigen Beweggründen heraus erfolgt sein: Die Schriftstellerin hatte es demnach auf das Geld aus der Lebensversicherung des Opfers abgesehen.

Nach achtstündigen Beratungen fiel am Mittwoch der Schuldspruch der Geschworenen im Westküstenstaat Oregon, ihr Strafmaß erfährt Nancy Crampton Brophy am 13. Juni. Die 71-Jährige weist jede Schuld von sich.

Nancy Crampton Brophy schrieb, dass Schusswaffen „laut sind, Unordnung stiften und einiges Geschick erfordern“.

Crampton Brophy ist bekannt für eine ganze Serie von Romanen mit so vielsagenden Titeln wie „Der falsche Ehemann“ oder „Der falsche Liebhaber“. In dem Essay „Wie man seinen Ehemann tötet“ geht es um die Art und Weise, wie eine Frau ihren Ehepartner loswerden kann, ohne von der Justiz behelligt zu werden. Darin heißt es unter anderem, dass Schusswaffen „laut sind, Unordnung stiften und einiges Geschick erfordern“.

Doch genau auf diese Weise soll sie ihren Mann getötet haben. Laut Staatsanwaltschaft schoss sie den damals 63-Jährigen im Juni 2018 in der Kochschule, in der er als Koch tätig war, zweimal ins Herz, um seine Lebensversicherungen zu kassieren. Sie hatte demnach finanzielle Probleme - zudem sollten ihr die hunderttausende Dollar aus den Versicherungen einen Lebensstil ermöglichen, den ihr Mann ihr nicht bieten konnte.

Crampton Brophy wies alle Vorwürfe zurück. Aufnahmen einer Überwachungskamera, auf denen sie in der Nähe des Tatorts zu sehen war, zeigten sie laut eigener Aussage lediglich bei der Suche nach Inspiration für ihre Bücher. Eine verschwundene Pistole - laut Polizei die Tatwaffe - habe sie für eine Recherche zu einem niemals vollendeten Roman gekauft.

Nancy Crampton Brophy bestreitet Tatmotiv: finanziell ginge es ihr mit Ehemann besser als ohne

Auch das von der Anklage genannte Motiv für die Tat bestritt sie. Ihr gehe es mit ihrem Ehemann finanziell besser als ohne ihn, sagte sie während des Prozesses aus. Ihre finanziellen Probleme seien schon seit langem gelöst.

Die Verteidigung kündigte Berufung an, wie die Lokalzeitung „The Oregonian“ berichtete. „Nancy Brophy liebte ihren Mann“, sagte ihre Anwältin Kristen Winemiller vor den Geschworenen und wurde dabei selbst fast lyrisch: „Man konnte das ihren Augen ansehen, wenn sie über ihn sprach. Ihre Augen leuchteten, sie strahlten regelrecht.“

In ihrem Blog über Motive und Methoden zur Beseitigung eines unerwünschten Ehepartners schrieb Crampton Brophy auch, dass jede Frau, jeder Mann dazu fähig sei - „wenn nur genügend dazu angestachelt“.