Den Hand aufs Herz-Gruß statt Händeschütteln wählen viele Politiker, wie hier Bundeskanzlerin Angela Merkel Foto: dpa

Ellbogen statt Küsschen? Faust statt Umarmung? Seit sich Sars-CoV-2 ausbreitet, grüßt man sich anders. Weltweit kommen mit der Pandemie wegen der Ansteckungsgefahr Etikette und Rituale auf den Prüfstand. Der gute alte Händedruck ist out. Schluss mit Bussi-Bussi.

Die Menschen suchen nun nach passenden Alternativen. Prinz Charles probierte es mit dem indischen Gruß „Namaste“: Hände aneinandergelegt und eine kleine angedeutete Verbeugung. Andernorts legen Politiker die Hand aufs Herz – oder nicken sich zu.

„Es gibt unendlich viele verschiedene Begrüßungsformen“, sagt die Verhaltensbiologin Imme Gerke. Sie selbst beherrsche allein 20 Formen – und suche aus, was passend sei. „Dann stellt sich die Frage nach dem Handschlag gar nicht mehr. Das ist das, was wir heute unter Vielfalt verstehen.“ Im Internet kursieren Videos, in denen sich Leute beim „Wuhan-Shake“ oder „Foot-Shake“ zur Begrüßung mit den Füßen einen Kick geben oder sich berührungsfrei die Hände nur angedeutet in der Luft reichen.

Weil Patienten schon vor den ersten Symptomen ansteckend sein und Viren an den Händen haben können, empfehlen Fachleute den grundsätzlichen Verzicht auf den Händedruck. Die Übertragung geschehe, wenn man sich anschließend mit den eigenen Händen in sein Gesicht fasse, erläutert der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene DGKH, Peter Walger. „Die Viren, die an den Händen kleben, trägt man dann in die Schleimhäute der Nase, der Augen oder des Mundes.“ Wie viel Prozent der Coronavirus-Infektionen über den Handschlag übertragen werden, könne allerdings niemand sagen.

Aber es geht um mehr: Wer Hände schüttelt, ist dem anderen nah - und hier droht eine weitere Gefahr: Tröpfcheninfektion. „Das Händeschütteln zu untersagen, macht nur Sinn, wenn man den Abstand von ein oder besser zwei Metern einhält“, sagt Walger. „Schon allein um diesen Abstand einzuhalten, schüttelt man nicht mehr die Hände.“

Auch Sänger Howard Carpendale verzichtet verantwortungsbewusst aufs Händeschütteln, wählt den sogenannten Ebola-Gruß. Dabei kommt man sich allerdings auch ziemlich nahe. Foto: dpa

Damit ist jede nahe Begrüßung auch ohne Hautkontakt keine Lösung. Ein neuer Ritus beim Gruß hat sich noch nicht durchgesetzt. Oft gesehen ist die Namaste-Geste. Doch dafür braucht man beide Hände – schwierig und wenig elegant, wenn man etwa eine Tasche in der Hand hält. Nur Lächeln wiederum könne missverstanden werden als ein „Du gefällst mir“, meint Imme Gerke. Ihre favorisierte Alternative der Coronavirus-angepassten Begrüßung ist die offene Hand auf dem Herzen. „Das wird auch bei vielen arabischen Völkern so gemacht.“ Es sei oft die Antwort darauf, dass sich Männer und Frauen nicht berühren sollten. „Das wäre doch jetzt eine ideale Begrüßung.“ Es sei eine menschlichere Geste als der Faustgruß. Der, auch als „Fist Bump“ oder „Ghettofaust“ bekannt, ist zwar virenfreier als der Händedruck. Doch der Zwei-Meter-Abstand ist dabei kaum einzuhalten. Dasselbe gilt für den sogenannten Ebola-Gruß. Dabei berühren sich nur die Ellbogen. (dpa)