Forscher in einem Gespräch (Symbolfoto). Foto: imago images/Westend61

Menschen aus Jäger- und Sammlergesellschaften organisieren einer Studie zufolge ihr Leben ähnlich wie Säugetier- und Vogelarten, mit denen sie ihren Lebensraum teilen. Dies gilt zum Beispiel für Nahrungssuche, Fortpflanzung, Nachwuchsbetreuung und sogar hinsichtlich ihres sozialen Umfelds, wie die Max-Planck-Gesellschaft am Donnerstag mitteilte. Demnach haben Umweltfaktoren entscheidenden Einfluss darauf, wie sich Menschen und nichtmenschliche Arten bei der Nahrungssuche verhalten – trotz ihrer sehr unterschiedlichen Hintergründe.

Für die in der Zeitschrift Science veröffentlichte Studie trugen Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der Universität Bonn und der University of Bristol in Großbritannien Daten von mehr als 300 Orten auf der ganzen Welt zusammen, um dann das Verhalten menschlicher Populationen sowie anderer dort lebender Säugetier- und Vogelarten zu beschreiben.

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Die Ergebnisse zeigen, dass sich der Mensch bei 14 von 15 untersuchten Verhaltensweisen ähnlich verhält wie die meisten anderen Arten, die am selben Ort leben – und dass er sich von Arten, die unter anderen Umweltbedingungen leben, eher unterscheidet.

„Frühere Studien untersuchten den Einfluss von Umweltbedingungen auf das Verhalten von nahe verwandten Arten“, erläuterte Autor Toman Barsbai von der University of Bristol und dem Institut für Weltwirtschaft Kiel. „In unserer Studie haben wir nun aus einer vergleichenden Perspektive sehr unterschiedliche Arten – Menschen, Säugetiere und Vögel – systematisch über eine breite Palette von Verhaltensweisen hinweg miteinander verglichen.“

Beispiel Nahrungssuche: In Lebensräumen, in denen Menschen einen erheblichen Teil ihrer Kalorien durch die Jagd gewinnen, stellten die Forscher einen viel größeren Anteil an fleischfressenden Säugetieren und Vögeln fest als anderswo.

Beim Fortpflanzungsverhalten fanden die Wissenschaftler heraus, dass an Orten, an denen Menschen später Kinder bekommen, auch die dort lebenden Säugetiere und Vögel bei der ersten Fortpflanzung durchschnittlich älter sind – und jünger, wo auch Menschen sich früh fortpflanzen.

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Auch gibt es laut der Studie einige Orte auf der Welt, an denen die Betreuung der Nachkommen gleichmäßiger zwischen den Eltern aufgeteilt wird als an anderen. Zudem gibt es Orte, wo Gruppen aus mehr Individuen bestehen als an anderen, sowie Orte, an denen es wahrscheinlicher ist, dass es soziale Klassen gibt – wenn nämlich einige Individuen dominanter sind als andere.

Die Ursache dieser Verhaltensübereinstimmungen könnte in den örtlichen Umweltbedingungen liegen: Den Angaben zufolge konnten die Forscher in Kenntnis der Umweltbedingungen eines Orts erklären, welche Verhaltensweisen dort zu erwarten sind. Allerdings ist demnach noch unklar, welche spezifischen Umweltfaktoren für bestimmte Verhaltensweisen von besonderer Bedeutung sind oder welche Mechanismen sie miteinander verbinden.

„Wir waren überrascht, dass diese Assoziationen bei Menschen, Säugetieren und Vögeln auftraten“, erklärte der Studienautor Dieter Lukas vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. „Es ist zu erwarten, dass verschiedene Arten ihre Umwelt auf sehr unterschiedliche Weise wahrnehmen und mit ihr interagieren. Selbst wenn sie am Ende das gleiche Verhalten zeigen, könnten sie auf unterschiedlichen Wegen dorthin gelangt sein.“

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Die Studie konzentrierte sich auf menschliche Populationen, die den Großteil ihrer Nahrung durch Nahrungssuche innerhalb ihres Lebensraums gewinnen. Der Studienautor Andreas Pondorfer von der Universität Bonn und der Technischen Universität München nannte es „interessant herauszufinden, wie viele dieser Umweltrestriktionen andere Gesellschaften prägen, in denen Individuen ihre Nahrung durch landwirtschaftliche Spezialisierung und Handel erhalten“.

Es werde oft angenommen, dass Menschen durch das Betreiben von Landwirtschaft weniger von ihrer Umwelt abhängig seien. „Dennoch könnten auch in diesen Populationen Individuen nicht so unabhängig von der Umwelt sein, wie wir denken, und vielleicht könnte ihr Verhalten auch immer noch Anpassungen widerspiegeln, die vor Einführung der Landwirtschaft stattgefunden haben.“