Boris Palmer ist Bürgermeister von Tübingen. Imago/Ulmer

Es begann unwürdig und es geht unwürdig weiter: Nachdem der ehemalige Nationaltorwart Jens Lehmann den Sky-Experten Dennis Aogo als „Quotenschwarzen“ bezeichnete, bezieht der Grüne Skandal-Bürgermeister Boris Palmer Partei – und zwar für Lehmann.

Boris Palmer nimmt Jens Lehmann in Schutz

Palmer hatte selbst einen Shitstorm erlitten, nachdem er sich rassistisch über den Auftritt des Schwarzen Kochs Nelson Müller in einem Werbespot aufgeregt hatte, seither zieht er gegen eine angebliche Cancel Culture ins Feld. Nun verteidigte er Lehmanns Rassismus und eine Äußerung Aogos über „Training bis zum Vergasen“. Als ihm ein Mitglied der Grünen Jugend vorwarf, „mal wieder Rassismus relativieren“ zu wollen, postete Palmer den Skandal-Satz: „der aogo ist ein schlimmer Rassist. Hat Frauen seinen n****-schwanz angeboten.“ Das N-Wort schrieb er aus.

Später keilte Palmer gegen „Lifestylelinke“ und versuchte, seinen erneuten Ausfall als Satire zu verkaufen. Mit dem zweiten Teil des Satzes habe er sich zudem auf den Kommentar einer Frau unter Palmers Post bezogen, die Aogo vorwirft, ihrer Freundin angeboten zu haben, sich einen „dicken N*****-schwanz zu gönnen“. Die Geschichte ist nicht überprüfbar, der Kommentar inzwischen unauffindbar.

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Nun dringt die Grünen-Spitze in Baden-Württemberg auf einen Parteiausschluss Palmers. Die Äußerung Palmers über den früheren Fußball-Nationalspieler Dennis Aogo sei „rassistisch und abstoßend“, sagte Grünen-Landeschef Oliver Hildenbrand beim Landesparteitag in Stuttgart. Der Tübinger OB sorge mit „inszenierten Tabubrüchen“ für eine Polarisierung der öffentlichen Debatte. Deshalb müsse der Parteitag über die Einleitung eines Ausschlussverfahrens entscheiden, sagte er. „Die Zeit ist reif dafür. Denn das Maß ist voll.“ Am Samstagnachmittag war es dann so weit: 161 Delegierte stimmten für ein Parteiausschlussverfahren, 44 dagegen, acht enthielten sich. 

Beim Parteitag bekam Boris Palmer sogar noch einmal die Chance, sich zu rechtfertigen, doch von Einsicht war keine Spur. Er sagte, es handele sich um „haltlose und absurde Vorwürfe“. Stattdessen behauptete er, es gehe darum, abweichende Stimmen zum Verstummen zu bringen. „Daher kann und will ich nicht widerrufen.“ Allerdings empfahl er dem Parteitag, dem Antrag für ein Ausschlussverfahren zuzustimmen. Dann habe er endlich die Gelegenheit, sich gegen die Anwürfe zu verteidigen.