Ein Ausschnitt aus der Recherche: Während das Pferd über das Hindernis springt, wird es an den Füßen von einer Stange getroffen. RTL

Es sieht immer etwas unnatürlich aus, wenn Pferde bei den Olympischen Spielen über hohe Hindernisse springen, damit ihre Reiter Medaillen und Prämien abgreifen. Immer wieder ruft es Kritik hervor, von Tierquälerei ist die Rede, doch Reitsportler schließen dann oft schnell die Reihen, betonen den Spaß, den die Pferde beim Training und bei den Wettkämpfen haben.

Doch ausgerechnet bei Deutschlands Reitsport-Ikone Ludger Beerbaum soll das so gar nicht der Fall sein. Zu diesem Schluss kommt zumindest ein Rechercheteam des RTL-Magazins „Extra“ und der Investigativ-Ikone Günter Wallraff nach zweijähriger Arbeit.

Wendet Ludger Beerbaum verbotene Trainingsmethoden an?

Am Dienstagabend wurden die Ergebnisse der Recherche bei RTL ausgestrahlt. Grundlage sind Videoaufnahmen, die dem Rechercheteam von einer Insiderin zugespielt wurden. Sie sollen Bilder vom „Ludger Beerbaum Stables“ in Riesenbeck in NRW zeigen – und dort eine verbotene Trainingsmethode: das Barren.

Tatsächlich ist auf den veröffentlichten Videoaufnahmen zu sehen, wie ein Mann – laut RTL Ludger Beerbaum selbst – auf einem Pferd auf ein Hindernis zureitet und es überspringt, währenddessen schlägt ein anderer Mann dem springenden Pferd mit einer Latte gegen die Schienbeine.

2016 bei den Olympischen Spielen in Rio holte Ludger Beerbaum noch einmal eine Medaille. Imago/Rene Schulz

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Ziel dieser Methode ist es, dem Pferd durch Schmerz beizubringen, noch höher zu springen – und sie ist alles andere als neu und stammt aus einer Zeit, in der das Tierwohl noch weniger Beachtung fand als heute. Vor mehr als 30 Jahren sorgte die Praxis bereits einmal für einen Skandal. Der ehemalige Springreiter und Pferdezüchter Paul Schockemöhle wurde damals via Videoaufnahmen des Barrens überführt.

Tierschützer lehnen das Barren ab

Laut dem Deutschen Tierschutzbund ist das Barren eine „abzulehnende Ausbildungsmethode“ und spricht von Tierquälerei. Auch deshalb hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) die Praxis untersagt, ebenso der Internationale Reitsportverband FEI. Und doch findet sie immer wieder Anwendung – auch weil es eine gewisse Grauzone gibt. Das Touchieren, eine abgeschwächte Form des Barrens, bei dem ein aktiver Schlag vorhanden sein muss, ist laut FN erlaubt. Tierschützer sehen auch diese Methode skeptisch.

Paul Schockemöhle (r.) wurde 1990 des Barrens überführt. Wie ergeht es nun Ludger Beerbaum? Imago/Sven Simon

Doch was zeigen die Aufnahmen, die RTL am Dienstagabend von Ludger Beerbaums Hof sendete? RTL befragte den Tierschutzgutachter Dr. Maximilian Pick, der nach der Sichtung des Videomaterials zu dem Schluss kam, dass es sich hier eindeutig um Barren und nicht um Touchieren handele. Ludger Beerbaum selbst beantwortete die Fragen des Rechercheteams nicht. Dafür ließ sein Management der Bild ausrichten, dass er aktuell in Florida sei und sich nach der Sichtung der Bilder äußern werde. 

Das ist dann auch am Mittwochmittag geschehen. Über seine Anwälte lässt er verbreiten, dass der Beitrag „falsch, verleumderisch und ehrverletzend“ sei. „Die Tatsache, dass die angeblich zwei Jahre andauernde „Recherche“ lediglich vier Szenen aufzeigen konnte, die das Touchieren eines Pferdes zeigen, verdeutlicht, dass diese erlaubte Trainingsmethode bei uns nur sehr selten angewendet wird und nicht Bestandteil der täglichen Arbeit ist“, heißt es in dem Statement weiter. Zudem sei aus Beerbaums Sicht nicht hinzunehmen, dass er auf seinem privaten Grund und Boden gefilmt werde. Er plane, juristische Schritte einzuleiten. 

Ludger Beerbaum hatte eine erfolgreiche Reit-Karriere

Der 58-Jährige ist einer der erfolgreichsten Reitsportler der Welt. Zwischen 1988 und 2000 gewann er vier olympische Goldmedaillen, 2016 kam noch eine bronzene mit der Mannschaft dazu. Er ist eine Ikone in der Szene. Auch deshalb wandte sich die Beerbaum-Insiderin an das Rechercheteam um Günter Wallraff. Verdeckt sprach sie über ihre Beweggründe. Er sei „so ein angesehener Reiter, der so angehimmelt wird – unter anderem auch von meiner Tochter –, und der quält Tiere. Das darf man nicht“, sagte sie im Interview.

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Über mehrere Monate habe sie daher Videomaterial gesammelt und Journalisten zugespielt. Ob es sich gelohnt hat, wird die Aufarbeitung des Falles zeigen.