Kate und Gerry McCann zeigen während einer Pressekonferenz ein Bild ihrer verschwundenen Tochter Madeleine (Maddie). Foto: Soeren Stache/dpa

„Wir beginnen mit einer Nachricht, die es in sich hat“, sagte Moderator Rudi Cerne an diesem Mittwochabend Anfang Juni. Wenige Augenblicke später wurde in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ klar, dass es im Fall des vor gut 13 Jahren in Portugal verschwundenen britischen Mädchens Madeleine „Maddie“ McCann eine spektakuläre Wendung gab. Die Ermittler gaben bekannt, dass ein Deutscher unter Mordverdacht steht. Was seitdem passierte, dürfte für alle Beteiligten ohne Beispiel sein.

Der aufsehenerregende Zeugenaufruf nährte die Hoffnung, den Fall doch noch lösen zu können. Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig informierten darüber, dass der Verdächtige mehrmals wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft sei. Eine Resthoffnung, Maddie auch nach so vielen Jahren noch lebend zu finden, verneinten die Ermittler allerdings. „Wir gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Hans Christian Wolters, am Tag nach der Veröffentlichung.

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Am 3. Mai 2007 verschwand die damals dreijährige Madeleine McCann aus einer Appartementanlage im portugiesischen Praia da Luz, als die Eltern in einem nahe gelegenen Restaurant aßen. Das ungeklärte Schicksal des Mädchens sorgte weltweit für Schlagzeilen. Seit vergangenem Juni steht in diesem Fall der 44-jährige Deutsche im Fokus, der aktuell in einem niedersächsischen Gefängnis eine mehrjährige Haftstrafe für eine Vergewaltigung absitzt.

Ein mehrmals Vorbestrafter steht im Visier der Ermittler

Auch wegen des Zeugenaufrufs im Sommer laufen mittlerweile insgesamt vier Ermittlungsverfahren gegen den Beschuldigten wegen verschiedener Sexual- und Gewaltstraftaten, wie Staatsanwalt Wolters Ende Dezember berichtete. Mit Blick auf 2021 sagte er, dass möglicherweise zumindest einzelne Ermittlungen in diesem Jahr abgeschlossen werden könnten. „Ob Anklage erhoben und dann auch öffentlich verhandelt wird, vermag ich nicht zu beurteilen“, räumte Wolters aber ein.

Wann und mit welchem Ergebnis die Ermittlungen im Fall Maddie enden, ist nach Einschätzung der Braunschweiger Strafverfolgungsbehörde noch völlig offen. „Wir hoffen aber, dass wir das Verschwinden Madeleine McCanns aufklären können“, sagte Wolters. Bisher fehlte ein entscheidender Beweis, und die Ermittler verwiesen auf einen tatsachengestützten Verdacht für den Tod des Mädchens. Eine Vernehmung des Beschuldigten stehe derzeit noch aus und soll abhängig vom weiteren Gang der Ermittlungen erfolgen.

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Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ist für den Fall zuständig, weil der Verdächtige seinen letzten deutschen Wohnsitz in der Stadt hatte. Das enorme mediale Interesse stellte alles in den Schatten, um das sich die Staatsanwaltschaft bisher zu kümmern hatte, sagte Wolters rückblickend. In den ersten Tagen nach der Veröffentlichung gingen ihm zufolge vor allem britische Journalisten bei der Staatsanwaltschaft ein und aus.

Aber auch ohne wesentliche Neuigkeiten mit Bezug zu Maddie steht der Fall seit einem halben Jahr wieder im internationalen Interesse. „Interviewanfragen kamen aus Australien, Russland, Israel, den USA und natürlich fast ganz Europa mit Schwerpunkt Deutschland, Großbritannien und Portugal“, fasste Staatsanwalt Wolters zusammen. Vor allem das bisherige Leben des Verdächtigen wurde in unzähligen Berichten durchleuchtet. Regelmäßig wurden seit Juni mehr Details über seine Vorgeschichte mit Drogendelikten und Diebstahl bekannt.

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Seit November steht fest, dass der Verdächtige noch lange Zeit im Gefängnis sitzen wird. Der Bundesgerichtshofs (BGH) verwarf seine Revision gegen das Vergewaltigungsurteil des Landgerichts Braunschweig. Die sieben Jahre Haft wegen der Vergewaltigung einer 72-jährigen US-Amerikanerin sind damit rechtskräftig (Az. 6 StR 41/20). Diese Tat hat der Mann nach Überzeugung der Richter im Jahr 2005 - rund anderthalb Jahre vor Maddies Verschwinden – im portugiesischen Praia da Luz begangen.