Die Kutten zweier Bandidos-Rocker. dpa(Marius Becker

Es hatte sich abgezeichnet, als Horst Seehofer vor einigen Tagen über mehrere Großrazzien der Polizei im Rocker-Milieu berichtete. Nun wurde die Bande „Bandidos MC Federation West Central“ verboten. Die Verbotsverfügung wurde von Seehofer in Abstimmung mit den Innenministern von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz veröffentlicht.

Nach Razzien: Jetzt sind die Bandidos verboten

In diesen vier Bundesländern sowie in Thüringen hatten fast 1800 Polizeibeamte Anfang Juli Vereinshäuser und Wohnungen von mutmaßlichen Mitgliedern der Gruppierung durchsucht. Dabei wurden unter anderem Waffen, Munition, Drogen, Motorräder und größere Mengen Bargeld sichergestellt. Die meisten Durchsuchungen fanden in NRW statt.

Der Bandidos MC wurden 1966 in Houston (US-Bundesstaat Texas) gegründet, in Deutschland ist er laut Innenministerium seit 1999 vertreten. In Europa agieren die Bandidos unter der Dachorganisation BMC Federation Europe, deren Ableger der Bandidos MC Federation West Central ist. Offiziell sei der Zweck der Bandidos die Förderung des gemeinsamen Motorradfahrens, sowie Veranstaltungen und Events. Doch offenbar konnte sich durch die Durchsuchungen Anfang Juli der Verdacht erhärten, dass es den Rockern eigentlich um „einen territorialen und finanziellen Machtzuwachs“ gegenüber anderen Gruppen gehe, deren „Ansprüche auch mit Gewalt“ durchgesetzt würden.

Straftaten durch Bandidos nicht nur geduldet, sondern gefördert

So hatte etwa Anfang 2019 eine Schießerei in der Kölner Innenstadt für Entsetzen gesorgt. Der Schusswechsel war wohl Teil des Machtkampfes zwischen „Bandidos“ und Rockern von den „Hells Angels“.

Dass Straftaten durch die „Bandidos MC Federation West Central“ nicht nur geduldet, sondern auch gefördert und belohnt wurden, lässt sich laut Bundesinnenministerium auch daran ablesen, „dass es verschiedene Aufnäher (‚Patches‘) des Vereins gibt, die an Mitglieder verliehen werden, die Straftaten im Sinne des Vereins verübt haben“. Zu den verübten Straftaten zählten schwere Körperverletzung sowie versuchte und vollendete Tötungsdelikte.

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Das Ministerium verwies auf den Prozess vor dem Landgericht Hagen gegen mutmaßliche Führungsmitglieder der Gruppierung sowie gegen führende Mitglieder eines bereits verbotenen „Chapters“ der Bandidos aus Hagen wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Die Rocker hatten in Nordrhein-Westfalen zuletzt versucht, sich juristisch gegen Verbotsverfügungen von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) zur Wehr zu setzen. Nach den Durchsuchungen Anfang Juli waren auch in Hessen Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz eingeleitet worden.