Ein in Brand gestecktes Auto in der amerikanischen Stadt Kenosha, in der es erneut zu Ausschreitungen kam. Foto: imago images/ZUMA Wire

Die Lage in der US-Stadt Kenosha eskaliert nach Polizeischüssen auf den Afroamerikaner Jacob Blake. Am Rande von Protesten kam es in der Nacht zum Mittwoch zu einem tödlichen Vorfall, bei dem zwei Menschen getötet wurden, einer wurde verletzt. Laut Angaben der Polizei von Antioch im benachbarten Bundesstaat Illinois ist bereits ein 17-jähriger Tatverdächtiger festgenommen worden. Er soll wegen Mordes angeklagt werden. Der 17-Jährige befinde sich derzeit in Gewahrsam, hieß es weiter. In einer Anhörung solle über eine Auslieferung von Illinois nach Wisconsin entschieden werden.

Neben friedlichen Protesten hatte es in der Nacht zum Mittwoch auch zum dritten Mal in Serie Ausschreitungen gegeben. Augenzeugenberichten zufolge waren neben der Polizei und der Nationalgarde auch bewaffnete Zivilisten auf der Straße, die nach eigenen Angaben Eigentum beschützen wollten. Auf im Internet veröffentlichten Videos ist zu sehen, wie ein junger Mann mit einem Gewehr vor mehreren Leuten wegläuft, zu Boden geht und aus nächster Nähe auf die herannahenden Menschen schießt.

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Junge Männer protestieren in Kenosha gegen rassistische Polizeigewalt in den USA.
Foto: AFP/Kerem Yucel

Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, Bundespolizisten und zusätzliche Nationalgardisten nach Kenosha zu entsenden. „Wir werden Plünderungen, Brandstiftung, Gewalt und Gesetzlosigkeit auf amerikanischen Straßen nicht hinnehmen“, schrieb Trump auf Twitter. „Gesetz und Ordnung“ sollten wiederhergestellt werden. Es war seine erste Reaktion seit den Schüssen auf Blake, der unterdessen im Krankenhaus um sein Leben kämpft.

Der schwarze US-Bürger Jacob Blake war am vergangenen Sonntag in Kenosha von einem Polizisten von hinten niedergeschossen worden. Auf einem Video ist zu sehen, wie der Familienvater zu seinem Auto geht, gefolgt von zwei Polizisten mit gezückten Waffen. Eine der Waffen ist auf seinen Rücken gerichtet. Als Blake die Fahrertür öffnet und sich ins Auto beugt, fallen die Schüsse. Die Polizisten hätten zuvor versucht, Blake mit einem Elektroschocker zu betäuben, dies sei aber fehlgeschlagen. Sie seien wegen eines häuslichen Konflikts gerufen worden. Nach Angaben des Anwalts der Familie, Ben Crump, saßen in dem Auto Blakes Kinder im Alter von drei, fünf und acht Jahren.

Adria-Joi Watkins auf einem Selfie mit ihrem Cousin Jacob Blake im September 2019. 
Foto: AP/ Adria-Joi Watkins

Mittlerweile wurde bekannt, dass Jacob Blake nach Angaben der Ermittlungsbehörden ein Messer in seinem Fahrzeug gehabt hatte. Das Messer sei auf dem Boden des Innenraums auf der Fahrerseite sichergestellt worden, sagte der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Wisconsin, Joshua Kaul, am Mittwoch. Der Mann habe den Polizisten zuvor „an einem bestimmten Punkt“ gesagt, dass er ein Messer habe, sagte Kaul. In dem Auto seien keine weiteren Waffen gefunden worden.

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Unterdessen erreichte der Protest im US-Sport gegen den Rassismus und die Polizeigewalt eine neue Stufe: Als Zeichen weigerte sich zunächst das Basketball-Team Milwaukee Bucks, ein NBA-Playoff-Spiel zu bestreiten. Daraufhin zog fast der komplette US-Sport nach – und legte damit mit einer noch nie da gewesenen Welle des Protests gegen Polizeigewalt den Sport in den USA nahezu still. Im Hinblick auf die rassistische Polizeigewalt in den USA schrieb Superstar LeBron James von den Los Angeles Lakers auf Twitter: „Wir fordern Veränderungen. Wir haben es satt.“

Betroffen und erschüttert zeigte sich auch der ehemalige US-Präsident Barack Obama, der die Spieler lobte, „die für das einstehen, woran sie glauben. Alle unsere Institutionen werden unsere Werte verteidigen müssen“, fügte der 59-Jährige auf Twitter hinzu.