Die Einsatzkräfte befürchten noch viele Leichen unter den Trümmern des eingestürzten Hochhauses. AP Photo/Lynne Sladky

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit: Nach dem Teileinsturz eines zwölfstöckigen Wohnhauses im US-Bundesstaat Florida gelten weiterhin mehr als 150 Menschen als vermisst. Die Zahl liege aktuell bei 156, sagte Levine Cava. Die Behörden hatten aber zuvor bereits betont, dass die Vermissten nicht unbedingt auch alle in dem Gebäude gewesen sein müssen.

Suchkräfte fanden noch nicht identifizierte „menschliche Überreste“

In der Nacht zu Sonntag ist ein weiteres Todesopfer gefunden worden. Die Rettungskräfte hätten in den Trümmern einen weiteren leblosen Körper entdeckt, sagte die Bürgermeisterin des Bezirks Miami-Dade, Daniella Levine Cava an der Unglücksstelle in Surfside nahe Miami. Die Zahl der identifizierten Toten sei damit auf fünf gestiegen.

Die Suchkräfte hätten außerdem weitere noch nicht identifizierte „menschliche Überreste“ gefunden, sagte Levine Cava weiter, ohne konkreter zu werden. Die Identifizierung sei nicht einfach. Hier würden DNA-Tests genutzt. Von Angehörigen seien dazu DNA-Proben eingesammelt worden.

Das strandnahe Gebäude mit rund 130 Wohneinheiten war in der Nacht zu Donnerstag teilweise eingestürzt. AP Photo/Lynne Sladky

Menschen vom Einsturz im Schlaf überrascht

Das strandnahe Gebäude mit rund 130 Wohneinheiten war in der Nacht zu Donnerstag teilweise eingestürzt. Die Menschen wurden im Schlaf von dem Unglück überrascht. Seitdem läuft eine verzweifelte Suche nach Überlebenden. Rettungsteams sind rund um die Uhr im Einsatz – mit Spürhunden, Spezialkameras, Horchgeräten und schwerem Gerät.

Zuletzt hatte ein Feuer in den Trümmern die Suchaktion erheblich erschwert. Die Rettungskräfte hatten laut Levine Cava zunächst Schwierigkeiten gehabt, den Ursprung des Brandes unter den Trümmern ausfindig zu machen, ihn zu isolieren und zu löschen. Dies habe die Suche nach möglichen Verschütteten behindert. Levine Cava sagte am Samstagabend jedoch, im Laufe des Tages hätten die Rettungskräfte bei der Bekämpfung des Feuers Fortschritte gemacht.

Ursache des Einsturzes weiter ein Rätsel

Mehrere Menschen wurden bei dem Unglück verletzt. Mehr als 35 Personen konnten bislang gerettet werden.

Die Ursache des teilweisen Einsturzes ist weiter ein Rätsel. Der als Champlain Towers South bekannte Wohnkomplex stammt aus den 1980er-Jahren. Am Wochenende wurde ein von einer externen Firma verfasster Inspektionsbericht aus dem Jahr 2018 öffentlich, in dem Experten mehrere Mängel, darunter auch größere strukturelle Mängel am Beton des Gebäudes, aufgelistet hatten.

Der größte Teil der Schäden wurde „wahrscheinlich durch die jahrelange Einwirkung der korrosiven Salzluft an der Küste Südfloridas verursacht“, hieß es damals in dem Bericht. Ohne Nachbesserungen „wird sich das Ausmaß des Betonverfalls exponentiell ausweiten“.

Der Wohnkomplex in Surfside AP Photo/Marta Lavandier

Levine Cava betonte am Samstag, ihr sei der Bericht zuvor nicht bekannt gewesen. Die Behörden würden allen Hinweisen nachgehen und der Ursache für das Unglück auf den Grund gehen, damit so etwas nie wieder passiere, versprach sie. In der Zwischenzeit werde auch überprüft, ob andere ähnlich alte Gebäude sicher seien.