Polens Präsident Andrzej Duda kniet sich am Bergwerk im schlesischen Pniowek nieder, nachdem er eine Kerze angezündet hat. Zbigniew Meissner/PAP/dpa

Bergwerk-Tragödien in Polen! Innerhalb von wenigen Tagen wurde das Land gleich von zwei schweren Grubenunglücken heimgesucht. Erst kam es zu einer Explosion im einem Bergwerk in Schlesien. Fünf Männer wurden tot geborgen, sieben weitere sind vermisst. Nun gibt es nach einen Erdbeben in einem Kohlebergwerk vier Tote und sechs Vermisste. Hoffnung, diese noch lebend zu bergen, gibt es kaum.

„Eine weitere niederschmetternde Nachricht aus Schlesien – um 3.40 Uhr gab es im Kohlebergwerk Zofiowka in Jastrzebie-Zdroj eine mächtige Erschütterung.“, so informierte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki am Samstag  auf Facebook über die zweite Tragödie. „Eine Rettungsaktion ist im Gang, leider gibt es zu zehn Bergleuten noch keinen Kontakt.“

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Polens Präsident Andrzej Duda war am Samstagabend persönlich an den Unglücksort gekommen, befürchtete Schlimmes für die  zehn verschütteten Bergleute. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es in der Grube Zofiowka Tote gibt, aber wir hoffen immer noch, dass wir überlebende Bergleute herausholen können.“  Inzwischen haben sich seine Befürchtungen bestätigt.

Polens Präsident Andrzej Duda (M.) besucht das Kohlebergwerk Zofiowka, dem Ort des zweiten Bergwerk-Unglücks. Zbigniew Meissner/PAP/dpa

Rettung durch Gefahr weiterer Explosionen im Bergwerk erschwert

Am Samstag war es den Rettungskräften gelungen, vier der in der Zofiowka-Mine verschütteten Grubenarbeiter zu lokalisieren. Rettungskräften gelang es zwei Arbeiter zu bergen, einen zweifachen Familienvater (36) und einen 30-Jährigen. Ein Arzt habe aber nur noch den Tod der Männer feststellen können. Wo sich die sechs weiteren Verschütteten befinden, weiß man nicht. Am Sonntagnachmittag erklärte der Grubenbetreiber JSW dann, ein Arzt habe auch den Tod zweier weiterer Bergleute bestätigt.

„Weitere Rettungskräfte versuchen nach wie vor, die Belüftung in den Grubenschachten wieder herzustellen, um die anderen sechs Grubenarbeiter zu erreichen und sie zu bergen, sobald sie gefunden wurden“, hieß es in der JSW-Mitteilung.

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In der Nacht zu Samstag um 3.40 Uhr wurde das südpolnischen Kohlebergwerk in 900 Meter Tiefe von dem Erdbeben erschüttert.  In der Folge trat in dem Bergwerk Methangas aus. 52 Bergleute waren zu dem Zeitpunkt in der Gefahrenzone, 42 von ihnen konnten sich aus eigener Kraft und unverletzt ins Freie retten. Die Suche nach den Vermissten gestalte sich schwierig, weil eine große Menge von Methan ausgetreten sei und die Retter gefährden könnte, so informierte die Bergwerksleitung.

Erst am Mittwoch hatte es in Pniowek in einem derselben Firma gehörenden anderen Bergwerk in rund 1000 Meter Tiefe eine Methangasexplosion gegeben. Eine zweite Explosion folgte, als sich bereits Rettungskräfte am Unglücksort befanden. Durch die Explosionen wurden fünf Menschen getötet, darunter eine Rettungskraft. 20 weitere Menschen erlitten teils schwere Verletzungen. Die Suche nach sieben Vermissten wurde am Freitag abgebrochen, weil sie für die Retter selbst zu gefährlich geworden war.

Polen gewinnt immer noch etwa 70 Prozent seiner Energie aus Kohle. Im Bergbau-Sektor des Landes arbeiten fast 80.000 Menschen.