Biontech-Gründer Ugur Sahin AFP/Andre Pain

Dieser Begriff war in den letzten Jahren in aller Munde: mRNA. Es ist die Technologie, mit der am schnellsten Impfstoffe gegen das Coronavirus entwickelt worden sind. Doch nicht nur gegen Virusinfektionen soll die Technik mit den Botenmolekülen helfen, bereits vor einem Jahr kündigte Biontech-Gründer Ugur Sahin an, dass auch Therapien gegen Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose denkbar seien – und nun geht das Mainzer Unternehmen noch eine tödliche Krankheit an: den Krebs.

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Biontech-Gründer baut Abteilung für mRNA-Krebstherapie auf

Denn wie das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ) mitteilte, baut Ugur Sahin am Helmholtz-Institut HI-TRON in Mainz eine wissenschaftliche Abteilung für mRNA-basierte Krebs-Immuntherapie auf. Mit speziellen Botenmolekülen (mRNA) soll das Immunsystem dabei zur Bekämpfung von Krebs angeregt werden. Der große Vorteil dieses Ansatzes sei, dass er vergleichsweise einfach und schnell die Herstellung hochgradig individualisierter Tumorimpfstoffe ermögliche, heißt es in der Mitteilung.

Im HI-TRON arbeiten DKFZ, die Unimedizin Mainz und die Johannes-Gutenberg-Universität der Landeshauptstadt zusammen. Ziel seien die Entwicklung wirksamer Immuntherapien und die Identifizierung neuer Biomarker für die Behandlung von Tumorerkrankungen, um so die personalisierte Krebstherapie weiter voranzubringen, erklärte das DKFZ. Die Zusammenarbeit mit Sahin habe im Februar begonnen.

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Ugur Sahin und Özlem Türeci am Montag in der Frankfurter Paulskirche dpa/Arne Dedert

Özlem Türeci übernimmt Professur in Mainz

Anfang Dezember war bereits mitgeteilt worden, dass Sahins Frau Özlem Türeci am HI-TRON eine Professur übernimmt, die sich vor allem der Entwicklung personalisierter Krebstherapien widmet. Die Wissenschaftlerin gehört ebenfalls zu den Gründern von Biontech und ist medizinischer Vorstand des Unternehmens.

Beide Biontech-Gründer hatten am Montag in der Frankfurter Paulskirche den mit 120.000 Euro dotierten Paul-Ehrlich-und-Ludwig Darmstaedter-Preis entgegengenommen. Sie wurden für die schnelle Entwicklung des Corona-Impfstoffes geehrt.

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Das HI-TRON sitzt in einem Gebäude an der Mainzer Unimedizin, soll aber in einigen Jahren in einen eigenen Labor-Neubau ziehen. Zunächst hatte es eine Anschubfinanzierung vom Land Rheinland-Pfalz, der Unimedizin und der Uni erhalten. Seit vergangenem Jahr wird das Institut zu 90 Prozent vom Bund finanziert, der Rest kommt vom Land. Die Abkürzung HI-TRON steht für Helmholtz-Institut für Translationale Onkologie Mainz. Das DKFZ ist nach eigenen Angaben mit mehr als 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland.