Rainer Schaller mit Freundin Christiane Schikorsky 2019 im Dachgartenrestaurant des Deutschen Bundestages
Rainer Schaller mit Freundin Christiane Schikorsky 2019 im Dachgartenrestaurant des Deutschen Bundestages imago/Eventpress Radke

Seine Geschäftsidee machte ihn zum Multimillionär, und Millionen Deutsche profitierten davon: Der Unternehmer Rainer Schaller machte Fitness in seinen McFit-Studios erschwinglich, kaufte mitten in der Pandemie die weltweit tätige Kette Gold’s Gym hinzu. Am Freitagabend ist Schaller mit seiner Freundin und ihren beiden Kindern offenbar in einem Privatjet abgestürzt. Von Trauer ist in den sozialen Medien aber wenig zu sehen: Stattdessen äußern User Bitterkeit und Wut. Stellvertretend für viele andere Stimmen bringt es der Berliner Social-Media-Star DennisKBerlin auf den Punkt:

„Der Typ, durch dessen Größenwahn und Geltungssucht 21 Menschen gestorben sind, ist also vermutlich mit dem Flugzeug abgestürzt. Jedes nette Wort das ich dazu sagen würde, wäre geheuchelt. Bin ich lieber ruhig.“

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21 Tote auf der Loveparade Duisburg durch Verkettung von Pannen und Versäumnisse

Exil-Hesse DennisKBerlin bezieht sich dabei auf die Loveparade-Tragödie in Duisburg, bei der 2010 durch eine Verkettung von Pannen ein Gedränge entstand, in dem 21 Teilnehmende unter grauenhaften Umständen totgetrampelt und totgequetscht wurden. Hunderte weitere Personen wurden verletzt. Ein Strafverfahren, in dem die zahlreichen Versäumnisse und Pannen bei der Planung und Durchführung des Techno-Events aufgearbeitet werden sollten, wurde im Jahre 2020 ergebnislos eingestellt.

Obwohl der vorsitzende Richter am Landgericht Duisburg feststellte, dass das Gedränge „absehbar“ war und es„ keine ausreichenden Flächen für die Abwicklung der Menschenmassen gegeben“ habe, hatte das Debakel für die Beteiligten keine juristischen Konsequenzen.

Loveparade-Prozess: Rainer Schaller übernahm „moralische Verantwortung“, bestritt jedoch Fehler

In dem Prozess übernahm Schaller, dessen Firma Lopavent GmbH die ursprünglich Berliner Veranstaltung nach Duisburg verlegt hatte, die „moralische“ Verantwortung und sagte: „Ich möchte den Hinterbliebenen mein herzliches Beileid aussprechen und mich aufrichtig entschuldigen. Alles Leid, das Sie seit der Loveparade in Duisburg empfinden und durchleben mussten, ist auf meiner Veranstaltung passiert.“ Daher sei es selbstverständlich, dass„ ich die moralische Verantwortung übernehme“.

Vor dem Richter bestritt Schaller jedoch, er oder andere Beteiligte seines Teams hätten irgendetwas falsch gemacht. Überhaupt sei er in die wichtigsten Entscheidungen nicht eingebunden gewesen. Weder Richter noch Angehörige nahmen ihm das ab.

Viele weitere User erinnern daran mit Bitterkeit und Häme. Das Wort „Karma“ taucht in vielen Tweets auf.

Selbst Schallers Rolle in der Fitness-Welt haben einige User in übler Erinnerung: „Alleine für den Slogan ‚Fett sein darf nur der Beat‘ bleibt für Herrn Schaller nichts als ewige Verachtung übrig“, heißt es in einem Tweet.