Die Gedenkstätte des KZ Buchenwald in Weimar. Imago

Die Thüringer AfD gilt als einer der am weitesten rechts stehenden Landesverbände der rechtspopulistischen Partei. Ihr Co-Vorsitzender Björn Höcke gilt als rechtsextrem, zeigte immer wieder Sympathien für prominente Holocaustleugner und hat auch deswegen Hausverbot in der Gedenkstätte des ehemaligen KZ Buchenwald. Nun gab es eine neuerliche Provokation der Partei.

Wie kommt das AfD-Plakat in die Gedenkstätte Buchenwald?

Der Weg zur Gedenkstätte des ehemaligen KZ Buchenwald ist nicht viel befahren. Nur wer tatsächlich an den Gedenkort auf den Ettersberg im Weimar will, befährt diese Straße. Auch deshalb plakatiert hier keine Partei – selbst in der Hochphase des Bundestags-Wahlkampfs. Es lohnt sich einfach nicht. Doch nun ist ein Plakat aufgetaucht – und das sorgt für ordentlich Unmut!

Die Stiftung Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora hatte auf Twitter ein Foto gepostet, auf dem zu sehen ist, wie Stiftungsleiter Jens-Christian Wagner und ein weiterer Mann ein Plakat der AfD mit der Aufschrift „Mut zur Wahrheit“ von einer Lampe auf dem Parkplatz der Gedenkstätte abhängen. „Anlass für unsere Stiftungsleitung, selbst Hand anzulegen und diesen Angriff auf die Gedenkstättenarbeit zu entfernen“, hieß es dazu auf Twitter.

Gedenkstätte Buchenwald nimmt AfD-Plakat in Verwahrung

Zudem ordnete die Gedenkstätte, die sich schnell schweren Vorwürfen über eine Ungleichbehandlung von Parteien ausgesetzt sah, ein: Das Plakat habe an einem Gedenkstätten eigenen Laternenpfahl gehangen. Das Plakat sei abgehängt und in „Verwahrung“ genommen worden. Der Schnitt, der auf dem Foto zu sehen ist, sei dem Plakat zuvor durch Unbekannte zugefügt worden.

Die AfD Weimar hat das Aufhängen der Plakate in unmittelbarer Nähe zur Gedenkstätte selbst auf Facebook dokumentiert. Auf einem Foto ist im Hintergrund eine ehemalige SS-Kaserne zu sehen. Die Stiftung Gedenkstätte wertet dieses Aufhängen als „bewusste Provokation“, wie Gedenkstätten-Sprecher Rikola-Gunnar Lüttgenau dem KURIER mitteilt. „Man hängt nicht ‚zufällig‘ oder ‚unbewusst‘ ein Plakat in die Gedenkstätte.“

Gedenkstätte Buchenwald: Es hängen keine anderen Plakate

Dass das tatsächlich ziemlich unwahrscheinlich ist, zeigt, dass bisher nach Aussage der Stiftung noch keine andere Partei versucht habe, in der Gedenkstätte Wahlplakate aufzuhängen. Das betreffe auch die Straße, die den Ettersberg hinaufführt. Die Provokation wolle man jedenfalls nicht hinnehmen. „Wir prüfen derzeit rechtliche Schritte“, sagte Sprecher Lüttgenau dem KURIER. „Aus unserer Sicht ist das Aufhängen von Wahlplakaten in der Gedenkstätte Buchenwald grundsätzlich nicht erlaubt.“

Das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald auf dem Weimarer Ettersberg. Imago/penofoto

Es ist nicht das erste Mal, dass die AfD mit der Stiftung Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora aneinandergerät. 2015 wollten Björn Höcke und einige Parteikollegen einen Kranz am ehemaligen KZ ablegen, dessen Inschrift in den Augen ehemaliger KZ-Häftlinge, des Sozialwissenschaftlers Samuel Salzborn und des ehemaligen Gedenkstättenleiters Volkhard Knigge, den Holocaust verharmloste. Das „Mut zur Wahrheit“-Plakat könnte in eine ähnliche Richtung gehen.

Die AfD hat Hausverbot bei Gedenkveranstaltungen im ehemaligen KZ Buchenwald

Im Januar 2017 wurde der AfD und ihren Repräsentanten ein Hausverbot für Gedenkveranstaltungen erteilt. Das soll so lange gelten, bis man sich in der Partei davon verabschiedet, das Holocaust-Mahnmal als Denkmal der Schande zu bezeichnen oder die Nazi-Zeit als Vogelschiss zu verharmlosen. Im KZ Buchenwald sind, während die NSDAP Deutschland regierte, mehr als 56.000 Menschen getötet oder in den Tod getrieben worden. Am 11. April 1945 wurde es von der US-Arme befreit.

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Und in diesen lange schwelenden Streit kommt nun dieses Plakat. Es wird noch zu Diskussionen führen.