Das Löwenmännchen Subali im Nürnberger Zoo. Foto:  dpa/Jörg Beckmann

Es kommt nicht oft vor, dass Zoodirektoren über das Töten von Tieren sprechen. Wohl weil sie wissen, dass das oftmals mit einem mindestens mittleren Sturm der Entrüstung einhergeht. Jüngst stieß Nürnbergs Tiergarten-Direktor Dag Encke die Diskussion an - und verteidigte sich nun in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“.

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In Nürnberg, so steht es derzeit zur Debatte, könnte der Löwe Subali getötet werden, weil er unfruchtbar ist. Das hat unter Tierschützern viel Kritik hervorgerufen. Doch die will Dag Encke nicht so stehen lassen. Er verstehe nicht, warum über Löwen anders diskutiert werde, als über Nutztiere, sagte er. „Ich kann darin keinen ethisch-moralischen Unterschied sehen gegenüber anderen Gründen, die wir sonst für das Töten von Tieren heranziehen. Wir essen ausschließlich junge und kerngesunde Tiere, die wir millionenfach für uns schlachten lassen. Ich sehe keinen qualitativen Unterschied, was das Leben von einem Schwein und das Leben von einem Löwen betrifft.“

Nürnbergs Tiergarten-Direktor Dag Encke. Foto: Imago-Images/Thomas Hahn

In Nürnberg gebe es nur Platz für zwei Löwen, die sich dort vermehren sollen, „damit wir immer einen reproduktiven Stamm an jungen Löwen aufrechterhalten“. Populationsmanagement heißt das in der Fachsprache. Seit 14 Jahren aber gebe es keine Löwenbabys, so Encke. Die junge Löwin stehe im Zuchtprogramm für ihre Art auf Rang fünf der genetisch wertvollen Tiere. Nun müsse auch untersucht werden, ob der 14 Jahre alte Subali unfruchtbar sei.

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„Gesetzt den Fall, wir stellen fest, Subali ist steril, so stellt sich die Frage, wo er hinkommt. Findet sich kein Platz, stellt sich die Frage wie bei jedem Kaffernbüffel: Müssen wir das Tier töten? Oder ziehen wir uns aus der Verantwortung und warten einfach, bis das Tier aus Altersgründen stirbt?“

Es könnte sowieso ein Happy End für Subali geben: „Ich glaube übrigens auch bei Subali nicht, dass wir am Ende in die Bredouille kommen würden, das Tier wirklich töten zu müssen.“ Die Debatte sei aber wichtig. „Es macht offenkundig für Menschen einen Riesenunterschied, ob wir einen Kaffernbüffel töten oder einen Löwen.“