In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 73 Prozent der Menschen feuerbestattet. Foto: Roland Weihrauch/dpa

ORTE

Moore: Die Germanen bestatteten Angehörige vor rund 2000 Jahren in Mooren. „Die Leichen wurden im Sumpf abgesenkt“, sagt Soziologe Thorsten Benkel von der Universität Passau. „Die Christen fanden das später barbarisch.“ Die Leichen blieben in dieser Umgebung durch Säuren und Sauerstoffmangel übrigens gut erhalten.

Friedhöfe: Beerdigten die Menschen ihre Toten zunächst außerhalb der Städte, fingen die Christen im 8. Jahrhundert an, sie auf Kirchhöfen beizusetzen. Doch irgendwann wurde es dort zu voll. Die Toten wurden deshalb im 16. Jahrhundert in Begräbnisanlagen außerhalb der Stadtmauern ausgelagert: die Geburtsstunde des Friedhofs.

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Pyramiden: Als erster Pharao wurde der ägyptische König Djoser um 2650 vor Christus in einer Pyramide bestattet. Die Verstorbenen wurden mit Salz getrocknet, die schnell verwesenden inneren Organe entfernt. Schließlich wurden die Leichen mit Leinenbinden umwickelt. Die Ägypter glaubten, die Toten könnten so im Jenseits weiterleben. Die Mumifizierung war allerdings den Herrschern vorbehalten.

Ein Mann steht neben einem Sarkophag in der Pyramide von Djoser im ägyptischen Saqqara. Foto: Oliver Weiken/dpa

ELEMENTE

Luft: Beisetzungen unter freiem Himmel gibt es etwa in Tibet, wie Soziologe Benkel erklärt. Die Leichen würden bei der sogenannten Himmelsbestattung aufgeschnitten und dann von Geiern verzehrt. „Das wirkt auf uns befremdlich, ist aber eine hochritualisierte Bestattung“, betont der Forscher. „Die Leiche wird so wieder dem Naturkreislauf zugeführt.“

Feuer: Während die Menschen ihre Leichen früher direkt ins Feuer legten, ist die Bestattung heute technisiert, wie Soziologe Matthias Meitzler von der Uni Passau betont. In Deutschland seien 2019 fast drei Viertel der Menschen feuerbestattet worden – Tendenz steigend. Christen lehnten die Form der Bestattung lange Zeit ab, weil sie mit der leiblichen Auferstehung nicht vereinbar sei. Im katholisch geprägten Bayern sind Feuerbestattungen auch heute noch seltener, im Buddhismus dagegen übrigens Pflicht.

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Erde: Für gläubige Muslime und orthodoxe Juden ist die Erdbestattung vorgeschrieben. Gestorbene Muslime werden dabei statt in Särgen in Leichentüchern begraben. Gräber von Juden und Muslimen dürfen Pörschmann zufolge nicht mehrfach belegt werden. „Sie haben ewiges Ruherecht.“

Wasser: Vor der eigentlichen Bestattung im Meer werden die Toten verbrannt. Die Asche wird dann in einer sogenannten Salzurne in ausgewiesenen Gebieten ins Meer gelassen, wie Pörschmann erläutert. „Einige erinnert es dann schon an die Angehörigen, wenn sie im Meer baden, andere vermissen einen Ort der Trauer.“

Ein Seebestatter lässt in Höhe der ostfriesischen Insel Wangerooge eine Urne aus Muschelkalk in die Nordsee hinab. Foto: Ingo Wagner/dpa

BESONDERHEITEN

Totenruhe: In den meisten Kulturen ist sie ein hohes Gut. Anders auf der indonesischen Insel Sulawesi: Dort holt das Volk der Toraja seine Leichen alle paar Jahre aus den Särgen heraus. Sie werden neu eingekleidet und für eine Zeit in die Familie zurückgebracht. „Das klingt für uns sehr exotisch, ist dort aber ein Zeichen für Nähe über den Tod hinaus“, sagt Forscher Benkel.

Beigaben: In Form von Gold und Schmuck sind sie aus dem alten Ägypten bekannt. „Es ging darum, etwas von Wert mit ins Jenseits zu nehmen“, sagt Benkel. In der griechischen Antike wurden den Toten etwa Münzen auf die Augen gelegt. Der Hintergrund ist mythologisch: Die Toten mussten im Jenseits eine Münze an den Fährmann Charon zahlen, damit er sie über den Fluss der Unterwelt ins Schattenreich befördert.

Grabräuber: In der Antike riefen die oft wertvollen Grabbeigaben auch Gauner auf den Plan. „Sie wurden dafür oft mit dem Tod bestraft“, so Benkel. Aber während es da nur um materielle Werte ging, etablierte sich im 16. Jahrhundert ein ganz neuer Trend im Dienste der Wissenschaft: Die Leichen selbst wurden gestohlen. „Ärzte kauften sie den Räubern ab, um sich ein Bild vom Inneren des Körpers zu machen.“

Trends: In der heutigen Erinnerungskultur werde der menschliche Körper „immer stärker marginalisiert“, sagt der Forscher. Manche ehrten ihre Toten über soziale Netzwerke wie Facebook. In der Schweiz zum Beispiel werden aus der Asche von Verstorbenen sogenannte Erinnerungsdiamanten hergestellt. Und in den USA wurden bislang etwa 500 Leichen eingefroren, in der Hoffnung, die Medizin könne sie eines Tages reanimieren – „eine säkulare Idee der Auferstehung“, sagt Soziologe Meitzler.