Ein Pfleger steht im Fokus der Ermittlungen (Symbolbild). Foto. dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen einen Krankenpfleger wegen versuchten Mordes in drei Fällen. Tatort soll ein Münchner Krankenhaus gewesen sein, wie die Münchner Polizei mitteilte.

Aus reiner Geltungssucht soll der 24-Jährige seine Patienten mit Medikamenten in Lebensgefahr gebracht haben, um dann bei ihrer Rettung zu glänzen. Die Taten sollen sich am Samstag und Ende Oktober ereignet haben. Ein 91-Jähriger befindet sich laut Polizei immer noch in einem kritischen, aber stabilen Zustand. Ein 90 Jahre alter Patient und eine 54-Jährige seien wieder über den Berg.

Der Pfleger war seit Juli in der Münchner Klinik tätig

Tatort ist das Klinikum Rechts der Isar. Ein aufmerksamer Oberarzt war dort am Samstag stutzig geworden, weil sich der Zustand von zwei Patienten plötzlich und unerklärlich verschlechtert hatte. Interne Ermittlungen ergaben Hinweise auf einen ähnlichen Fall Ende Oktober, bei dem auch der Beschuldigte Dienst hatte. Der Verdacht: Der Pfleger spritzte den Patienten eine Überdosis eines Medikaments, das ihnen nicht verabreicht werden sollte. Spuren dieser nicht verordneten Medikamente wurden im Blut der Patienten gefunden. Um welche Substanz es sich handelte, wollten die Ermittler nicht sagen. Am Sonntag zeigte die Klinik den Pfleger an, einen Tag danach wurde er festgenommen. Er bestreitet die Vorwürfe. Am Dienstag erging ein Haftbefehl.

Die Klinik zeigte sich bestürzt: „Das Klinikum ist über den Vorfall besorgt und unterstützt alle Maßnahmen zur schnellen und transparenten Aufklärung“, hieß es in einer Mitteilung. „Der zuständige Pfleger wurde sofort außer Dienst gesetzt.“ Die Ermittler lobten die große Kooperationsbereitschaft des Krankenhauses.

Der ausgebildete Altenpfleger war dort seit Juli dieses Jahres über eine Zeitarbeitsfirma tätig und vor allem auf der sogenannten Wachstation im Einsatz, einer Zwischenstation zwischen Intensiv- und normaler Station, auf der Kranke rund um die Uhr betreut wurden.

Chatverläufe legen nahe, dass sich der Pfleger mit Reanimationen brüsten wollte

Es stelle sich die Frage, ob er noch für weitere Fälle als Täter infrage komme, sagte der Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wimmer. „In enger Kooperation mit dem zuständigen Krankenhaus wird der gesamte Beschäftigungszeitraum des Tatverdächtigen in Hinblick auf mögliche weitere Opfer oder Auffälligkeiten untersucht werden.“

Zuvor war der 24-Jährige in Nordrhein-Westfalen tätig, wo er auch herkommt. Nach jetzigem Stand habe es aber in früheren Beschäftigungsverhältnissen keine ähnlich gelagerten Vorfälle gegeben, sagte Wimmer.

Mehr aktuelle Nachrichten aus dem Ressort Panorama finden Sie hier >>

Chatverläufe legen nach Angaben von Oberstaatsanwältin Leiding nahe, dass der junge Mann sich mit Reanimationsannahmen brüsten wollte und damit, Menschenleben gerettet zu haben. „Deswegen das Leben eines Menschen zu riskieren, um dann nachher als weißer Ritter dazustehen, das stufen wir natürlich als niedrige Beweggründe ein“, sagte Leiding. Mit wem der Mann über die Reanimierungen chattete, wollte sie nicht sagen.

Tötungsdelikte in der Pflege machen deutschlandweit immer wieder Schlagzeilen. Erst Anfang Oktober hatte das Landgericht München I einen Hilfspfleger wegen Mordes an drei Patienten zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Der Mann aus Polen hatte alten Menschen, die er pflegen sollte, Insulin gespritzt, das als Überdosis tödlich sein kann. Das Klinikum Rechts der Isar ist nicht die erste Münchner Klinik, die von einem solchen Fall betroffen ist. 2016 verurteilte das Landgericht München I eine Hebamme des Klinikums Großhadern wegen siebenfachen Mordversuches im Kreißsaal zu 15 Jahren Haft. Nach Überzeugung des Gerichtes hatte die Frau Patientinnen bei Kaiserschnitt-Geburten heimlich Blutverdünner gegeben. Ohne Notoperationen wären sie gestorben.