Die zwei wegen Mordes angeklagten Männer (l und 2.v.r.) stehen im Sitzungssaal des Landgerichtes in München. Sven Hoppe/dpa

Hat ein junger Mann seinen Freund und dessen Eltern brutal erschossen? Und welche Rolle spielt dessen Kumpel, der vor dem Haus der Familie in Starnberg wartete? Gut eineinhalb Jahre nach dem gewaltsamen Tod einer Familie im oberbayerischen Starnberg hat am Montag der Dreifachmord-Prozess gegen zwei Verdächtige begonnen.

Zu den grauenvollen Vorwürfen äußern wollten der 21 Jahre alte deutsche Hauptangeklagter, Maximilian B.,  und sein als Mittäter angeklagter, slowakischer Freund Samuel V. sich zum Prozessauftakt nicht. Laut Anklage soll der 21-Jährige die Familie in deren Haus erschossen haben, um an die illegalen Waffen seines Kumpels zu kommen. Sein Komplize (19) soll ihn zum Tatort gefahren und dort wieder abgeholt haben.

Alle drei Opfer starben durch einen Kopfschuss

Eine Polizeistreife hatte die Leichen der 60 Jahre alten Frau und ihres 64 Jahre alten Mannes sowie des Sohnes am 12. Januar 2020 entdeckt, nachdem die Tochter sich Sorgen gemacht hatte. Alle drei Opfer starben durch einen Kopfschuss. Die Tat sollen die Angeklagten geschickt kaschiert haben - die Ermittler hielten nämlich zunächst den Sohn Vincent für den Täter.

In diesem Haus in Starnberg wurden die drei Leichen gefunden. Lino Mirgeler/dpa

Direkt neben Vincentg eine von zwei gefundenen Pistolen, was den Verdacht zunächst auf ihn lenkte. An seinen Händen fanden sich Schmauchspuren. Doch Ermittlungen zu den Pistolen führten zu Maximilian B. Er war mit Vincent befreundet und hatte den Abend bei ihm verbracht. Als seine Wohnung durchsucht wurde, fanden die Ermittler eine Vielzahl an Waffen sowie Munition.

Bei seiner Festnahme gestand er nach früheren Angaben der Polizei die Tat. Samuel V. soll ihn zum Tatort gebracht und wieder abgeholt haben. Als Motiv für den mutmaßlichen Dreifachmord nimmt die Staatsanwaltschaft an, dass die jungen Männer an Waffen kommen wollten, die ihr Freund illegal besaß.

Nach der Tat nahmen die beiden laut Anklagebehörde gemeinsam mehrere voll- und halbautomatische Schuss- sowie Kriegswaffen aus dem Besitz des getöteten Sohnes mit. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen auch zwei bewaffnete Raubüberfalle auf Verbrauchermärkte mit insgesamt einigen tausend Euro Beute vor.

Die Verteidigung des 19-jährigen Mitangeklagten äußerte massive Zweifel an dem Vorwurf. „Vier Personen sind in einem Haus, einer kommt lebendig raus, und damit ist der vierte der Mörder“, sagte Rechtsanwalt Alexander Betz. Es gebe „mehrere Hypothesen von dem, was in der Nacht vom 10. auf den 11. Januar 2021 geschehen sein kann, die genauso plausibel, wenn nicht sogar plausibler sind“.

B. äußerte sich zwar nicht zu den Vorwürfen, dafür aber ausführlich - und nicht frei von drastischen Widersprüchen - zu seinen persönlichen Verhältnissen. Er schilderte Probleme mit Alkohol, Drogen - und seiner Mutter. Wie er an das Geld für die Drogen kam, wollte er nicht sagen. Und auch auf viele andere Fragen - wie beispielsweise die nach seinem Freundeskreis oder seiner sexuellen Orientierung - antwortete er nicht.