Dr. Rafael Ortiz führte die Operation durch. Foto: Lennox Hill-Klinik

Fast 25 Jahre lang hatte Lorenza De La Villa eine kleine Beule an ihrem Hinterkopf. Bis diese im April plötzlich anfing, rasant zu wachsen. Bis auf die Größe einer Melone. Die Ärzte erklärten der Familie, dass sie nichts mehr machen konnten, und dass sie die 89-Jährige mit nach Hause zum Sterben nehmen sollten. Dass De La Villa noch lebt und ihr Tumor weg ist, verdankt sie einer Netflix-Dokuserie.

De La Villas aggressiv wachsender Tumor drückte immer stärker aufs Gehirn. Doch insgesamt sieben Chirurgen lehnten ab, zu operieren. Weil sie sich sicher waren, dass die Patientin beim Entfernen des Monstertumors verbluten würde. Doch dann sah Enkeltochter Michelle Tavaras die Netflix-Show über zwei Neurochirurgen der Lennox Hill-Klinik von New York. Dr. David Langer und Dr. John Boockvar haben sich auf scheinbar aussichtslose Fälle spezialisiert. Tavaras sah es als Zeichen: „Der Chirurg sagte‚ dass er Risiken eingeht, um Leben zu retten. Es war so, als würde er zu mir  sprechen.“

Fast 25 Jahre lang hatte Lorenza De La Villa eine kleine Beule an ihrem Hinterkopf. Foto: Privat

De La Villas Zustand hatte sich bereits drastisch verschlechtert, als sie ins Lennox Hill Krankenhaus zur Untersuchung eingeliefert wurde. Der Tumor blutete. Dr. Boockvar: „Die Patientin weinte vor Schmerz und sagte, dass sie nur noch sterben wollte. Deshalb hat sie sofort der Operation eingewilligt, obwohl sie nur eine Überlebenschance von 50 – 50 hatte.“

Vor dem eigentlichen Eingriff mussten die vielen Arterien, die den Tumor ernährten, abgeklemmt werden. Dr. Rafael Ortiz benutzte dazu ein Endoskop mit Kamera. Der New York Post verriet er: „Wir durften keine Arterie verschließen, die das Gehirn mit Blut versorgte. Das war die grösste Schwierigkeit. Wir haben mit Kontrastmittel gearbeitet und damit wie eine Art Karte der Blutgefäße erstellt.“

Der Tumor wuchs bis auf die Größe einer Melone. Foto: Privat

Die OP selbst war ein Wettlauf mit der Zeit. So schnell wie möglich musste die Masse aus Tumorgewebe und Blutgefäßen aus dem Kopf geschält werden – um das Risiko zu verringern, dass die Patientin verblutete. Dr. Langer und Dr. Boockvar brauchten dazu weniger als zwei Stunden. Das Loch wurde mit einem Titannetz verschlossen, um das Gehirn im Schädel zu halten.

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De La Villas Zustand verbesserte sich innerhalb von weniger Stunden. Dr. Boockvar: „Als sie aufgewacht ist, hat sie gelächelt und ihren Kopf gehoben. Ihr Erinnerungsvermögen ist völlig intakt und sie heilt so schnell wie eine Neunjährige. Diese Dame ist wirklich hart im Nehmen.“