Eine Rakete vom Typ „Langer Marsch 5“, die das Raumschiff „Chang'e 5“ auf den Weg zum Erdtrabanten bringen sollte, startet auf der Startrampe des Wenchang Space Launch Center. Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa

Mond und Mars erleben einen Ansturm, die Technik der Missionen wird ausgefeilter und immer mehr Länder mischen mit. Die Liste weltweiter Raumfahrtpläne ist lang - und sogar die Filmbranche ist involviert. Ein Überblick:

USA: Das Jahr 2021 wird für die US-Raumfahrtbehörde Nasa Veränderungen mit sich bringen. Nach dem Sieg von Joe Biden bei der US-Präsidentschaftswahl hat der vom amtierenden Präsidenten Donald Trump ernannte derzeitige Nasa-Chef Jim Bridenstine bereits angekündigt, aufhören zu wollen. Wer ihn ersetzt und ob der Demokrat Biden grundsätzliche Änderungen an der Raumfahrtstrategie seines Landes vornehmen will, war zunächst nicht klar.

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Sicher ist: Im Februar 2021 soll mit „Perseverance“ der nächste Nasa-Rover auf dem Mars landen. Der Ende Juli gestartete, mehr als eine Tonne schwere Roboter von der Größe eines Kleinwagens soll nach Spuren früheren mikrobiellen Lebens suchen, das Klima und die Geologie des Planeten erforschen und Proben von Steinen und Staub nehmen. Auch mit dem Transport von Astronauten zur Raumstation ISS soll es weitergehen - nach dem erfolgreichen Start mit dem „Crew Dragon“ möglicherweise bald auch mit dem problemgeplagten „Starliner“ von Boeing.

Darüber hinaus lautete die bisherige Strategie: Bis 2024 sollen der nächste Mann und die erste Frau auf dem Mond landen - und beides sollen Amerikaner sein. Zeitplan und Budget des Programms „Artemis“ sind allerdings knapp bemessen. Am Mond soll zudem eine Art Raumstation geschaffen werden und als Basis für einen bemannten Flug zum Mars dienen - das allerdings erst in fernerer Zukunft.

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RUSSLAND: Die Raumfahrtnation Russland will trotz großer wirtschaftlicher Probleme eine ganze Reihe ehrgeiziger Vorhaben im Weltall voranbringen. Darauf pochte zuletzt auch Kremlchef Wladimir Putin. Der Chef der Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin, kündigte an, mit den Plänen etwa für Russlands Mond-Programm durchzustarten. Dazu soll im Herbst 2021 erstmals seit 45 Jahren wieder eine Mondmission - die Raumsonde „Luna 25“ - starten. In Etappen will Russland bis 2040 auf dem Erdtrabanten eine Raumstation errichten.

Ende 2021 will Russland erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt wieder zwei Weltraum-Touristen zur Raumstation ISS fliegen. Seit der ersten Reise des US-Amerikaners Dennis Tito 2001 hat Russland insgesamt sieben Touristen zur ISS gebracht, den letzten 2009. Die Kosten einer solchen Reise werden auf 50 Millionen Dollar geschätzt.

Starten sollen zudem die Arbeiten an einem Spielfilm des Regisseurs Klim Schipenko, von dem Teile im Kosmos gedreht werden. Der Streifen mit dem Arbeitstitel „Wysow“ (Herausforderung) hat das Ziel, den Beruf des Kosmonauten heroisch darzustellen, wie Angaben Rogosins und des staatlichen TV-Sender Perwy Kanal schließen lassen. Auch die USA planen einen Dreh in der ISS. Hollywood-Star Tom Cruise soll eine der Hauptrollen übernehmen.

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Beim Projekt „Sphäre“ für satellitengestützten Internet-Zugang will Russland 600 Satelliten ins All bringen. Es gehöre zu den strategischen Aufgaben, „Russlands Führung auf dem globalen Raumfahrtmarkt zu behaupten“, sagte Putin.

Russland will außerdem mit seinem Ruf als Weltraumnation Geld verdienen. Dazu wird etwa der Spruch „Pojechali!“ („Los geht’s“) von Juri Gagarin, dem ersten Menschen im Weltall, als Markenname geschützt - für Schreibwaren, Kosmetik und andere Dinge, wie Roskosmos mitteilte.

EUROPA: Das Jahr 2021 bringt ein Highlight für zwei Astronauten der europäischen Raumfahrtagentur Esa: Der Franzose Thomas Pesquet und der Deutsche Matthias Maurer sollen zur ISS fliegen. Der Saarländer wird voraussichtlich Ende des kommenden Jahres zum Außenposten der Menschheit fliegen, sein französischer Kollege soll bereits im Frühjahr starten.

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Sorgen bereitet die neue europäische Trägerrakete „Ariane 6“. Sie hätte eigentlich schon Ende 2020 erstmals abheben sollen, unter anderem wegen der Corona-Pandemie wird sich der Start nun wohl bis 2022 verzögern. „Wir haben zwar Entwicklungsprobleme, aber die Qualität des Produktes wird nicht infrage gestellt“, erklärte Deutschland-Chef Pierre Godart des Raketenbauers ArianeGroup.

Mehrere Projekte stehen 2021 im Bereich der Erdbeobachtung an. Eines davon sei „Digital Twin Earth“, erklärte der Leiter des Erdbeobachtungs-Programms der Europäischen Weltraumorganisation Esa, Josef Aschbacher. Es solle bei Modellierungen zu Auswirkungen bestimmter Veränderungen helfen - etwa zum Zusammenspiel von Meeresspiegel-Anstieg und Temperaturerhöhung.

CHINA: Gerade erst gelang es China erneut ein Flug zum Mond. Ziel der Mission „Chang'e 5“ war es unter anderem, noch im Dezember Proben von der Oberfläche zurück zur Erde zu bringen. Das war bisher nur den USA und der Sowjetunion geglückt - in den 60er und 70er Jahren. Erst im vergangenen Jahr war mit „Chang'e 4“ erstmals eine Sonde auf der Rückseite des Erdtrabanten gelandet.

Die ehrgeizigen Raumfahrtpläne Chinas sind von der Corona-Pandemie kaum beeinflusst worden. Schon bei seiner ersten unabhängigen Mission zum Mars will China dort im Frühsommer 2021 landen. Das fünf Tonnen schwere Raumschiff „Tianwen-1“, das im Juli gestartet war, besteht aus einem Orbiter, einem Landegerät und einem Gefährt von der Größe eines Golfplatz-Fahrzeugs. China wäre nach den USA die zweite Nation der Welt, die erfolgreich eine Sonde auf den Roten Planeten gebracht hat.

2021 soll auch der Bau einer chinesischen Raumstation beginnen. Das Kernmodul sowie zwei weitere Teile sollen für Experimente ins All gebracht werden.

JAPAN: Die asiatische Hightech-Nation Japan will sich ebenfalls bei der Erforschung des Mondes engagieren. Dabei soll künftig Wasserstoff als Treibstoff verwendet werden, den die Japaner aus den Eisvorkommen des Mondes gewinnen wollen. Gemeinsam mit den USA will Japan in den 2020er Jahren an einer Mondstation bauen und um das Jahr 2035 eine Treibstofffabrik am Südpol des Mondes errichten. Ziel ist es nach Angaben der japanischen Raumfahrtagentur Jaxa, damit ein wiederverwendbares Raumschiff zu versorgen. Zudem soll ein Transportfahrzeug auf dem Mond angetrieben werden.

Die japanische Raumsonde „Hayabusa2“ soll nach ihrer in Kürze endenden „Ryugu“-Mission im Jahr 2031 erneut einen Asteroiden erkunden - diesmal lautet das Ziel „1998KY26“. Der kugelförmige Himmelskörper mit einem Durchmesser von rund 30 Metern befindet sich zwischen Erde und Mars. Japan hofft, dass sich die Sonde dem Asteroiden im Juli 2031 nähern und seine Umdrehungen per Kamera beobachten kann.

Zudem investiert die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt in die Entwicklung diverser Satelliten, die unter anderem der Erforschung des globalen Klimawandels dienen sollen. Auch im lukrativen Geschäft mit Satellitentransporten will Japan weiter mitmischen.

VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE: Im globalen Wettlauf um die nächsten Erfolgskapitel in der Raumfahrt mischen auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) immer stärker mit. Im Juli hatte der schwerreiche Golfstaat als erste arabische Nation eine 1350 Kilogramm schwere Raumsonde zum Mars losgeschickt. Sie soll dort im Februar in eine Umlaufbahn einschwenken und helfen, das erste vollständige Bild des Mars-Klimas über ein komplettes Mars-Jahr zu erfassen. Die Emirate erhoffen sich neben wissenschaftlichen Erkenntnissen auch positive Effekte für Wirtschaft und Bildung im eigenen Land.

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2024 soll ein unbemanntes Raumfahrzeug der Emirate zum Mond abheben und dort in einer bisher unerforschten Gegend landen. In hohem Tempo vorangetrieben wird das Raumfahrtprogramm von Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum, Vizepräsident der Emirate und Emir von Dubai. Investoren aus dem Ausland sollen gelockt werden, auch Imagepflege ist ein Ziel, ähnlich wie beim regionalen Nachbarn Saudi-Arabien.

Kritikern zufolge ist die Lage der Frauen- und Menschenrechte in beiden Staaten haarsträubend. Die saudische Raumfahrtbehörde wurde per königlichem Dekret im Dezember 2018 geschaffen - kaum drei Monate nach der Tötung des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi.

INDIEN: Das indische Weltraumprogramm ist besonders unter dem nationalistischen Premier Narendra Modi ambitioniert geworden. Er will so zeigen, dass sein Land international bedeutender wird. Auch in diesem Jahr ist das Budget erhöht worden. Doch wegen Corona und entsprechenden Beschränkungen gab es größere Rückschläge. Seit Corona gab es erstmals im November Satellitenstarts - und das in einem Land, das dafür bekannt ist, viele Satelliten relativ günstig ins All zu schießen, auch für andere Länder.

Auch ein für dieses Jahr geplantes Prestigeprojekt „Aditya-L1“ - eine Mission zur Sonne - wurde vorerst verschoben. Es soll, wenn möglich und Corona-Restiktionen dies erlaubten, 2021 stattfinden, sagte ein Sprecher der indischen Raumfahrtsbehörde Isro. Auch eine erneute Mondlandung mit Namen „Chandrayaan-3“ sei 2021 geplant, nachdem ein erster Versuch im vergangenen Jahr missglückt ist. Ein solches Projekt ist bisher erst drei Nationen gelungen - den USA, der Sowjetunion und China. Später will das Land auch Astronauten ins All schicken („Gaganyaan“). Indische Astronauten werden zurzeit in Russland dafür trainiert, sagte der Sprecher.

Einige Experten kritisieren, dass das Schwellenland mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern viel Geld für große Weltraumprojekte ausgibt, während noch viele Menschen in Armut leben.