Im Kampf gegen das Coronavirus setzen Wissenschaftler große Hoffnungen auf das Medikament Molnupiravir. imago/Panthermedia

Auf der ganzen Welt suchen Wissenschaftler seit Beginn der Corona-Pandemie nach einem Medikament, mit dem sich das Virus erfolgreich bekämpfen lässt. Jetzt haben Forscher aus Göttingen und Würzburg nach eigenen Angaben einen wichtigen Fortschritt gemacht.

Den Wissenschaftlern ist es nämlich gelungen, den Wirkstoff des potenziellen Corona-Medikamentes Molnupiravir zu entschlüsseln. Demnach schleust das Mittel Ribonukleinsäuren (RNA) ähnliche Bausteine in das Erbgut des Virus ein, teilte das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie aus Göttingen jetzt mit. Wenn das Erbgut dann weiter vermehrt wird, würden so fehlerhafte RNA-Kopien entstehen. Der Erreger wird so daran gehindert, sich weiter auszubreiten.

An der Studie waren auch Wissenschaftler der Julius-Maximilians-Universität Würzburg beteiligt. Das Corona-Medikament wird über den Mund eingenommen und später von Körperzellen aufgenommen.

USA sichern sich 1,7 Millionen Dosen

Die USA hatten sich kürzlich 1,7 Millionen Dosen von Molnupiravir gesichert. Zuvor hatten vorläufige Studien gezeigt, dass der Wirkstoff das Coronavirus Sars-CoV-2 tatsächlich bei seiner Vermehrung ausbremsen kann. Zurzeit befindet sich das Medikament in der letzten Entwicklungsphase, in der es bereits an einer Vielzahl von Patienten erprobt wird.

Der antivirale Wirkstoffkandidat Molnupiravir (gelb) wird in die virale RNA eingebaut und führt dort zu Mutationen (violett), welche letztendlich die Vermehrung des Viruses verhindern. Florian Kabinger, Christian Dienemann, Patrick Cramer / Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Und es gibt Grund für Optimismus: Laut den klinischen Studien verspricht die Substanz eine hohe Wirksamkeit gegen Sars-CoV-2. Ob Molnupiravir sicher ist und es am Ende als Medikament zugelassen werden kann, steht aber noch nicht endgültig fest.

Es ist nicht das erste Corona-Medikamenten-Forschungsprojekt. 2020 hatte der Wirkstoff Remdesivir international Aufmerksamkeit erregt, als er als erstes Covid-19-Medikament zugelassen wurde. Anschließende Studien brachten dann allerdings Ernüchterung. Unter anderen stellten das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie und die Universität Würzburg fest, dass das Mittel bei Covid-19 eher schwach wirkt.

Zulassung von Molnupiravir noch ungewiss

Wie Remdesivir wurde auch Molnupiravir ursprünglich als Grippemedikament entwickelt. „Mit dem Wirkstoff ließe sich möglicherweise ein ganzes Spektrum von viralen Erkrankungen behandeln“, hofft Claudia Höbartner, Professorin für Chemie an der Universität Würzburg. Sie sagt: „Molnupiravir hat viel Potenzial.“ Ob das Medikament zugelassen wird, entscheidet sich voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte.