Heidi und Leni Klum tragen auf dem Vogue-Cover weite Hosen mit Schlag. Das könnte 2021 zum Trend werden. Foto:  dpa/Chris Colls für VOGUE Deutschland

Junge Leute tanzen sich den Corona-Frust auf Instagram Reels oder TikTok weg, alle netflixen nur noch oder posieren beim Heimtraining fürs Smartphone und verlernen vor lauter Lockdown am Ende noch das Umarmen, Essengehen, Clubbing, Kinobesuche und etwas anderes als eine Jogginghose zu tragen - soweit das Klischee. Doch was liegt 2021 tatsächlich im Trend? Der Versuch einer in Zeiten von Corona gar nicht so einfachen Übersicht.

Schlaghosen kommen zurück

Neben ultrakurzen Miniröcken und eh schon angesagten weit geschnittenen Paperbag-Hosen kommt die Schlaghose wieder. Leni und Heidi Klum trugen sie schon auf dem ersten Vogue-Titel des Jahres 2021. Designerin Victoria Beckham orientiert sich laut Vogue fürs Frühjahr am schmeichelnden Schneiderstil der 70er, der an Bianca Jaggers Garderobe in der Studio-54-Ära erinnere. Auch für Männer sagen In-Label wie Gucci und Off-White Schlaghosen an.

Bralettes statt BHs

Eine Bralette (auch Bralet genannt) ist ein leichter BH ohne Bügel und Polster. Bralettes werden immer öfter als Oberbekleidung getragen und kommen meist ohne Verschluss aus. Die knapp und meist in Triangel-Form geschnittenen Oberteile liegen im Trend. Laut Vogue dürfen sie im Sommer 2021 nicht fehlen: Sie sind „Key-Pieces“. Außerdem liegt hervorblitzende, sichtbare Lingerie im Trend. Die Vogue sah sichtbare BHs etwa in Kollektionen 2021 von Versace und Dolce & Gabbana.

Bralettes wie hier bei einer Modenschau von Chanel werden öfter als Oberbekleidung getragen. Foto: dpa/Vianney Le Caer

Der Grunge ist zurück

„Der Grunge-Style wird 2021 zum dominierenden Trend“, meint die Cosmopolitan. „Angelehnt an die großen Rock- und Punk-Künstler zeigen sich Modemädels jetzt im dunklen Leder- oder Vinyl-Look, mit Oversized-Karohemden und markanten Biker-Boots.“ Das sogenannte It-Piece des Jahres wird demnach der dunkle Ledermantel.

Geschlechtergrenzen spielen für E-Boys keine Rolle

Via Social Media (Tik Tok, Instagram) hat sich bei jungen Männern ein freier Stil etabliert. „Im Falle der E-Boys heißt das vor allem: Die Freiheit, ohne Klischees und Regeln zu leben (und sich zu kleiden)“, meint die Vogue. „Geschlechtergrenzen spielen keine Rolle (in der Kollektion von Celine etwa wurden Faltenröcke selbstverständlich über Jeans kombiniert).“ Formen, Farben, Schnitte, Muster, verschiedene Epochen - alles werde wild kombiniert.

Aus zu groß wird oversize

Die Zeit der engen Klamotten soll vorbei sein. Die Vogue hat bei Gucci, Dior, Balmain und Balenciaga beobachtet, dass für Männer 2021 sehr vieles möglich ist: eben auch Oversize und Baggy-Schnitte sowie Fantasie-Prints, Pastellfarben, Blumenmuster.

Der Schnorres

Vollbart, Drei-Tage-Bart, Goatee - warum nicht im allgemeinen 80er-Outfit-Hype einen Schnauzer tragen? Zwischen den glattrasierten Gesichtern vieler Männer ist er ein wahrer Hingucker.

Im nächsten Jahr nicht mehr bei Ferrari, aber vielleicht wenigstens modisch noch auf der Höhe der Zeit: Sebastian Vettel mit Schnauzbart. Foto: dpa/Hassan Ammar

Essen gehen

Gastronom Tim Raue fürchtet Schlimmes für Bars und Restaurants. Es werde viele Insolvenzen geben, sagte der Spitzenkoch. Star-Koch Jamie Oliver sagte den Stuttgarter Nachrichten: „Die Realität ist, dass wir einen Teil unserer Lieblingsrestaurants verlieren werden. Auch die, die wirtschaftlich vor Corona gut dastanden.“ Also: bestellen oder hin, sobald es geht.

Das Konzept Geisterküche

Ein Trend sind Ghost Restaurants (Geisterrestaurants, auch Ghost Kitchen genannt), die ohne Tische und Stühle auskommen, weil sie nur für die Auslieferung Speisen zubereiten - also digitale Lokale ohne eigenen Gastraum, die nur für den Lieferservice kochen.

Im Lockdown dürfen Restaurants ihre Gerichte nur zum Mitnehmen anbieten. Daraus könnte sich ein Konzept entwickeln. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Leben in der Vorstadt

Aus Städten in Nordamerika wie Toronto hört man schon von einem neuen Sterben der Innenstädte als Ausgehzone. Weil viele im Homeoffice bleiben, sind Mittagslokale, Clubs und Läden in den Citys tot. Dafür blühen kleine (Mitnehm-)Lokale in den Vorstädten auf.

Smart naschen

So nennt Food-Blogger Oliver Numrich den Snack-Trend für 2021. „Weniger Zucker, Fett, Salz, Kalorien, aber auch weniger Plastikverpackungen und kleinere Portionen - nicht allein die Reduktionsziele von Julia Klöckner, sondern auch die Wünsche der Verbraucher gehen in diese Richtung.“

Vegan naschen

Lange Zeit sei das Mantra von Startup-Gründern gewesen, alles digital zu machen, was auch analog funktioniere, sagt Candynerd und Trendjäger Oliver Numrich. Damals entstanden viele spezialisierte Onlineshops. «Jetzt gilt das gleiche für Süßigkeiten und Snacks: Wenn es konventionell funktioniert, dann mache es vegan und bio. Egal, ob Schokoriegel, Fruchtgummi oder Kaugummi.» Jedoch seien die Zutaten dann oft teurer und schmeckten auch häufig anders.

Brownies und Co.

Bei den Sortenbezeichnungen wird es immer englischer oder poetischer. Statt Schokolade, Erdbeer und Vanille heißt es Brownie, Strawberry Cheesecake und Vanille-Kipferl. Keks mit Apfel heißt Apfelstrudel oder Apple Pie. Kirsche heißt Cherry Tarte - und mit Schokolade „Black forest cake“ (Schwarzwälder Kirschtorte).

Trinken 2021

„In Krisenzeiten greift der Verbraucher tendenziell eher zu Vertrautem“, meint Mixology-Chefredakteur Nils Wrage. Deshalb bleibe bei Spirituosen wohl Gin das Zugpferd. „Ich rechne damit, dass 2021 süffige, leichte Flavored Gins mit Fruchtauszügen in sind.“ Was weiterhin vital bleibe, sei die Mixgetränkegattung Spritz, so Wrage - also Bitterliköre oder ähnliche Produke aufgegossen mit Schaumwein.

Vielfalt im Spirituosen-Regal: 2021 wird aber wohl kein Jahr des großen Ausprobierens. Foto: dpa/Patrick Seeger

Regional trinken

Analog zum Food gebe es auch bei Spirituosen vermehrt den Wunsch, regional zu kaufen, freilich nur in einer recht reichen Klientel, wie Mixology-Chefredakteur  Wrage sagt. „Der hiesige Markt bietet inzwischen alles: Gin, Wodka, Rum, Whisky.“

Der Trend zum nüchtern sein

Das große Feld des alkoholfreien oder alkoholarmen Trinkens bleibe ein Trend, sagt Nils Wrage. Das Thema sei gesellschaftlich präsent und der Alkoholkonsum sinke. Die Frage sei jedoch, ob sich die oft überteuerten alkoholfreien Spirituosen durchsetzten. In den USA gebe es zudem den Trend „Hard Seltzer“, also leicht alkoholisierte, aromatisierte Mineralwässer, abgefüllt in trinkfertigen Portionen. „Das ist in den Staaten ein Mega-Markt und Trend, in Deutschland scheint die erste Welle hingegen gefloppt zu sein. Es wird spannend, ob die Marken dranbleiben.“

Urlaub im Jahr 2021

Wegen Corona bleiben nach wie vor viele Gegenden unsicher, viele planen keine großen Reisen, sondern denken an Urlaub zwischen Sylt und Oberstdorf und Ausflüge in der Heimat. Alpen, Nordsee, Ostsee, Mittelgebirge, Parks und Seen, Schlösser und Burgen erleben wohl - so bald es wieder lockerer zugeht - einen Ansturm. Zudem führen die Reisebeschränkungen der Corona-Pandemie zu einer neuen Lust auf ein ruhigeres, einfaches Leben. Outdoor-Händler oder auch Campingplätze erleben wohl auch 2021 noch mehr Nachfrage.

Lebensmittel retten

„Retten“ ist das neue Einkaufen. Viele Produkte, die das Mindesthaltbarkeitsdatum fast erreicht oder schon überschritten haben, sind meist nicht schlecht, werden aber trotzdem oft entsorgt. Das Start-up Sirplus setzt auf Nachhaltigkeit und bringt noch genießbare Lebensmittel zurück in den Kreislauf. Bislang gibt es nur in Berlin Filialen. Die eigentlich geplante Ausweitung in andere Städte kommt 2021 erstmal nicht. Ein Sprecher sagt aber: „Unser Fokus liegt gerade im Online-Abobereich, außerdem hat sich der normale Onlineshop vergrößert und es bedienen sich mittlerweile über 40.000 Kunden in ganz Deutschland an den geretteten Lebensmitteln.“

Online-Handel

Corona hat bekanntlich insgesamt den Digitalbereich gefördert und gab auch dem Online-Handel für Lebensmittel einen Schub. Selbst der Ikea-Katalog ist nun Geschichte. Im auflagenstärksten Jahr wurden 200 Millionen Exemplare in Dutzenden Sprachen gedruckt. Nun sollen Kundinnen und Kunden in den Filialen und online stöbern.