Jonas Schallenberg (27) träumte immer von großen Reisen. Nun verwirklicht er seinen Traum. Fotos: zVg/Schallenberg

Noch immer wird die Welt von der Corona-Pandemie in Atem gehalten – an ausgiebiges Reisen ist für viele gerade nicht zu denken. Und doch gibt es sie: Menschen, deren Fernweh so groß ist, dass sie bereit sind, auch in diesen turbulenten Zeiten alles hinter sich zu lassen. Jonas Schallenberg ist einer von ihnen. Der 27-Jährige träumte seit Jahren davon, irgendwann einfach aufzubrechen. Neue Welten zu entdecken. Und nun, ausgerechnet in der Pandemie, hat er es riskiert.

Momentan ist Schallenberg, der zuletzt in Lengerich und Ladbergen in der Nähe von Münster und zeitweise in Berlin-Steglitz wohnte, auf Bali. Die Fotos, die er auf seinem Instagram-Kanal „Jonaways“ veröffentlicht, wecken dementsprechend Fernweh. Ihm geht es gut dort, wo er jetzt ist, verrät er dem KURIER am Telefon. „Die Ankunft auf Bali gehörte auch zu den schönsten Momenten, die ich bisher erlebt habe“, sagt er. „Das lag aber gar nicht an Bali selbst. Sondern daran, dass ich festgestellt habe: Jetzt mache ich endlich wieder das, wovon ich so lange geträumt habe.“

Er verkaufte all seine Sachen – und startete in ein neues Leben

Denn der Plan, um die Welt zu touren, begleitet den 27-Jährigen schon lange. „2013 bin ich das erste Mal nach Australien und Südostasien gereist“, erzählt er. Der Trip habe ihn so fasziniert, dass es fortan nur noch einen Plan gab: Er wollte die Welt bereisen. „Ich habe es aber aus verschiedenen Gründen nie gemacht. Ich fing eine Ausbildung an und beendete sie, lebte mein Leben.“ Schallenberg arbeitete in der Eventmanagement-Branche, später in einem Hotel in der Geschäftsführer-Assistenz.  

Momentan ist Jonas auf Bali, erkundet hier die Region und die fremden Kulturen. Foto: zVg/Schallenberg

Zwischendurch sei er mal für ein paar Wochen im Urlaub gewesen, etwa in Thailand. „Immer, wenn ich auf Reisen war, war ich superglücklich. Und wenn ich wieder in Deutschland war, hat es mich runtergezogen. Aber nicht, weil ich Deutschland schlecht finde. Sondern weil ich gesehen habe, was es da draußen auf der Welt noch alles gibt.“

Erst im Dezember reifte der Plan heran. „Mir ging es zu dem Zeitpunkt nicht sehr gut. Ich hatte das Gefühl, dass ich in meinem Leben etwas ändern muss.“ Er sei mit seinem Bürojob unzufrieden gewesen. „Ich habe einfach gemerkt, dass ich gegen meine Werte lebe. Und festgestellt, dass es das nicht ist.“ Er wollte Abenteuer und Abwechslung, Neues sehen, mehr erleben. „Ich dachte nur: Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich hatte ja nichts zu verlieren.“

In diesem Video zeigt Jonas Schallenberg seine Ankunft auf Bali.

Video: Youtube

Also begann der 27-Jährige, seine Sachen zu verkaufen. „Mein Auto, meinen Schmuck, meine Einrichtung. Eigentlich alles, was ich physisch hatte.“ Nur seine Kleidung und ein paar persönliche Gegenstände behielt er. So viel, wie in seinen Koffer und einen Rucksack passt. Das Geld wurde zum Startkapital für die Reise. Richtig losgehen sollte es am 10. Januar, „aber da waren wegen Corona die Grenzen nach Indonesien zu“, sagt er. Also startete er später, flog zuerst nach Fuerteventura, gönnte sich eine Auszeit. Es sei ein beeindruckendes Gefühl gewesen, in den Flieger zu steigen. „Es war befreiend, aus meinem bisherigen Leben zu flüchten und etwas Neues zu wagen.“

Auf Bali lebt Jonas Schallenberg gerade ein Leben, von dem viele in der Corona-Krise nur träumen können. Foto: zVg/Schallenberg

Seit Beginn seiner Reise mit von der Partie: Zwei Freunde, die Schallenberg erst kurz vorher in einem Video- und Fotokurs im Internet kennen gelernt hatte. Darunter eine junge Frau namens Catalina, sie stammt aus Mainz. „Inzwischen ist eine enge Freundschaft entstanden“, sagt er. Dann ging es weiter nach Teneriffa – hier begann der Weltenbummler auch, Videos für seinen Youtube-Kanal zu drehen, auf dem er seine Reise dokumentiert. Mitte April ging es dann endlich nach Indonesien. Doch bevor er am Ziel seiner Träume ankommen durfte, musste er fünf Tage in Quarantäne in einem Hotel in Jakarta verbringen.

Mit seinen Videos will er Menschen anspornen, ihre Träume zu verwirklichen

Nun, auf Bali, baut er sich nach und nach eine Fangemeinde mit seinen Reisevideos auf – in kurzen Filmen dokumentiert er das Leben in seinem Paradies, die Ausflüge, die er mit seinen Begleitern erlebt. Er erkundete die Insel Uluwatu, besuchte die Sekumpul-Wasserfälle, die höchsten Balis. Nahm sogar bei einem balinesischen Ritual teil. „Ein Familienmitglied von einem indonesischen Freund starb – und diese Zeremonie war die Vorbereitung. Das Gestell für den Sarg wurde gebaut, die Leute trafen und unterhielten sich.“
Knapp 2000 Menschen verfolgen schon, was der 27-Jährige erlebt. „Ich liebe es, diese Videos zu machen – und das Feedback ist großartig. Ich habe schon Nachrichten von mehreren Leuten bekommen, die sich dadurch inspiriert fühlen.“ Einer schrieb ihm, er habe nur aufgrund der Videos sein kommendes Jahr umgeplant, wolle auch reisen. „Da habe ich eine Gänsehaut bekommen. Es ist so schön, dass das, was ich mache, andere Menschen beeinflusst.“

Was vor ihm liegt, weiß Jonas Schallenberg noch nicht. Er freut sich auf seine Abenteuer. Foto: zVg/Schallenberg

Schließlich wolle er auch zeigen, dass es sich lohnt, die eigenen Träume zu verfolgen. „Ich habe es nicht gemacht und wurde dadurch sehr unglücklich. Aber wir haben nur ein Leben – und müssen uns bewusst machen, dass wir unser Leben jeden Tag ändern können.“ Sein Ziel ist es nun, mit seinen Reise-Videos irgendwann genug Geld zu verdienen. „Es wäre mein Traum, all das meinen Job nennen zu können“, sagt Schallenberg. Wie es genau weitergehen wird, steht in den Sternen, genaue Pläne gibt es nicht. „Erstmal bleibe ich hier, lasse es auf mich zukommen. Ich würde gern nochmal nach Australien und Neuseeland, vielleicht nach Island.“ Schon jetzt steht fest: Träume müssen keine Träume bleiben. Der erste Schritt ist schließlich getan.

Die Reise von Jonas und Catalina kann auf Instagram (@jonaways & @storiesbycatalina) verfolgt werden.