So viele unbrauchbare Fotos wie bei einer Geschwindigkeitskontrolle in Niedersachsen gab es wohl noch nie auf einmal.  imago/ Sven Simon

Damit hätte wohl auch der kühnste Polizei-Oberwachtmeister nicht gerechnet: 127-mal löste ein Blitzer in Northeim (Niedersachsen) beim Blitzer-Marathon Mitte April binnen vier Tagen aus. Jetzt ist die Auswertung abgeschlossen. Das Ergebnis: Nur 65 Raser können für ihre Geschwindigkeitsüberschreitung zur Rechenschaft gezogen werden. 20 Radfahrer und 52 Fußgänger kommen ungeschoren davon. Und das, obwohl sie wirklich zu schnell waren. Wieso, weshalb, warum und wie – der KURIER klärt auf.

Mehr aktuelle Nachrichten aus dem Ressort Panorama finden Sie hier >>

Die Langeweile in der Corona-Pandemie scheint im niedersächsischen Northeim besonders groß zu sein. Anders lässt es sich wohl kaum erklären, warum sich Menschen dort mit einer Radarkontrolle anlegen wollen. Es gab einen regelrechten „Wettlauf“ unter der Bewohnern.

Auslöser war ein Video von Bilal Souleiman. Er versuchte als Erster, den Blitzer mit einem Sprint auszulösen – mit Erfolg. Mit einer gemessenen Geschwindigkeit von 26 km/h wurde er geblitzt. Das ist nicht mehr Schrittgeschwindigkeit, die in der Fußgängerzone offiziell erlaubt ist (max. 15km/h). Das Video dazu wurde bereits tausendfach geklickt und ging innerhalb weniger Stunden viral.

Nach eigenen Angaben habe er schon mit der Kreisverwaltung gesprochen, um an das Foto zu kommen. „Ich soll mich noch mal melden, man berate sich dazu gerade“, sagt Bilal Souleiman dem Portal „Northeim jetzt".

Und die Aktion fand Nachahmer. „Es kam in den späten Abendstunden zu einem regelrechten Wettrennen, wo sich auch offensichtlich mehrere Personen dazu verabredet hatten“, erklärt Kreissprecher Dirk Niemeyer.

Lesen Sie auch den Berlin-Polizei-Ticker >>

Die Geschwindigkeitsüberschreitungen der Fußgänger werden nicht geahndet. Ebenso sind die Blitzerfotos von 20 Radfahrern für die Polizei nutzlos – auch sie kann man nicht identifizieren. Bleiben noch 63 Autofahrer und zwei Lkw-Fahrer, die sich nun über Post vom Polizeipräsidenten „freuen“ dürfen. Einer der Autofahrer war dabei 33 km/h zu schnell unterwegs. Ihn erwartet nun ein Bußgeld in Höhe von 160 Euro. Zudem kassiert er zwei Punkte in Flensburg und einen Monat Fahrverbot.