Dieser Sibirische Tiger in der Provinz Heilongjiang für einige Aufruhr AFP

Wölfe streifen in Deutschland wieder durch Wälder und Felder – manchmal zum Schrecken von Mensch und Tier. Im Norden Chinas müssen die Menschen allerdings mit der Begegnung weit größerer Raubtiere rechnen: Gerade erst sorgte ein Sibirischer Tiger in der Provinz Heilongjiang für einige Aufruhr, wie Videoaufnahmen zeigen: Das männliche Jungtier griff in der Nähe der russischen Grenze eine Feldarbeiterin an und attackierte ein Auto mit zwei Insassen. Die Polizei trieb die Großkatze schließlich in die Enge und bändigte sie mit Betäubungspfeilen – sie wird nun für 45 Tage unter Quarantäne gestellt.

Attacke des Tigers: Die Autoscheibe splittert. Panik. Mit Vollgas davon

Der Sibirische Tiger (Panthera tigris altaica) lebt in Russland und Teilen des nordöstlichen Chinas noch in freier Wildbahn. In der Volksrepublik soll es von der Art nach Jahrhunderten der Wilderei allerdings nur noch ein paar Dutzend geben. Auf russischer Seite wird ihre Zahl auf weniger als 500 geschätzt. Und so führt die Weltnaturschutzunion den Tiger auf ihrer Roten Liste auch als „stark gefährdet“ (Endangered). Panthera tigris altaica übertrifft mit einer Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 230 und einer Schulterhöhe von bis 105 Zentimetern den Königstiger (Panthera tigris tigris) und ist damit die größte Unterart der Tiger.

Der Amurtiger oder Ussuritiger, wie der Sibirische Tiger auch genannt wird, verirrt sich nur selten in die Nähe von Menschen. Wenn doch, dann aus zwei Gründen: Neben dem Verlust seines natürlichen Lebensraumes ist dies vor allem die Verringerung der Großwildbestände, die seine natürliche Nahrungsgrundlage bilden. Der Mensch greift massiv in die Natur ein, rodet Wälder, macht sie für landwirtschaftliche Zwecke urbar. Und weil Fleisch im Fernen Osten Russlands kaum erschwinglich ist, wird im Lebensraum des Tigers viel gewildert. Außerdem stellt die Wilderei auf die Katze selbst eine große Bedrohung dar.

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So gesehen hatte der Tiger in Heilongjiang noch Glück. Die herbeigerufene Polizei forderte die Dorfbewohner erst einmal auf, in ihre Häuser zurückzukehren und gut zu verschließen. Wie das Video zeigt, kam die Warnung allerdings zu spät für eine Frau, die auf den Feldern arbeitete und dort dem Jungkater begegnete: Zum Glück stieß der sie nur um und rannte weiter – die Arbeiterin kam mit dem Leben davon. Eine Autofahrerin, die angehalten hatte, um der gestrauchelten Frau zu helfen, war das Ziel der nächsten Attacke: Der Tiger rammte ihren Pkw und zerbrach das hintere Beifahrerfenster. Panik. Vollgas, bloß weg hier.

Doch nach sechs Stunden kamen dann endlich die Tierfänger nach Heilongjiang und nahmen sich des randalierenden Tigers an. Erst in der Nacht konnte er mithilfe mehrerer Narkosepfeile niedergestreckt werden. Laut einem Bericht der örtlichen Forstbehörde wurde die Großkatze dann zu einer Tierschutzstation in das 250 Kilometer entfernte Mudanjiang gebracht: Dort werde nun untersucht, ob der um die 200 Kilogramm schwere Kater womöglich eine Krankheit habe. Nach der 45-tägigen Quarantäne soll er dann wieder freigelassen werden.