Das Gebäude des Clubs le frosch in Frankfurt (Oder). Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Das wollten die beiden jungen Männer in einer Nacht Ende August 2018 nicht auf sich sitzen lassen: Nach einem verbalen Streit mit anderen Gästen hatte sie der Betreiber des Frosch-Clubs in Frankfurt (Oder) kurzerhand vor die Tür gesetzt. Die aufgebrachten Syrer alarmierten Landsleute und zogen in einer Gruppe von zehn bis 15 Personen erneut zu der Diskothek – laut Anklage bewaffnet mit Eisenstangen, Messern, Steinen und Gürteln. Wahllos sollen sie dort andere Besucher angegriffen, Fenster und Türen zerschlagen haben.

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Vier Syrer und ein Palästinenser aus der Angreifergruppe konnten ermittelt werden. Die Männer im Alter zwischen 22 und 42 Jahren müssen sich für diesen gewalttätigen Überfall vom 16. November an in einem Strafverfahren am Landgericht Frankfurt (Oder) verantworten. Ihnen wird unter anderem schwerer Landfriedensbruch, Bedrohung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Einem Haupttäter legt die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) zudem versuchten Totschlag zur Last. Der Mann soll mit einem Messer versucht haben, durch die zerstörte Eingangstür der Diskothek auf dahinter stehende Personen einzustechen.

Gäste hatten Todesängste

Insgesamt sieben Verletzte vermeldete die Polizei wenige Stunden nach dem Überfall. Club-Gäste berichteten über Todesängste, die sie ausstanden, als sie sich im Gebäude verbarrikadierten, um den Angreifern zu entgehen. Der gewaltsame Überfall war tagelang das beherrschende Thema in Frankfurt (Oder). Zuvor hatten Flüchtlinge im Sommer 2018 in der Innenstadt bereits andere Gewalt- und Drogen-Straftaten verübt. Verunsicherung herrschte in der Stadt an der Oder.

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Oberbürgermeister René Wilke (Die Linke) entschloss sich zu einem harten Vorgehen. Er brachte gegen acht Straftäter, unter anderem aus Syrien und Pakistan, sogenannte Ausweisungsverfahren auf den Weg, drei davon betreffen Angeklagte im Zusammenhang mit dem Angriff auf die Diskothek.

„Der Überfall auf den Frosch-Club war letztlich der Auslöser für die Entscheidung des Oberbürgermeisters“, sagt Stadtsprecher Uwe Meier. Drei dieser acht Ausweisungsverfahren sind seinen Angaben nach noch anhängig, ein weiteres noch nicht abgeschlossen. Ein Pakistaner mit umfangreichem Vorstrafenregister soll nach der Verbüßung einer mehrjährigen Freiheitsstrafe ausgewiesen werden. Gleiches gilt für den ältesten Angeklagten im jetzt startenden Prozess um den Angriff auf die Frankfurter Diskothek. „In einem weiteren Fall hatte der betreffende Ausländer glaubhaft bekundet, geläutert zu sein und sich zu integrieren, sodass das Verfahren eingestellt wurde“, berichtet Meier. Ein anderer Flüchtling sei aus Frankfurt weggezogen, sodass die Ausweisung in seinem Fall nicht mehr weiter betrieben worden sei. Insgesamt habe das Vorgehen des Oberbürgermeisters eine Beruhigung der Situation gebracht. „Solche schweren Straftaten in dieser Häufung gab es seitdem in Frankfurt nicht mehr“, sagt der Stadtsprecher.

Zuständige Kammer am Landgericht war überlastet

Die juristische Aufarbeitung des Vorfalls um den Frosch-Club ließ lange auf sich warten, obwohl die Frankfurter Staatsanwaltschaft bereits vier Monate nach der Tat Anklage erhoben hatte. Da die zuständige Kammer am Frankfurter Landgericht überlastet war, verfügte das Brandenburger Oberlandesgericht im Frühjahr vergangenen Jahres, vier der mutmaßlichen Täter aufgrund zu langer Verfahrensdauer aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Die Männer waren zwischen Ende August und Ende September 2018 in Haft gekommen. Der fünfte, älteste Angeklagte aus der Gruppe sitzt wegen anderer Straftaten noch immer eine Freiheitsstrafe ab.

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Am 16. November soll nun der Prozess beginnen. Insgesamt neun Verhandlungstermine sind bis Mitte Dezember angesetzt, rund 30 Zeugen sollen gehört werden. Das Gericht geht derzeit davon aus, dass alle Angeklagten erscheinen. Sämtliche Ladungen seien ordnungsgemäß zugestellt worden, sagte ein Sprecher.