Ein Polizist steht in der Kleingartenanlage von Münster, wo sich der sexuelle Missbrauch abgespielt haben soll. Foto: dpa/Guido Kirchner

Die angeklagten Männer in dem Missbrauchsfall in einer Gartenlaube in Münster stehen nun vor Gericht. Der Prozess beginnt am Donnerstag. Unter den mutmaßlichen Tätern ist auch auch ein Mann aus Schorfheide in Brandenburg. Der 42-Jährige, der 27-jährige Münsteraner Haupttäter, ein 30 Jahre alter Mann aus Staufenberg in Hessen und ein 35-jähriger Mann aus Hannover sollen sich in der Hütte getroffen haben „einzig und allein um die beiden Kinder im Alter von damals zehn und fünf Jahren schwer zu missbrauchen“, schildert Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt aus Münster.

Einen heute Elfjähriger hat es nach bisherigen Erkenntnissen besonders schwer getroffen. Er soll immer wieder von seinem Ziehvater, einem IT-Techniker aus Münster, vergewaltigt und von ihm anderen Männern für schlimmste sexuelle Übergriffe zur Verfügung gestellt worden sein - wiederholt wehrlos gemacht mit K.o.-Tropfen. „So wie es sich uns bislang darstellt, soll der Angeklagte mit ihm auch durch Deutschland gereist und ihn an verschiedenen Orten Männern überlassen haben“, so Botzenhardt.

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Am Donnerstag beginnt der Prozess gegen den Angeklagten und die drei weiteren mutmaßlichen Peiniger. Damit startet das bisher größte Gerichtsverfahren in dem Missbrauchskomplex, der zu den umfangreichsten der letzten Jahre in Deutschland gehört. Auf der Anklagebank wird dann auch die Mutter des Hauptangeklagten sitzen: Die 45 Jahre alte Erzieherin soll den Männern ihre Gartenlaube zur Verfügung gestellt haben - in dem Wissen, was dort geschah: Die schweren sexualisierten Gewalttaten, die sich in dieser Hütte einer Kleingartensiedlung in Münster an drei Tagen im April 2020 abgespielt haben sollen, stehen im Zentrum der Anklage.

Wichtiges Beweisstück in dem Prozess wird ein mehrstündiges Überwachungsvideo aus der von den Angeklagten genutzten Laube sein. Die Ermittler konnten es auf einem Datenträger wiederherstellen, der bei der Durchsuchung der Hütte in einer Zwischendecke gefunden worden war. In der Folge ergaben sich immer weitere Spuren: Handybilder, Chatverläufe und Zeugenangaben ließen immer mehr Männer ins Visier der Ermittler geraten. Erst jene aus der Laube, dann weitere im Umfeld des IT-Technikers.

Mit einem Bagger wurde die Gartenlaube des Verdächtigen im Missbrauchsfall von Münster abgerissen. Foto: dpa/Guido Kirchner

Allein die Staatsanwaltschaft Münster führt inzwischen Verfahren gegen insgesamt neun Angeklagte und geht derzeit von acht möglichen Opfern aus. Sie alle stammen aus dem nahen Umfeld der mutmaßlichen Täter und vertrauten ihnen offenbar. Bundesweit verfolgen weitere Staatsanwaltschaften mindestens genauso viele Fälle mit Bezug zu dem Missbrauchsfall von Münster.

Auch in zahlreichen - über den am Donnerstag startenden Prozess hinausgehenden - Fällen hat die Staatsanwaltschaft Münster weitere Anklageschriften verfasst: In der Gesamtschau wird deutlich, dass der 27 Jahre alte Haupttäter über das Internet immer wieder Gleichgesinnte kennenlernte. Treffpunkte für die Vergewaltigungen und Übergriffe waren häufig Ferienwohnungen. Mal traf man sich im Sauerland, mal auf Mallorca oder Sylt, mal in einem Waldstück bei Köln, mal lud der Hauptangeklagte zu sich in die Wohnung.

Die Bundesregierung will härtere Strafen für sexualisierte Gewalt einführen. Der Entwurf sieht auch eine effektivere Strafverfolgung und Verbesserungen der Prävention vor.