Die Mutter des 12-jährigen Mädchens und ihr Partner stehen wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht. (Symbolbild) Foto: imago images / photothek

Cottbus - Ein zwölfjähriges Mädchen verschwindet im Herbst 2017 in Cottbus. Das Kind lebt seit Jahren getrennt von seiner Mutter in einer Wohngruppe, das Jugendamt hat die Obhut. An einem Tag kommt das Mädchen von einem Arztbesuch nicht mehr zurück. Polizisten suchen mit Fahndungsplakaten und Zeugenaufrufen nach ihm. Niemand kann ahnen, dass die Mutter des Mädchens und ihr Lebensgefährte für das Verschwinden verantwortlich sind - die Polizei findet das Kind im März 2018 in der Wohnung der Mutter in der Gemeinde Groß Schacksdorf (Spree-Neiße). Die Mutter und ihr Lebensgefährte müssen sich vor Gericht verantworten. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft: schwerer sexueller Missbrauch und Entziehung einer Minderjährigen. Am Dienstag könnte das Urteil fallen. Die Deutsche Presse-Agentur fasst das Geschehene zusammen.

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Was hat sich in der Wohnung der Mutter zugetragen? Laut Anklagebehörde soll die Zwölfjährige dort über Monate ohne Kontakt zur Außenwelt versteckt worden sein. Wenn Behörden Kontrollen bei der Mutter machten, sei das Kind in einem Holzkasten eines Sofas im Wohnzimmer versteckt worden. Bei Ämtern machte das Paar demnach falsche Angaben. Die heute 53 Jahre alte Mutter soll ihre Tochter in der Zeit gemeinsam mit ihrem Partner immer wieder sexuell missbraucht haben.

Vorbestrafter wollte das Mädchen schwängern

Die Staatsanwaltschaft nennt in der Anklage fast 100 Taten. Unter anderem soll es vor den Augen der Mutter zu den sexuellen Handlungen gekommen sein. Immer wieder soll auch die Frau daran beteiligt gewesen sein. Der unter anderem wegen Körperverletzung vorbestrafte Mann soll die Absicht gehabt haben, das Kind zu schwängern.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus hat für den heute 48-jährigen Mann zehn Jahre Haft beantragt, ebenso die Nebenklage. Für die Mutter des Opfers fordert die Anklagebehörde eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten. Die Verteidigung der Mutter plädiert auf eine Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Der 48-jährigen Lebensgefährte vertritt sich selbst und hat in seinem Schlussplädoyer vor dem Landgericht Cottbus Freispruch für sich gefordert. Am Dienstag könnte das Urteil fallen. Im Verlauf des Prozesses hatte er mehrmals Antrag auf Haftentlassung gestellt.

Der Prozess dauert bislang gut 14 Monate. In dieser Zeit wurden nach Angaben des Landgerichts mehr als 50 Zeugen und vier Sachverständige gehört. Sie prüften in ihren Gutachten unter anderem die Schuldfähigkeit der Angeklagten und die Folgen der Tat für das Kind. Das Mädchen ist Nebenklägerin in dem Prozess. Vor Gericht hat die inzwischen 15-Jährige nicht ausgesagt und als Angehörige vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht.

Der Lebensgefährte sitzt bislang in Untersuchungshaft, bei der Mutter wurde der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt.