Große Bereiche der App Tiktok könnten in US-Besitz wandern. Foto: dpa/Andre M. Chang

Microsoft bringt sich nach massivem politischen Druck aus dem Weißen Haus in Stellung, das US-Geschäft der populären Video-App Tiktok zu übernehmen. Der Software-Konzernriese will bis Mitte September einen Deal mit dem privaten chinesischen Tiktok-Eigentümer Bytedance aushandeln. Microsoft bestätigte die Gespräche erstmals, nachdem Präsident Donald Trump am Wochenende mit einem Verbot der Plattform unter Verweis auf die Datensicherheit gedroht hatte.

Auch der Tiktok-Betrieb in Kanada, Australien und Neuseeland soll Teil der Vereinbarung sein, erklärte Microsoft in einem Blogeintrag. Europa wurde nicht erwähnt.

Die US-Regierung warnt schon länger vor der angeblichen Gefahr, dass über Tiktok Daten von Amerikanern in die Hände chinesischer Behörden geraten könnten. Zugleich will Trump Pekings Einfluss in den USA mit aller Macht zurückdrängen, auch andere chinesische Konzerne wie der Telekommunikations-Riese Huawei bekam das schon zu spüren. Im Fall von Tiktok wird auch die Gefahr einer politischen Einflussnahme oder Zensur von Inhalten im Sinne Pekings angeführt.

Sollte jedoch ein US-Unternehmen Tiktoks Geschäft in den Vereinigten Staaten übernehmen, dürfte die App dort weiter eine Zukunft haben. Über ein Interesse von Microsoft hatten US-Medien bereits am Freitag berichtet, danach äußerte sich Trump jedoch zunächst ablehnend und bekräftigte seine Verbotsabsicht.

Microsoft erklärte, die Einwände Trumps ernst zu nehmen. Nach einem Gespräch des Firmenchefs Satya Nadella mit dem Präsidenten sollen die Übernahmepläne nun aber weiterverfolgt werden. Der Konzern wolle dafür sorgen, dass alle persönlichen Daten von US-Bürgern in die USA übertragen und nur dort gesammelt werden. Microsoft betonte zugleich, dass eine Übernahme nur im Einvernehmen mit der US-Regierung infrage käme.

Microsoft Satya Nadella Foto: AFP/Manjunath Kiran

Tiktok ist eine international erfolgreiche Videoplattform mit Hunderten Millionen Nutzern weltweit. Nutzer können dort eigene Clips hochladen oder Videos von anderen ansehen. Bytedance bemüht sich schon seit einiger Zeit, seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen. Tiktok versichert, Chinas Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten. Die Daten von US-Nutzern würden sowieso in den USA gespeichert und verarbeitet. In Festland-China gibt es nur die zensierte Version Douyin. 

Wie viel Microsoft für Tiktok zahlen müsste, ist bislang unklar. Es dürfte aber um einen zweistelligen Milliardenbetrag gehen. In den USA hat Tiktok nach eigenen Angaben 100 Millionen Nutzer. Microsoft hat bislang kein eigenes Social-Media-Geschäft. Mit dem Tiktok-Deal würde der Windows-Riese plötzlich zu einem relevanten Wettbewerber von Facebook werden.