Der Nachrichtenfluss rund um die Corona-Pandemie reißt nicht ab. Foto: Cai Yang/XinHua/dpa

Der Nachrichtenfluss rund um die Corona-Pandemie reißt nicht ab. Mit ihm schwemmt es auch so manche Lüge in die sozialen Netze. Warum man bei Gerüchten um Sars-CoV-2 genau hinschauen sollte:

Behauptung: Nach Sars-Cov-2 breitet sich nun ein neuer, tödlicher Erreger in China aus: das Hantavirus.

Fakten: Hantaviren sind nicht neu und bereits weltweit verbreitet. In Deutschland sind Infektionen seit Jahren meldepflichtig. Die Viren werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen, sondern über Nagetiere wie Ratten und Mäuse. Es gibt nicht das eine Hantavirus, sondern diverse Hantaviren. Je nach Typ können unterschiedlich schwere Krankheitsverläufe auftreten. Meist erleiden Infizierte plötzlich hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Magen-Darm- und Nierenprobleme. In Deutschland gab es bisher nur wenige Todesfälle.

Behauptung: Nach den Covid-19-Einsätzen zeigen Pflegekräfte und Ärzte Selfies ihrer Gesichter mit tiefen Abdrücken von Schutzbrillen.

Fakten: Klinikpersonal erntet für seinen harten Einsatz zurecht Anerkennung. Doch am Beispiel von Nicola Sgarbi aus Modena zeigt sich, dass Nutzer fremde Fotos stark manipulieren. Nach eigenen Angaben veröffentlichte Sgarbi auf seiner Facebook-Seite nach 13 Stunden auf der Intensivstation ein Selfie mit dem Abdruck der Schutzbrille. Doch andere Versionen derselben Aufnahme, die sich in sozialen Netzwerken verbreiten, zeigen viel dunklere und scheinbar tiefere Spuren. Außerdem wurden seine Augen vergrößert, ein beliebtes Mittel, um Personen verletzlicher und sanfter wirken zu lassen.

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Behauptung: Während für die Bevölkerung Kontaktsperren gelten, fliegt Bundeskanzlerin Angela Merkel im Geheimen nach Las Vegas. Das sei an den Radardaten der Regierungsflieger abzulesen.

Fakten: Die beiden Regierungsflieger «Konrad Adenauer» und «Theodor Heuss» flogen zuletzt tatsächlich in den US-Bundesstaat Nevada. Doch war nicht die Kanzlerin an Bord, sondern Angehörige der Luftwaffe. Diese hatten bis zum 20. März an einer internationalen Übung in den USA teilgenommen. Nach ihrer Rückkehr kamen die Soldatinnen und Soldaten in Quarantäne. Die Bundeswehr bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass ausschließlich Personal und Material der Luftwaffe transportiert wurde - und «kein VIP-Flug» stattfand.

Behauptung: Jugendliche lecken in einem Video nacheinander denselben Lolli ab - und sollen sich so über Kontaktsperren lustig machen.

Fakten: Das ist natürlich falsch, denn der zuerst auf der Plattform Tiktok verbreitete Clip entstand Monate, bevor die ersten Infektionen in China überhaupt bekannt wurden. Offensichtlich ahmen die jungen Leute US-Sängerin Billie Eilish («Bad Guy») nach, die häufiger mit Lutscher zwischen den Lippen zu sehen ist. Auf Twitter mokierte sich etwa der Berliner AfD-Landeschef Georg Pazderski über das Video: «Empathielose, dumme Wohlstandskinder.» Seinen Tweet unter dem Hashtag #Corona hat er mittlerweile gelöscht.

Behauptung: Sarg an Sarg in Italien: Ein erschreckendes Foto warnt vor den tödlichen Folgen des Coronavirus.

Fakten: Richtig ist: Kein anderes Land ist so stark von Covid-19 betroffen wie Italien – mehr als 80.000 Infizierte, über 8000 Tote und eine extrem hohe Dunkelziffer. Doch ein in sozialen Medien häufig geteiltes Foto mit aufgereihten Särgen stammt nicht etwa aus einer der kritischen Regionen in Norditalien, sondern von der Insel Lampedusa. Die Aufnahme entstand bereits im Herbst 2013 im Hangar einer Flugzeughalle. Damals waren mehr als hundert Menschen bei einem Schiffsunglück auf der Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen.

Behauptung: Das Coronavirus werde gezielt verbreitet. Als Beweis: das Foto eines schwarzen Güterwaggons mit der Aufschrift «Covid-19».

Fakten: Der Schriftzug wurde nachträglich in das Foto des Kesselwagens manipuliert. Der Tank zum Transport von Flüssigkeiten und Gasen gehört zur Flotte von GATX. Die US-Leasinggesellschaft hat aber auf ihren Wagen an dieser Stelle gar keine Beschriftung, wie aus einer Bahnbroschüre und weiteren Aufnahmen hervorgeht. Ein Zoom auf «Covid-19» zeigt: Die Buchstaben sind schärfer gezeichnet und weißer als bei anderen Wörtern auf dem Tank. Außerdem wirkt der Schriftzug zweidimensional und ist perspektivisch nicht korrekt.