Viola Priesemann als Gast bei Anne Will. Foto: Imago/Jürgen Heinrich

Die Max-Planck-Forscherin und Beraterin der Kanzlerin Viola Priesemann gibt sich zuverlässig, dass ein kompletter Lockdown noch vermieden werden kann. Dabei könnten steigende Temperaturen eine entscheidende Rolle spielen. „Sonne und Wärme werden helfen, aber ab wann, ist schwer vorherzusehen“, sagte Priesemann im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ). „Im allerallerbesten Fall, wirklich im optimistischsten Szenario, hat die Saisonalität schon bald eine Bremswirkung von etwa 20 Prozent und gleicht den B.1.1.7-Effekt (+ 30 Prozent oder mehr) zum Teil aus.“

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Trete dieses Szenario ein, „dann könnten wir es mit den Maßnahmen von Februar, also mit geschlossenen Schulen und vermehrtem Testen, schaffen“, den Anstieg der Corona-Fälle zu bremsen, so die Physikerin und Modelliererin. Vermehrtes Homeoffice würde auch noch einen Beitrag leisten. „Die Saisonalität könnte helfen, dass man nicht einen kompletten irischen Lockdown braucht – aber ohne Nachbesserung wird es schwer, das Wachstum aufzuhalten.“

Allein auf den nahenden Sommer zu setzen wäre aus Sicht Priesemanns fatal. „Ist der Saisonal-Effekt gering, steigen die Fallzahlen also weiter wie bisher, ist es trotz Impfung nicht zu vermeiden, dass die ersten Intensivstationen in zwei bis sechs Wochen am Limit sein werden“, warnte Priesemann in der NOZ. Dann könnten die Kliniken „über viele Wochen hinweg maximal belegt sein, und es wird zu sehr vielen vermeidbaren Todesfällen kommen.“

Die Forscherin warnte daher eindringlich vor Leichtsinn: „Jetzt weiter zu lockern wäre verfrüht und gefährlich“, sagte sie. „Spielraum für deutliche Lockerungen sehe ich erst ab Juni, wenn die über 60-Jährigen geimpft sein werden.“ Dann aber gebe es die Chance für eine dauerhafte Rückkehr der Freiheit: „Wenn wir weiter die AHA-Maßnahmen beachten und auf große Events und Feiern verzichten, können wir gut durch den Sommer kommen“, sagte Priesemann.