Wer in Berlin lebt - egal ob in einem Einfamilien- oder Mehrparteienhaus - der kennt die Problematik: Vielerorts stehen die Gebäude dicht an dicht; insbesondere in Neubaugebieten. Kommen dann noch große Fensterflächen und offene Raumkonzepte ohne Wände hinzu, erhält die schicke Architektur schnell einen Knick in Sachen Praxistauglichkeit.
Denn nur den wenigsten dürfte es egal sein, sich ständig unter Beobachtung zu wähnen; Privatsphäre ist ein zentraler Teil der Wohnpsychologie. Doch was kann man tun, ohne sich buchstäblich abzuschotten und den Innenraum in Dauerfinsternis zu tauchen? Dafür gibt es innerhalb des Hauses und im eigenen Garten gleich mehrere Optionen.
Möglichkeiten innerhalb des Gebäudes
Privatsphäre ist den meisten Menschen in Situationen besonders wichtig, in denen sie sich verwundbar fühlen oder ihr Schamgefühl greift. Je nach Charakter sind das meistens:
· Entspannen
· Familienmomente
· Hausarbeit
· Intimität
· Nacktheit
· Schlafen
· Sexualität
· Streiten
Im Gebäude, wo man die volle Kontrolle hat, lässt sich dafür am besten eine Privatsphäre herstellen. Besonders wirksam sind die folgenden Optionen:
Gezielte Raumverteilung
Wenn ein Badezimmer(fenster) in den nicht umbauten Garten weist, spielt es keine Rolle, wenn man nackt aus der Dusche kommt. Weist dasselbe Fenster hingegen zum Nachbarhaus, kann die Privatsphäre gestört sein. Wer die Möglichkeit hat (besonders groß ist sie natürlich für Bauherrn, die alles frei bestimmen können), sollte deshalb Räume, die kritisch für die Privatsphäre sind, von vornherein derart verteilen bzw. ausrichten.
Versperrte Sichtachsen
Solange es draußen nicht dunkel ist, ein Raum hingegen taghell ausgeleuchtet wird, ist die Einsehbarkeit meistens limitiert - auf den Bereich, durch den über Fenster Licht ins Zimmer fällt. Dieser Effekt lässt sich nutzen, indem Sichtachsen gezielt versperrt bzw. Schatten erzeugt werden. Dabei helfen:
- Regale bzw. Raumteiler
- Vordächer oder Markisen
- Aufstellen von Möbeln abseits der Sichtachsen
Bei letzterem können schon wenige Zentimeter einen Unterschied machen. Zudem lässt sich durch einen Blick aus den eigenen Fenstern genau erkennen, von wo Passanten/Nachbarn bis wo schauen können.
Raffstoren & Textilscreens
Die meisten Fenster sind zwangsläufig mit Rollläden versehen. Sie bei Dunkelheit herabzulassen, ist definitiv die leichteste Methode, um Privatsphäre trotz hell erleuchteter Räume zu erschaffen. Allerdings ist das keine „24-Stunden-Lösung", weil tagsüber zu viel Helligkeit verlorengeht und der Blick komplett versperrt wird.
Weil dann aber innen in aller Regel keine Lichter brennen, können Raffstoren und Textilscreens die Brücke zu einem 24/7-Sichtschutz schaffen ohne alles in Dunkelheit zu tauchen:
- Raffstoren sind Außenjalousien aus Aluminium. Dank schwenkbarer Lamellen lassen sie sich fein justieren - sowohl gegen Sonneneinfall als auch unerwünschte Blicke.
- Textilscreens sind Senkrechtmarkisen aus nicht blickdichtem Gewebe. Die Sicht nach draußen wird kaum beeinträchtigt, die nach drinnen schon. Abermals schützen die Systeme ebenfalls gegen Sonne.
Solche Lösungen, wie sie der bekannte Hersteller ROMA anbietet, haben durch die nicht vollständige Blickdichtigkeit und die Justierbarkeit starke Vorteile gegenüber Alternativen wie Milchglas- oder Tönungsfolie.
Und im Gegensatz zu Vorhängen und anderen innenliegenden Lösungen reduzieren sie nicht die Zimmerfläche und halten Sonnenlicht ab, bevor ihre Strahlungswärme das Glas passiert hat.
Undurchsichtige Balkonumrandungen
Mit diesem letzten Denkansatz aus der Innenraum-Kategorie geht es nach draußen ins Freie. Denn Balkone, respektive deren Umrandung, können Blicke sowohl ungestört zulassen als sie auch effektiv bremsen - besonders von tieferen Sichtpunkten aus. Dabei müssen es nicht einmal vollständig blickdichte Planen oder ähnliche Lösungen sein. Bereits feinmaschiges Lochblechgitter lässt aus nur wenigen Metern Distanz keinen klaren Blick mehr in den Innenraum zu - selbst wenn dieser bei Nacht hell erleuchtet ist.
Wichtig: Wie bei allen Änderungen im Außenbereich sollten Mieter im Vorfeld unbedingt die schriftliche Zustimmung des Vermieters einholen.
Möglichkeiten außerhalb des Gebäudes
Bei den Optionen, die jenseits der Außenwände zur Verfügung stehen, haben naturgemäß die Bewohner von Häusern mit eigenem Garten und Einfahrt deutlich mehr Gestaltungsfreiheit als es bei Wohnungen der Fall ist, bei denen diese Areale gemeinschaftlich genutzt werden. Jedoch: Der Außenbereich ist deshalb grandios, weil sich hier vieles machen lässt, ohne etwas am Gebäude ändern zu müssen.
1. Sichtschutzzäune und ähnliche Elemente
Egal ob es ein Lamellenzaun aus Holz ist, ein Metallgitterzaun, in den man Blendenbänder einflechtet oder ein schnöder Maschendrahtzaun, der gezielt bepflanzt wird: Diese Maßnahmen können ganz gezielt genutzt werden und sind in jedem Baumarkt verfügbar. Zudem ist es möglich, sie nur partiell einzusetzen. Heißt, es muss nicht ein das ganze Grundstück blickdicht abschirmender Zaun sein - sondern beispielsweise ein Element, das nur die wichtigsten Blickachsen in verschiedene Fenster versperrt. Zudem können solche Elemente auch mitten auf dem Grundstück stehen, nicht zwingend an dessen Außengrenze.
Wichtig: Für die Höhe von Einfriedungen sind das Berliner Nachbarschaftsgesetz, die Berliner Bauordnung sowie örtliche Bebauungspläne relevant. Daher im Vorfeld bitte ortsgenau recherchieren, was gestattet ist.
1. Bäume, Sträucher, Hecken
Sieht natürlich aus, verbessert das Mikroklima, ist - je nach Art - ein wichtiger Lebensraum für Stadttiere, liefert vielleicht sogar eine Ernte und ist darüber hinaus noch ein hervorragender Sichtschutz, ohne als solcher wahrgenommen zu werden. Hierdurch sind Bäume, Sträucher und Hecken ebenfalls eine gute Wahl. Allerdings nur, wenn genügend Platz vorhanden ist und folgende Punkte Beachtung finden:
- Es muss sich nahezu zwangsläufig um ein immergrünes Gewächs handeln, sonst ist die Privatsphäre im Winterhalbjahr reduziert.
- Besonders bei Bäumen muss die Wurzelcharakteristik beachtet werden, damit Versorgungsleitungen und andere Dinge im Untergrund nicht beschädigt werden.
- Der Grenzabstand muss der zu erwartenden Höhe entsprechen - auch hier regelt die Berliner Bauordnung.
Der einzige echte Nachteil: Je nach Winkel der Sichtachse kann es Jahre dauern, bis der volle Sichtschutz vorhanden ist - und regelmäßiges Rückschneiden sowie andere Pflegearbeiten sind ebenfalls Pflicht.
