Mary Trump hat ein neues Buch über die Lage der USA geschrieben. Ihren Onkel Donald würde sie gerne im Gefängnis sehen. Imago/Peter Serling, AFP/Chip Somodevilla

Düster. Das ist das Bild, das Mary Trump von Amerika zeichnet. Nicht nur die Gegenwart ist düster – nein, die ganze Geschichte ihres Landes ist es. Die Nichte des ehemaligen Präsidenten Donald Trump hatte im vergangenen Jahr mit ihrem Enthüllungsbuch viel Aufsehen erregt – und ist damals schonungslos mit ihrem Onkel ins Gericht gegangen. Jetzt nimmt sie sich die USA vor. „Das amerikanische Trauma. Die gespaltene Nation – und wie sie Heilung finden kann“ heißt ihr neues Buch.

Mary Trumps neues Buch geht Amerikas Problemen auf den Grund

Mary Trump ist die Tochter von Donald Trumps 1981 verstorbenem Bruder Fred Trump jr. Um das Erscheinen ihres Enthüllungsbuches hatte es 2020 ein juristisches Tauziehen gegeben. Der Bruder von Donald Trump, Robert Trump, hatte versucht, die Veröffentlichung zu stoppen – war aber vor Gericht gescheitert. Ihr neues Buch dürfte wohl kaum so explosiv sein – liegt aber trotzdem schwer im Magen.

„Rassismus und die Ideologie der Vorherrschaft von Weißen sind in unserer DNA, es steckt uns in den Knochen“, sagt die promovierte Psychologin Trump im Interview der Deutschen Presse-Agentur über ihr Land. In ihrem Buch beschreibt sie ausführlich die Geschichte der Sklaverei in den USA und zeigt, wie der Umgang mit der schwarzen Bevölkerung die Politik und Gesellschaft noch heute prägt. Eine mit aller Macht aufrecht erhaltene Ungleichheit ist ihr zentrales Thema.

Mary Trump schildert einen rassistischen Lynchmord aus dem Jahr 1904

Besonders eindrücklich schildert sie den grausamen Lynchmord an dem schwarzen Ehepaar Holbert in Mississippi. Luther Holbert soll einen Plantagenbesitzer während eines Streits getötet haben. Ihm und seiner Ehefrau werden daraufhin Finger und Ohren abgeschnitten, sie werden mit Korkenziehern gequält – so beschreibt es Trump. Dann wird das an einen Baum gefesselte Paar verbrannt. Die grausame Tat, eine von vielen, schreibt Trump weiter, habe sich nicht vor dem Bürgerkrieg ereignet – sondern 1904, vier Jahrzehnte nach Ende des Krieges und der Abschaffung der Sklaverei.

Mary Trumps Enthüllungsbuch über ihren Onkel Donald hatte im vergangenen Jahr viel Aufsehen erregt. Imago/Brian Cahn

Es zeige, so Trump, dass es nach dem Ende des Bürgerkriegs schwere Versäumnisse gegeben habe – ein gesellschaftlicher Wandel habe gefehlt, die Schwarzen seien weiter unterdrückt worden. Der Weg zu schwarzer Gleichberechtigung sei mit Gewaltverbrechen gepflastert gewesen und der Rassismus sei in der heutigen Gesellschaft immer noch tief verwurzelt. „Es ist fast unmöglich, als Weiße oder Weißer in Amerika aufzuwachsen und nicht rassistisch zu sein“, schreibt Trump. Solange weiße Amerikaner auf Kosten der Unterdrückung anderer Privilegien hätten, sei Amerika auch keine Demokratie.

Mary Trump kritisiert die Republikanische Partei scharf

Ist die Zukunft also verloren? Die Präsidentschaft von Barack Obama sei ein eindeutiges Zeichen der Hoffnung gewesen, sagt Trump. „Die Wahl von Donald hat aber auch gezeigt, dass die Gegenreaktionen auf den Erfolg von Schwarzen außergewöhnlich sind.“ Und das Schlimmste sei: Auch wenn Trump jetzt nicht mehr Präsident ist, habe er seiner Partei doch eine Art „Fahrplan“ hinterlassen. Für die Republikaner hat die 56-Jährige kein gutes Wort übrig. „Sie wären vollkommen zufrieden damit, dieses Land in eine Art theokratischen Apartheidstaat oder so etwas zu verwandeln“, schimpft Mary Trump.

Donald Trump sei das wahre Gesicht der Republikaner, schreibt sie. Einer Partei, die für Unterdrückung von Wählerstimmen und Steuersenkungen stehe. Trump habe sich während seiner Zeit als Präsident Staat und Justiz zurechtgebogen – die Republikaner hätten das geschehen lassen. „Künftig liegt die Gefahr darin, dass dieser Weg nun schon einmal begangen worden ist“, schreibt Mary Trump in ihrem Buch. Glaubt sie, dass ihr Onkel 2024 noch einmal als Präsidentschaftskandidat antreten wird? „Donald bekommt die Botschaft, dass er nicht verlieren kann, wenn er kandidiert. Warum sollte er nicht kandidieren?“, fragt die Autorin im Gespräch.

Anders als Mary Trumps erstes Buch über ihren Onkel wartet „Das amerikanische Trauma“ nicht mit neuen Enthüllungen über Donald Trump auf. Vielmehr versucht Mary Trump in ihrem neuen Buch zu verstehen, wieso ein Präsident wie Trump überhaupt möglich war und was die fundamentalen Probleme der US-amerikanischen Gesellschaft sind. Für ihren Onkel hat Mary Trump aber immer noch kein gutes Wort übrig. Seit dem Erscheinen ihres ersten Buches habe sie keinen Kontakt zu ihm oder seinem inneren Kreis gehabt, sagt sie. „Um ehrlich zu sein, denke ich, dass sie nichts mit mir zu tun haben wollen. Das ist in Ordnung, das Gefühl beruht auf totaler Gegenseitigkeit.“

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Eine große Wut auf Donald Trump hat sie aber weiterhin, daraus macht sie keinen Hehl. Was wünscht sie ihrem Onkel, den sie für einen pathologischen Lügner und Rassisten hält? „Ich will, dass er verhaftet wird. Ich will, dass ihm Handschellen angelegt werden“, sagt sie voller Verachtung. Hoffentlich, sagt sie, sitze er 2024 im Gefängnis oder sei „wirklich arm“. Sie hoffe gar, dass er den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen werde. „Wenn es künftig irgendeine Hoffnung für Amerika geben soll, (...) ist das die Art von Botschaft, die gesendet werden muss.“