Paul M. wurde zu elf Jahren Haft verurteilt, weil er seine Stieftochter Jessica umgebracht haben soll. Polizei Kent/privat

Das darf doch alles nicht wahr sein. Da erschlägt ein 27-jähriger Mann ein kleines Mädchen, das an komplexem Autismus leidet, weil er nicht in Ruhe Fußball schauen kann?! So schildert es die Mutter der kleinen Jessica, die nur drei Jahre alt wurde. Ihr Mörder: der eigene Stiefpapa Paul M.

Was war passiert? 2019 lernten sich Jessicas Mutter Hannah und Paul M. auf der Arbeit kennen und lieben. Beide arbeiteten als Altenpfleger in einem Heim. Als Hannah ihren neuen Freund vermeintlich gut genug kennt, um ihm zu vertrauen, stellt sie ihm ihre Tochter vor. Später zieht die Familie zusammen. Alles scheint perfekt zu passen.

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Doch der schöne Schein trügt. Am 21. Dezember 2019 meldet sich Paul M. bei der Arbeit krank. Obwohl er augenscheinlich nicht krank war, übernimmt Hannah freiwillig seine Schicht im Altenheim. Was sie nicht ahnt: Es sollte ein Fehler sein, den sie ihr Leben lang bereuen wird.

Stiefvater informierte Mutter über „Unfall“

Gegen 15.15 Uhr schickte Paul M. seiner Freundin eine SMS, sie solle ihn dringend anrufen. Am Telefon erzählt er der Mutter von einem „Unfall“, Jessica sei die Treppe hinuntergefallen. Er habe sie zusammengesunken hinter dem Geländer gefunden. Kein Grund zur Sorge. Medizinische Hilfe lehnt er zunächst ab.

Doch Jessicas Mutter macht sich Sorgen, wählt den Notruf, eilt nach Hause. Dort findet sie ihr kleines Mädchen umringt von Sanitätern auf dem Sofa liegen. Die Dreijährige regt sich nicht. Vom Notarzt wird Jessica mit einem Schädelbruch ins Krankenhaus geflogen. An Heiligabend erliegt sie ihren schweren Hirnverletzungen.

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Hannah mit ihrer kleinen Tochter Jessica. Das Mädchen wurde nur 3 Jahre alt. privat

Währenddessen verstrickt sich Paul M. in Widersprüche. Ein Ermittlungsverfahren wird gegen den Stiefvater eingeleitet. „Der Prozess hat bewiesen, dass es kein Einzelfall war, er hatte sie schon einmal verletzt und war damit davongekommen, weil sie sich wegen ihrer Behinderung oft den Kopf gestoßen hat“, erklärt die Mutter nun.

Am 13. Dezember 2019 – nur wenige Wochen bevor Paul M. Jessica tötete – erhielt Hannah einen Anruf von ihrem Kindergarten, der besorgt über Blutergüsse im Gesicht war. „Das Krankenhaus hat einfach akzeptiert, dass es an ihrem Verhalten liegt – genau wie ich. Jessica hatte viele schwierige Verhaltensweisen, darunter das Ausreißen ihrer Haare und das Schlagen ihres Kopfes mit Dingen“, erklärt die 29-Jährige.

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Mildes Strafmaß macht Mutter und Oma fassungslos

An jenem 21. Dezember nun, so stellte sich später heraus, wurde dem Kleinkind zum Verhängnis, was wohl alle Eltern kennen: Es wollte nicht das zum Mittag essen, was Paul M. ihr gemacht hatte. Paul M. sei wütend geworden, nachdem Jessica das Schinkensandwich nicht essen wollte, während er versuchte, Fußball auf Sky zu sehen. Daraufhin sei er auf das kleine Mädchen losgegangen, habe sie so schwer verletzt, dass sie schließlich starb.

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Nach einem Schwurgerichtsverfahren am Maidstone Crown Court wurde Paul M. am 20. Dezember letzten Jahres inhaftiert. Elf Jahre lautete des Urteil. Jessicas trauernde Mutter ist „wütend“ darüber. Hannah sagt: „Ich bin nur fassungslos, dass ihm eine so kurze Gefängnisstrafe auferlegt wurde. Es sind 11 Jahre, aber in Wirklichkeit wird er sechs Jahre absitzen. Wenn das so ist, ist es einfach widerlich, wenn man bedenkt, was er meinem kleinen Mädchen angetan hat. Er hat sie kaltblütig umgebracht, weil er im Fernsehen Fußball schauen wollte. Ich hätte ihn niemals in ihrer Nähe lassen sollen, aber ich habe ihm vertraut.“

Die Oma von Jessica, Casey J., 49, hat nun eine Petition gestartet, in der sie um eine Überprüfung des Strafmaßes für Paul M. bittet. Sie sagte: „Wenn ich ihm jetzt etwas sagen könnte, würde ich ihm sagen, dass ich ihn hasse. Wenn er nicht mit Jessicas Krankheit klarkommt, warum ist er dann nicht einfach gegangen?“