Arme und obdachlose Menschen stehen in Palma de Mallorca für ein Wohltätigkeits-Weihnachtsessen an. Die soziale Not nimmt auf der Urlaubsinsel drastisch zu. Foto: dpa/Clara Margais

Die Corona-Lage auf Mallorca wird immer schlimmer. Die Balearen sind seit Mitte des Monats die Region mit den höchsten Infektionszahlen in ganz Spanien. Doch auf Mallorca ist es besonders drastisch. Auch die soziale Not hat auf der Urlaubsinsel extrem zugenommen. Nun werden dort die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie erneut verschärft.

Unter anderem werden Restaurants, Cafés und Kneipen auch werktags schon um 18 Uhr – also vier Stunden früher als bisher – schließen müssen. Das teilte die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol am Sonntag in Palma mit. Die neuen Restriktionen sollen bis zum 11. Januar gelten.

Auch der Ladenschluss wird von 22 Uhr auf 20 Uhr vorgezogen. Die nächtliche Ausgangssperre ab 22 Uhr wird beibehalten, entgegen den Erwartungen wird sie aber in der Silvesternacht nicht gelockert.

Am Sonntag kletterte auf Mallorca die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen zwei Wochen auf 607. Vor einer Woche lag dieser Wert noch unter 400. Zum Vergleich: In ganz Spanien betrug diese sogenannte 14-Tage-Inzidenz zuletzt 249, in Deutschland knapp 394.

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Durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie nimmt auch die Armut auf der Urlaubsinsel drastisch zu. Die coronabedingten Reiseeinschränkungen haben in Spanien vor allem die Balearen und die Kanaren hart getroffen. Die Nachfrage nach Hilfsleistungen sei auf Mallorca noch nie so groß gewesen wie in diesem Jahr, berichtete die Regionalzeitung Diario de Mallorca. Das Blatt zitiert Juana Lozano, Koordinatorin beim Roten Kreuz, mit der Information, allein in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres habe man rund 52.000 Hilfspakete mit Lebensmitteln sowie Hygiene- und Putzartikeln verteilt. Im gesamten Jahr 2019 seien es 11.000 gewesen.

Nach Medienberichten werden die Schlangen vor den Tafeln der Mallorca-Hauptstadt Palma, aber auch in anderen Gebieten der Insel immer länger. Bei den Bedürftigen stellen Obdachlose und Bewohner von Problemvierteln längst nicht mehr die Mehrheit. Betroffen sind inzwischen auch viele Rentner und Familien der Mittelklasse.