Cowboy Lucky Luke und Marshall Bass Reeves – vereint im Kampf gegen den Rassismus. Foto: dpa

Bis der „lonesome Cowboy“ am Ende wieder in den verdienten Feierabend, sprich: in den Sonnenuntergang reitet, ist eine Menge geschehen. Lucky Luke muss sich in seinem neuesten Abenteuer „Fackeln im Baumwollfeld“ gegen die rassistischen Banden des Ku-Klux-Klan erwehren, eine in ihrer Deutlichkeit überraschend politische Wendung des Comic-Klassikers. Dabei hilft ihm, auch das eine echte Neuerung, der Schwarze Marshall Bass Reeves. Gemeinsam befreien sie Louisiana vom verbrecherischen Gesindel, dabei kommen ihnen sogar die ansonsten schwerkriminellen Dalton-Brüder zur Hilfe. Wir lernen: Rassismus ist ein noch viel schwereres Verbrechen.

dpa
Der Comic

Achdé (Bild) und Jul (Text):
„Lucky Luke 99: Fackeln im Baumwollfeld.“
Aus dem Französischem: Klaus Jöcken.
Egmont Comic Collection, Berlin 2020.
48 Seiten, 12 Euro

Nachdem Lucky Luke bei seinem letzten Abenteuer nach Paris fahren durfte, um den Amerikanern ihre Freiheitsstatue – sie war ein „Geschenk“ der Franzosen – zu besorgen, kümmert er sich im 99. Band der Comicreihe nun um die politische Gegenwart der USA. Bemerkenswert an der ihm zur Seite gestellten Figur des Marshalls ist, dass mit Bass Reeves nicht nur das erste Mal eine schwarze Hauptfigur in dem Comic auftaucht, sondern der Gesetzeshüter ein historisches Vorbild hat. Denn es gab ihn tatsächlich: Selbst von Sklaven abstammend, soll Bass Reeves (1838–1910) mehrere Tausend Gangster verhaftet haben – er war der erste schwarze Marshall westlich des Mississippi.

Neue politische Korrektheit: „Black Lives Matter“

Es scheint so, als wollte das Autorenpaar Achdé und Jul (Hervé Darmenton und Julien Berjeaut) mit der mittlerweile 74 Jahre Serie einen Beitrag in der gegenwärtigen Diskussion um die Cancel Culture leisten. Der Szenarist Jul erklärt jedenfalls: „Zu seiner Zeit war Reeves wirklich ein Mythos, eine Legende des Wilden Westens. Weil die amerikanische Geschichtsschreibung alle Schwarzen – alle, die nicht zur Hollywoodlegende passten – ausradiert hat, ist er aber nach und nach in Vergessenheit geraten.“ Jetzt also reitet er an der Seite des Cowboys, der schneller schießt als sein Schatten, und läutet bei „Lucky Luke“ ein neues geschichtspolitisches Zeitalter, eine neue politische Korrektheit ein.

Lucky Luke tritt seine Erbschaft im südlichen Louisiana an: ein Baumwollfeld. Foto: Lucky Comics 2020/Egmont Ehapa Media/www.egmont.de

Denn frei von rassistischen Stereotypen war auch dieser Comic bis zuletzt nicht. So zeigten Achdé und Jul in dem Album „Lucky Luke – Ein Cowboy in Paris“ (2018) die Ureinwohner Nordamerikas als wilde Marterpfahltänzer und Skalpjäger. Vergleichbar problematische, da in ihrer karikaturesken Zuspitzung abwertende Klischeebilder finden sich allerdings auch bei „Asterix und Obelix“, etwa bei dem afrikanischstämmigen Baba: Der sitzt mit seinen dicken roten Lippen im Ausguck des Piratenschiffes und zeichnet sich durch seine Unfähigkeit aus, das „R“ auszusprechen. Ein Bild, das uns schon „Tim und Struppi“-Zeichner Hergé mit dem Comic „Tim im Kongo“ (1930/31) lieferte.

Immerhin, Achdé und Jul bemühen sich jetzt. Als hätten sie sich die Parole „Black Lives Matter“ sehr zu Herzen genommen. So tauchen in dem neuen Band zwei schwarze Kinder mit den Namen Oprah und Barack auf. Die eine will Journalistin werden, der andere Präsident der Vereinigten Staaten. Es gibt also Hoffnung.