Mehrere Missbrauchstaten ereigneten sich in der Praxis des Angeklagten. Foto: Daniel Karmann/dpa

Am Donnerstag startet vor dem Würzburger Landgericht der Prozess gegen Oliver H. Dem 38 Jahre alten Logopäden wird vorgeworfen, sich in 66 Fällen massiv an Kindern vergangen zu haben. Doch alleine mit diesem Prozess wird der Fall nicht abgeschlossen sein.

Nach der Festnahme von Oliver H. im vergangenen März konnte die Polizei 42 weitere Verdächtige ermitteln – einige befinden sich außerhalb Deutschlands. Die meisten Verfahren seien nach Angaben der Ermittler an die jeweils örtlich zuständige Staatsanwaltschaft in Deutschland abgegeben worden; 17 Fälle an Behörden im Ausland. „Zu den jeweiligen Ländern kann ich aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Goger von der Zentralstelle Cybercrime Bayern, die bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angesiedelt ist.

Zahlreiche Bilder und Videos im „Darknet“ hochgeladen

Konkret gehe es um Besitz und Verbreitung kinderpornografischer Schriften und sexuellen Missbrauch von Kindern. Bei Oliver H., der sich während der Ermittlungen weitgehend geständig gezeigt hatte, waren knapp 23 000 Dateien mit kinderpornografischen Inhalten entdeckt worden. Diese soll er laut Anklage zum Teil in seinen Praxisräumen, aber auch in zwei Würzburger Kitas verübt haben. Das Personal der Kindertagesstätten soll davon nichts mitbekommen haben.

Die zahlreichen Bild- und Videodateien soll er zum Teil in einschlägige Foren im sogenannten „Darknet“ hochgeladen haben. Sieben Kinder soll der Logopäde von 2012 an bis zu seiner Festnahme im März 2019 laut Anklage auf unterschiedliche Art und Weise sexuell missbraucht haben. Bei allen lagen demnach „zum Teil hochgradige körperliche und/oder geistige Behinderungen oder Entwicklungsstörungen vor“.

Keines der Kinder war im Tatzeitraum älter als sechs Jahre. Die jüngsten Opfer waren gerade einmal zwei Jahre alt. Wegen des Alters der sieben Opfer, soll der Prozess vor der Jugendschutzkammer des Würzburger Landgerichts stattfinden. Sollten die Tatopfer aussagen, teilte das Gericht bereits im Vorfeld mit, würde zu ihrem Schutz die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Auf Oliver H., der seit rund einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt, kommen laut Staatsanwaltschaft im Falle einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Knast zu. Man strebe auch an, in der Verhandlung zu klären, ob für den Angeklagten auch die Anordnung einer Sicherungsverwahrung nach der Haft in Betracht komme.