Polizisten stehen bei der Razzia vor einem abgesperrten Gebäude in Duisburg. Christoph Reichwein/dpa

Sieben Jahre haben sie ermittelt, jetzt haben sie zugeschlagen: Nach dem Mord an Hells-Angels-Rocker Kai M. in Duisburg hat die Polizei mit einer Großrazzia in Nordrhein-Westfalen nach Beweismitteln gesucht. Bei dem Zugriff mit Hunderten Beamten und einem gepanzerten Fahrzeug wurden mindestens 20 Gebäude durchsucht, teilten die Polizei und Staatsanwaltschaften Duisburg und Mönchengladbach mit.

Ein Hells Angel wurde festgenommen

Zwei Tatverdächtige, darunter ein 42 Jahre alter Mann, seien festgenommen worden, teilte ein Duisburger Polizeisprecher mit. Außerdem gebe es einen Haftbefehl gegen einen 34-Jährigen, der wegen Drogendelikten bereits in Haft ist. Der Hauptverdächtige (33), ein führendes Mitglied der Hells Angels in Oberhausen, habe sich ins Ausland abgesetzt.

So suchte die Polizei 2014 nach Zeugen im Mordfall Kai M. Polizei

Die Großaktion habe einen „direkten Bezug“ zu dem Mordfall von 2014, bestätigte ein Polizeisprecher. Dabei sei ein Mitglied der Rockerbande aus Oberhausen ermordet und zerstückelt worden. Spaziergänger hatten den abgetrennten tätowierten Arm von Kai M. im Rhein bei Duisburg entdeckt. Zwei Monate später wurde auch der Torso im Rhein gefunden.

Die Polizei habe danach jahrelang in den abgeschotteten Strukturen der organisierten Rocker-Kriminalität ermittelt, hieß es in der Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft. Der Mann soll von Hells-Angels-Mitgliedern erschossen worden sein – unter anderem, weil sie ihn für einen V-Mann der Behörden hielten.

Bei einer Razzia gegen Rocker-Kriminalität hat die Polizei mindestens 20 Gebäude durchsucht. Sascha Rixkens/Einsatzreporter Niederrhein/dpa

Kräfte der Spezialeinheiten und der Bereitschaftspolizeihundertschaft kamen am Donnerstag unter anderem in Duisburg, Mönchengladbach, Leverkusen und Mülheim an der Ruhr zum Einsatz. Mehrere SEK-Polizisten sollen sich einer Polizeisprecherin zufolge mit einem gepanzerten Fahrzeug Zugang zu einem mutmaßlichen Vereinsheim der Rockergruppe in Mönchengladbach verschafft haben. Außerdem war die Polizei am Morgen im Duisburger Rotlichtviertel im Einsatz.

Polizei fuhr mit Panzer vor

Im Fokus der Aktion stünden mehrere Verdächtige, die der Rockergruppierung der Hells Angels zuzurechnen seien, heißt es in der Mitteilung. Neben dem Mordfall von 2014 stünden einige auch im Verdacht, an Mordversuchen in zwei Fällen im Jahr 2013 beteiligt gewesen zu sein.